Hamas-Behörde, Tote

Hamas-Behörde: 27 Tote bei Beschuss nahe Verteilungszentrum

03.06.2025 - 10:36:05

Laut der Gaza-Gesundheitsbehörde sollen erneut viele Menschen von SchĂŒssen nahe einer Verteilungsstelle getötet worden sein. Israels Armee sagt, es hĂ€tten sich VerdĂ€chtige ihren Soldaten genĂ€hert.

Israelische Soldaten sollen im Gazastreifen palĂ€stinensischen Angaben zufolge erneut viele Menschen in der NĂ€he eines Verteilungszentrums fĂŒr humanitĂ€re Hilfe erschossen haben. 

Mindestens 27 PalĂ€stinenser seien nahe der sĂŒdlichen Stadt Rafah getötet und rund 90 weitere verletzt worden, teilte die von der islamistischen Terrororganisation Hamas kontrollierte Gesundheitsbehörde mit.

Israel rĂ€umt SchĂŒsse auf VerdĂ€chtige ein

Nach Angaben der israelischen Armee haben Soldaten rund einen halben Kilometer von der Verteilungsstelle entfernt VerdĂ€chtige gesehen, die sich ihnen genĂ€hert und eine Bedrohung fĂŒr sie dargestellt hĂ€tten. Sie seien von den vorgesehenen Wegen zum Hilfszentrum abgewichen, wĂ€hrend sich zugleich eine große Menschenmenge auf den regulĂ€ren Wegen bewegt habe. Soldaten hĂ€tten zunĂ€chst WarnschĂŒsse abgegeben. Da die VerdĂ€chtigen aber nicht zurĂŒckgewichen seien, hĂ€tten sie auf einzelne VerdĂ€chtige geschossen.

Der israelischen Armee seien Berichte ĂŒber Opfer bekannt, hieß es weiter. Die Einzelheiten des Vorfalls wĂŒrden untersucht. Die Armee hindere Zivilisten nicht daran, die Verteilungszentren zu erreichen, betonte die Armee.

Die palÀstinensische Nachrichtenagentur Wafa meldete unter Berufung auf Augenzeugen Angriffe auf die Menge auch mit Artilleriefeuer und Kampfflugzeugen.

Neue Stiftung: keine ZwischenfÀlle direkt an Verteilstellen

Die Gaza Humanitarian Foundation (GHF), die ĂŒber die Zentren Mahlzeiten verteilt, sagte, die Abgabe in Rafah selbst sei «sicher und ohne ZwischenfĂ€lle» verlaufen. Ihr sei bekannt, dass Israels Armee untersuche, ob Menschen verletzt worden seien, die den ausgewiesenen Sicherheitskorridor verlassen und ein militĂ€risches Sperrgebiet betreten hĂ€tten. «Dies war ein Gebiet weit außerhalb unserer sicheren Verteilungsstelle und unseres Einsatzgebietes», hieß es in einer Mitteilung.

Ein in sozialen und palÀstinensischen Medien verbreitetes Video soll die Leichen mehrerer junger MÀnner sowie Verletzte in einer Klinik zeigen. 

Die Angaben lassen sich derzeit allesamt nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

UN: Verteilung durch Stiftung gefÀhrdet Menschenleben

Der UN-Hochkommissar fĂŒr Menschenrechte, Volker TĂŒrk, forderte in Genf eine prompte und unparteiische Untersuchung der ZwischenfĂ€lle. «Angriffe, die auf Zivilisten zielen, sind ein schwerer Verstoß gegen das internationale Recht und ein Kriegsverbrechen», teilte TĂŒrk mit. 

Die Vereinten Nationen werfen Israel vor, die humanitĂ€re Hilfe zu behindern. Sie lehnen den Einsatz der umstrittenen neuen Stiftung GHF ab. TĂŒrk sprach von «Israels militarisiertem humanitĂ€rem Hilfsmechanismus», der Menschenleben gefĂ€hrde. Die Stiftung antwortet nicht auf Fragen, wer sie finanziert und woher das Geld fĂŒr die Nahrungsmittelpakete stammt. Die wenigen GHF-Verteilzentren werden von bewaffneten SicherheitskrĂ€ften bewacht. BedĂŒrftige sind gezwungen, kilometerweit zu laufen, um sie zu erreichen.

@ dpa.de