Geplantes, Pandemieabkommen

Geplantes Pandemieabkommen: Was es regelt und wo es hakt

28.04.2024 - 11:08:15

Lockdowns, knappe Impfstoffe und zusammengebrochene Lieferketten - mit einem Pandemieabkommen will die Weltgemeinschaft Fehler aus der Corona-Pandemie kĂŒnftig vermeiden. Doch die Verhandlungen sind schwierig.

Die Corona-Pandemie hat das Leben der Menschen weltweit auf den Kopf gestellt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und deren 194 MitgliedslĂ€nder wollen mit einem neuen internationalen Abkommen bei möglichen zukĂŒnftigen Pandemien besser gewappnet sein. Die Verhandlungen am Montag in Genf gelten als letzter Versuch fĂŒr eine Einigung. Worum es bei dem geplanten Pandemie-Abkommen geht.

Was soll das Abkommen genau regeln?

Die Forderungen waren umfangreich: Dass mehr Impfstoffe fĂŒr die Verteilung in armen LĂ€ndern reserviert werden. Dass die Produktion von Impfstoffen ungeachtet von Patentregeln weltweit schnellstens angekurbelt werden kann. Dass Pharmafirmen bei staatlicher ForschungsunterstĂŒtzung einen Teil ihrer Produktion gĂŒnstig abgeben. Dass ein globales Lieferketten- und Logistiknetzwerk sicherstellt, dass jedes Land bekommt, was es braucht. Dass VertrĂ€ge ĂŒber Material und Impfstoffe offengelegt werden, damit nicht der höchste Bieter das meiste bekommt, und vieles mehr.

Welche Probleme gab es wÀhrend der Corona-Pandemie?

WĂ€hrend der Corona-Pandemie wurden weltweit Fehler gemacht. China etwa hat spĂ€t ĂŒber das Virus informiert, manche LĂ€nder haben im Alleingang ReisebeschrĂ€nkungen und EindĂ€mmungsmaßnahmen beschlossen. Lieferketten brachen zusammen, Regierungen machten sich Maskenpakete streitig. Auch die Bundesregierung verhĂ€ngte fĂŒr zwei Wochen einen Exportstopp fĂŒr SchutzausrĂŒstung. Als es endlich Impfstoff gab, rissen sich reiche LĂ€nder den Großteil unter den Nagel. WĂ€hrend vielerorts schon die zweite oder dritte Schutzimpfung verabreicht wurde, warteten Ă€rmere LĂ€nder noch auf die erste Lieferung. Auch Indien, wo viel Impfstoff zum Export produziert wurde, erließ wegen eigener hoher Infektionszahlen plötzlich einen Exportstopp. Das alles soll sich nicht wiederholen, das war die Ursprungsidee fĂŒr das Abkommen.

Wie laufen die Verhandlungen?

ZĂ€h. Ende MĂ€rz waren die Fronten völlig verhĂ€rtet. Deshalb liegt jetzt ein neuer Entwurf auf dem Tisch, der um ein Drittel auf 23 Seiten gekĂŒrzt wurde. Besonders umstrittene Details sollen nun erst im Laufe des Jahres geklĂ€rt werden. Organisationen und manche LĂ€nder protestieren, weil fĂŒr sie wichtige Bestimmungen unter den Tisch gefallen sind. «Es wird schwierig», sagte ein Verhandler in Genf. «Pessimismus ist eine Verhandlungstaktik, die sich die Welt echt nicht leisten kann», sagte Michelle Childs von der Organisation Drugs for Neglected Diseases Initiative, die sich fĂŒr Chancengleichheit fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder einsetzt. Das Abkommen soll bei der WHO-Jahrestagung Ende Mai/Anfang Juni in Genf verabschiedet werden.

Wo hakt es?

Umstritten ist, ob und wie die Pharmaindustrie verpflichtet werden soll, Patente freizugeben und Know-how zur Herstellung von Impfstoff und Medikamenten mit anderen zu teilen. Der Pharmaverband IFPMA will nur freiwillige Vereinbarungen. Ärmere LĂ€nder wollen sich nicht zu Pandemie-Vorsorge mit Investitionen verpflichten, wenn nicht klar ist, wie sie finanziell unterstĂŒtzt werden. Umstritten ist, wie viel Diagnostika, Medikamente und Impfstoffe gratis oder gĂŒnstig zur Verteilung in armen LĂ€ndern abgegeben werden sollen. Weil China internationalen Experten auf der Suche nach dem Ursprung des Virus monatelang die Einreise verweigerte, wollten manche eine Regelung, die so etwas kĂŒnftig verhindert.

Übernimmt die WHO mit dem Abkommen dann die Weltregie bei Pandemien?

Das Abkommen tritt nur in den LĂ€ndern in Kraft, deren Parlamente es ratifizieren. Regierungen wĂŒrden damit zwar Verpflichtungen eingehen, aber es gibt keine Sanktionen. Wahrscheinlich mĂŒssen LĂ€nder sich nur gegenseitig regelmĂ€ĂŸig Bericht erstatten, was auf diese Weise Druck aufbauen soll. Explizit steht im jĂŒngsten Entwurf, das nichts in dem Abkommen so interpretiert werden dĂŒrfe, dass die WHO die Macht erhĂ€lt, LĂ€ndern Lockdowns, Impfungen oder ReisebeschrĂ€nkungen vorzuschreiben. Das Bundesgesundheitsministerium schrieb auf eine kritische Petition im September 2023 hin: «Durch den Pandemie-Vertrag der WHO werden weder die Grundrechte noch die Menschenrechte eingeschrĂ€nkt.»

Geht es bei dem Abkommen vor allem um Gerechtigkeit fĂŒr Ă€rmere LĂ€nder?

Nein, es hat Nutzen fĂŒr die Menschen weltweit. Wenn eine Pandemie in allen LĂ€ndern besser gemanagt wird, kann sich ein Virus im besten Fall gar nicht so stark ausbreiten. Dann wĂ€ren nicht so drastische EinschrĂ€nkungen nötig wie in der Corona-Pandemie. Zudem soll die WHO ein Lieferketten-Netzwerk aufbauen, damit im Pandemiefall alle LĂ€nder das Material schnell bekommen, das sie brauchen, und nirgends SchutzausrĂŒstung oder anderes Material knapp wird.

@ dpa.de