Lungenpest-Verdacht in Sibirien: Trump will mit Putin telefonieren
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 06:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach dem Tod einer Mitarbeiterin eines Pestforschungszentrums in Sibirien verlangen die WHO und die USA von Russland weitere Informationen, während US-Präsident Donald Trump deswegen ein baldiges Telefonat mit Kremlchef Wladimir Putin ankündigt.
WHO fordert vollständige Aufklärung
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus teilte mit, die Organisation habe um zusätzliche Auskünfte gebeten. Geklärt werden sollen die Ursache der schweren Lungenentzündung, der mögliche Erreger sowie Medienberichte über einen zweiten Mitarbeiter mit einer Lungenentzündung unbekannter Ursache.
Die WHO bot den russischen Gesundheitsbehörden technische Unterstützung an. Ein zeitnaher und transparenter Informationsaustausch im Rahmen der Internationalen Gesundheitsvorschriften sei nötig, um widersprüchliche Berichte aufzuklären und mögliche Risiken für die öffentliche Gesundheit einzuschätzen.
Trump kündigt Telefonat mit Putin an
Auf die Frage einer Reporterin, ob er mit Putin über den Fall gesprochen habe, sagte Trump in Washington: „Ich habe einen Termin für ein Telefonat.“ Das Gespräch werde sehr bald stattfinden.
Das US-Außenministerium hatte Russland bereits aufgefordert, Informationen schnell und transparent mitzuteilen. Auch die US-Gesundheitsbehörde CDC erklärte, sie verfolge Berichte über einen nicht bestätigten Verdachtsfall in der Region Irkutsk aufmerksam. Die US-Botschaft in Moskau beobachtet die Lage ebenfalls.
Todesfall in Schelechow
Die 28 Jahre alte Wissenschaftlerin arbeitete an einem Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten. Sie starb am Freitag im Kreiskrankenhaus der Stadt Schelechow bei Irkutsk in Sibirien.
Nach Angaben der russischen Seuchenschutzbehörde war kein Pesterreger die Todesursache. Die Behörde nannte eine „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“. Medienberichte hatten zuvor einen möglichen Laborunfall und eine Lungenpest ins Spiel gebracht.
Kontaktpersonen unter Beobachtung
Nach Angaben des WHO-Chefs wurden bei Kontaktpersonen keine hochgefährlichen Erreger nachgewiesen. Die medizinische Beobachtung aller identifizierten Kontaktpersonen sei abgeschlossen.
Lungenpest ist eine schwere Form der durch das Bakterium Yersinia pestis verursachten Pest. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet, und ist bei einem frühen Beginn der Antibiotikatherapie behandelbar. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kommt die Pest noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, nicht aber in Deutschland.
Spekulationen im Internet
Im Internet wird über eine mögliche Epidemie spekuliert. Dabei wird unter anderem auf den Beginn der Corona-Pandemie mit Berichten über eine rätselhafte Lungenkrankheit verwiesen. Der Übertragungsweg von Pesterregern unterscheidet sich jedoch von dem des Coronavirus.
Die US-Regierung verwies zudem auf mögliche Einschränkungen für Reisen von US-Beschäftigten in bestimmte Regionen Russlands. Die Möglichkeiten, Amerikanerinnen und Amerikanern außerhalb Moskaus zu helfen, seien wegen Gesundheits- und Sicherheitsbedenken begrenzt.
Gesundheitsrisiko bleibt regional begrenzt
Die Lungenpest wird durch Yersinia pestis verursacht und kann sich im Unterschied zur Beulenpest über infektiöse Tröpfchen bei engem Kontakt ausbreiten. Bei frühzeitiger Behandlung ist sie mit Antibiotika behandelbar. Das Robert Koch-Institut führt die Pest weiterhin als in einzelnen Regionen Afrikas, Amerikas und Asiens vorkommende Krankheit; in Deutschland tritt sie nicht auf.
Für die internationale Bewertung sind deshalb vor allem zwei Fragen entscheidend: Lässt sich der Tod tatsächlich auf den Pesterreger zurückführen, und haben sich Kontaktpersonen infiziert? Die WHO verlangt einen zeitnahen Informationsaustausch, weil erst Laborbefunde und die Beobachtung der Kontaktpersonen eine belastbare Einschätzung des Risikos erlauben.
Transparenz als politischer Faktor
Der Fall erhält zusätzliches Gewicht, weil die Verstorbene in einem spezialisierten Pestforschungszentrum arbeitete und Berichte über Schutzmaßnahmen sowie einen möglichen zweiten Erkrankten kursieren. Solche Angaben erhöhen den Informationsbedarf, belegen aber für sich genommen keinen Ausbruch. Entscheidend bleibt, ob weitere Erkrankungen auftreten und welche Ursache medizinische Untersuchungen ergeben.
Die internationale Aufmerksamkeit richtet sich damit nicht nur auf die Gesundheitsgefahr, sondern auch auf die Zusammenarbeit mit russischen Behörden. WHO, USA und europäische Stellen benötigen verlässliche Daten zu Erreger, Kontaktpersonen und Schutzmaßnahmen. Für Menschen in Deutschland ergibt sich aus dem bekannten Sachstand kein Hinweis auf eine akute Gefahr im Inland; die Entwicklung wird wegen der möglichen internationalen Gesundheitsfolgen dennoch aufmerksam verfolgt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Lungenpest bald auch in EU?Ländern? Brüssel verfolgt Ausbruch in Russland genau“ (05.10.2026)
Der Bericht hebe hervor, die Europäische Kommission beobachte den möglichen Ausbruch genau und halte eine koordinierte Reaktion bereit. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Artikel auf die europäische Perspektive und nenne rund 200 Kontaktpersonen unter medizinischer Beobachtung; zugleich betone er, Russland habe einen Pestausbruch nicht bestätigt.
n-tv: „Rätselhafter Fall in Sibirien: Pest oder Lungenentzündung - woran starb die russische Forscherin?“ (05.10.2026)
Der Bericht ordne den Fall ausführlicher in die Verbreitung von Yersinia pestis in russischen Naturherden und die Geschichte des Forschungsinstituts ein. Er bestätige den Todesfall und die widersprüchlichen Angaben, stelle aber zusätzlich die Frage nach den Gründen für behördliche Schutzmaßnahmen; offen bleibe weiterhin, woran die Wissenschaftlerin tatsächlich gestorben sei.
Beide Berichte bestätigten den Todesfall, den Pestverdacht und die internationale Aufmerksamkeit, setzten jedoch unterschiedliche Schwerpunkte: Euronews betone die europäische Vorsorge, während n-tv die regionalen Hintergründe und offenen Widersprüche ausführlicher darstelle.
