Nahost, Israel

Zwischen Alltag und Angriffen: So erleben Israelis den Krieg

10.03.2026 - 04:00:10 | dpa.de

Mal Espresso, dann wieder Sirenengeheul: In Tel Aviv versuchen die Menschen, sich ein StĂŒck NormalitĂ€t zu bewahren. EindrĂŒcke aus einer Stadt zwischen Alltag und Ausnahmezustand.

  • Viele Menschen in Israel schlafen derzeit in Tiefgaragen oder SchutzrĂ€umen. (Archivbild) - Foto: Oded Balilty/AP/dpa
  • Nach einem Raketeneinschlag in Tel Aviv sind Anwohner schockiert. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa
  • Immer wieder mĂŒssen die Menschen in Israel wegen iranischer Angriffe Schutz suchen. (Archivbild) - Foto: Chen Junqing/XinHua/dpa
Viele Menschen in Israel schlafen derzeit in Tiefgaragen oder SchutzrĂ€umen. (Archivbild) - Foto: Oded Balilty/AP/dpa Nach einem Raketeneinschlag in Tel Aviv sind Anwohner schockiert. - Foto: Ohad Zwigenberg/AP/dpa Immer wieder mĂŒssen die Menschen in Israel wegen iranischer Angriffe Schutz suchen. (Archivbild) - Foto: Chen Junqing/XinHua/dpa

Im Nordwesten der israelischen KĂŒstenmetropole Tel Aviv ist am Wochenende ein ungewöhnlich lauter Knall zu hören. Nach Ende eines iranischen Angriffs strömen in einem Viertel dort etliche Menschen aus SchutzrĂ€umen auf die Straße. Es hat sich herumgesprochen: In der Gegend ist ein Raketenteil eingeschlagen. 

Seit anderthalb Wochen greifen Israel und die USA Ziele im Iran an. Das Land schlĂ€gt zurĂŒck - und feuert Raketen auf Israel und weitere Staaten in der Region. In Israel ist eine große Mehrheit trotz des mitunter tödlichen Raketenbeschusses Umfragen zufolge fĂŒr den Krieg. Viele hoffen demnach auch auf einen Regierungssturz im Iran. Viele Israelis sehen ihre Heimat durch das iranische Raketen- und Atomprogramm existenziell bedroht.

Nach dem Einschlag am Sonntag drĂ€ngen Polizisten Anwohner und Schaulustige zurĂŒck, wĂ€hrend sie die Gegend großflĂ€chig absperren. SpezialkrĂ€fte untersuchen zunĂ€chst, ob Explosionsgefahr besteht. Ein Auto wurde getroffen, daneben hat das Raketenteil ein großes Loch geschlagen. 

Die Besitzerin des Autos ist sichtlich schockiert. «Ich war nicht zu Hause», berichtet sie der Deutschen Presse-Agentur. Auch ihre Wohnung habe etwas abbekommen - ihr Mann habe ihr berichtet, dass Fensterscheiben zerbrochen seien. Immerhin: er selbst habe den Angriff sicher im Luftschutzbunker ĂŒberstanden. Mehr kann die Frau nicht erzĂ€hlen - auf den Handys aller Umstehenden ist schon wieder der schrille Warnton des israelischen Zivilschutzes zu hören. Ein weiterer Angriff steht bevor. Eilig machen sich die Menschen erneut auf den Weg in SchutzrĂ€ume.

Viele Menschen ĂŒbernachten in SchutzrĂ€umen

Viele Menschen schlafen derzeit auch in den SchutzrĂ€umen, auch weil sie es sonst in der Nacht kaum rechtzeitig in die Bunker schaffen wĂŒrden. Nach der Handywarnung bleiben nur wenige Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen. Und nicht alle haben einen Bunker in unmittelbarer NĂ€he. In einem unterirdischen Parkhaus im Norden von Tel Aviv haben einige Anwohner sogar Zelte aufgebaut, in denen sie derzeit ĂŒbernachten.

Israelis verbringen wieder Zeit in Cafés

Oberirdisch bietet sich dieser Tage ein Bild, das fast nach NormalitÀt aussieht. Die meisten GeschÀfte haben geöffnet, am Strand von Tel Aviv treiben Menschen Sport und nicht wenige Israelis verbringen ihre Zeit auch wieder in Cafés, Bars oder Restaurants. Die Lokale sind allerdings lÀngst nicht so gut besucht wie normalerweise. 

«Wir sind an Ausnahmesituationen gewöhnt», erklĂ€rt der Anwalt Itay, der mit einem Arbeitskollegen einen Espresso in einem CafĂ© trinkt. Raketenangriffe gehören fĂŒr Israelis schon seit Jahrzehnten zum Alltag. Die iranischen Geschosse gelten allerdings als besonders gefĂ€hrlich. «Wir passen uns immer an die aktuelle Lage an», sagt der 60-JĂ€hrige weiter. Er erkundige sich derzeit etwa immer nach dem nĂ€chsten Schutzraum, wenn er irgendwo außer Haus Zeit verbringe.

Viele Israelis gehen arbeiten - Schulen geschlossen

Eine Kellnerin in dem CafĂ© ist in der aktuellen Lage weniger gelassen: «Ich habe Kinder und wĂ€re in dieser Zeit wirklich gerne bei ihnen», sagt die 38 Jahre alte Avital. Sie mĂŒsse aber arbeiten, weil die Familie auf das Geld angewiesen sei, erklĂ€rt die Israelin, wĂ€hrend sie fĂŒr einen Kunden einen Kaffee zubereitet. Ihre Kinder seien gerade bei ihrer anderen Mutter - und damit zumindest in besten HĂ€nden. Die KindergĂ€rten und Schulen im Land sind derzeit noch geschlossen.

Mehrmals tÀglich gibt es derzeit Warnungen vor Angriffen. In den Cafés bleiben dann die GlÀser und in den SupermÀrkten die Einkaufswagen stehen. Nach rund 20 Minuten gibt es meistens Entwarnung und die Menschen können die SchutzrÀume wieder verlassen. Dann versuchen die Menschen, ihren Alltag so gut es geht wieder aufzunehmen.

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