Lungenpest-Verdacht in Sibirien: WHO und USA fordern Informationen von Russland
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 03:03 Uhr | dpa, AD HOC NEWSNach dem Tod einer Mitarbeiterin eines Pest-Forschungszentrums in Sibirien fordern die Weltgesundheitsorganisation und die USA von Russland weitere Informationen zu einer möglichen Lungenpest.
WHO verlangt Aufklärung
WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus teilte mit, die Organisation habe um Auskünfte zur Ursache der schweren Lungenentzündung, zum Erreger und zu Berichten über einen zweiten Mitarbeiter mit einer Lungenentzündung unbekannter Ursache gebeten. Die WHO stehe mit den russischen Gesundheitsbehörden in Kontakt und habe technische Unterstützung angeboten.
Tedros bezeichnete einen zeitnahen, vollständigen und transparenten Informationsaustausch im Rahmen der Internationalen Gesundheitsvorschriften als notwendig, um widersprüchliche Berichte zu klären und mögliche Risiken für die öffentliche Gesundheit einzuschätzen.
Trump kündigt Telefonat mit Putin an
US-Präsident Donald Trump kündigte an, wegen des Krankheitsfalls mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin telefonieren zu wollen. Auf die Frage einer Reporterin, ob er bereits mit Putin gesprochen habe, sagte Trump: „Ich habe einen Termin für ein Telefonat.“ Das Gespräch werde sehr bald stattfinden.
Das US-Außenministerium hatte die russischen Behörden zuvor aufgefordert, Informationen schnell und transparent mitzuteilen. Die US-Gesundheitsbehörde CDC erklärte, sie beobachte die Berichte über einen nicht bestätigten Verdachtsfall aufmerksam.
Todesursache bleibt umstritten
Die 28 Jahre alte Wissenschaftlerin arbeitete an einem Institut zur Bekämpfung von Pestkrankheiten und starb am Freitag im Kreiskrankenhaus der sibirischen Stadt Schelechow bei Irkutsk. Nach Angaben der russischen Seuchenbekämpfungsbehörde war kein Pesterreger die Todesursache; sie sprach von einer „Lungenentzündung unbekannter Herkunft“.
Ersten Medienberichten zufolge könnte die Frau nach einer versehentlichen Freisetzung des Erregers in einem Labor an Lungenpest erkrankt sein. Die russischen Behörden teilten dagegen mit, bei Kontaktpersonen seien keine hochgefährlichen Erreger nachgewiesen worden und die medizinische Beobachtung aller identifizierten Kontaktpersonen sei abgeschlossen.
Schwere, aber behandelbare Erkrankung
Lungenpest ist eine schwere Form der durch das Bakterium Yersinia pestis verursachten Pest. Sie kann entstehen, wenn sich die Infektion auf die Lunge ausbreitet, und ist bei einem frühen Beginn der Antibiotikatherapie behandelbar.
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts kommt die Pest noch in Ländern Afrikas, Amerikas und Asiens vor, nicht aber in Deutschland. Im Internet angefachte Spekulationen über eine drohende Epidemie verweisen unter anderem auf die Erfahrungen mit dem Beginn der Corona-Pandemie; der Übertragungsverlauf von Pesterregern unterscheidet sich jedoch von dem von Covid-19.
Medizinisches Risiko der Lungenpest
Die Lungenpest wird durch das Bakterium Yersinia pestis verursacht und kann sich im Unterschied zur Beulenpest durch Tröpfchen bei engem Kontakt von Mensch zu Mensch übertragen. Unbehandelt verläuft sie meist tödlich; bei frühzeitiger Antibiotikatherapie ist sie jedoch behandelbar. Für die Bewertung des konkreten Falls ist deshalb entscheidend, ob der Erreger tatsächlich nachgewiesen wurde und ob weitere Erkrankungen auftreten.
Nach den vorliegenden Angaben wurden Kontaktpersonen identifiziert und medizinisch beobachtet. Bleiben weitere Fälle aus, spricht das gegen eine anhaltende Übertragungskette. Ein einzelner laborbezogener Krankheitsfall hätte damit eine andere epidemiologische Bedeutung als ein Ausbruch in der Bevölkerung. Das Risiko hängt zudem von der Nähe und Dauer des Kontakts zu einer erkrankten, infektiösen Person ab.
Bedeutung für Deutschland
Die Pest kommt weiterhin in einzelnen Regionen Afrikas, Amerikas und Asiens vor, in Deutschland jedoch nicht. Für Reisende und die deutsche Bevölkerung ergibt sich aus einem einzelnen Verdachtsfall in Sibirien nach den vorliegenden medizinischen Einschätzungen kein konkreter Anlass zur Sorge. Sollte sich der Verdacht bestätigen, wären vor allem rasche Isolation, Kontaktpersonennachverfolgung und eine früh beginnende Behandlung entscheidend.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesspiegel: „Tote Laborantin von Pest-Forschungsinstitut: WHO fordert weitere Informationen von Russland“ (06.10.2026)
Der Bericht bestätige den Tod der 28-jährigen Mitarbeiterin und die Forderung der WHO nach weiteren Angaben. Er hebe zusätzlich die offiziellen russischen Angaben zur unbekannten Lungenentzündung, die Beobachtung der Kontaktpersonen sowie die Einschätzung hervor, das Risiko für Deutschland sei gering; offen bleibe, wie der widersprüchliche Verdacht abschließend geklärt werde.
Der Artikel bestätige den Todesfall und die ungeklärte Ursache, setze den Schwerpunkt aber auf die epidemiologische Bewertung. Ein Mikrobiologe halte eine größere Ausbreitung bei einem einzelnen Fall und engem Übertragungskontakt für eher unwahrscheinlich; zugleich bleibe offen, ob eine Infektion im Labor stattgefunden habe.
Beide Berichte stellten den Todesfall und die offenen Fragen zur Ursache heraus. Während der Tagesspiegel die internationale Informationsforderung und die behördlichen Reaktionen betone, konzentriere sich FOCUS online stärker auf Übertragungswege und das geringe Risiko einer Ausbreitung.
