Pens, Gegner

Warum nicht einmal Le Pens Gegner ĂŒber das Urteil jubeln

31.03.2025 - 17:56:48

Marine Le Pen ist Ă€ußerst beliebt in Frankreich - und ein Schreckgespenst fĂŒr moderate KrĂ€fte in ganz Europa. Nun durchkreuzt ein Urteil ihre PlĂ€ne fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskandidatur.

  • FĂŒr Le Pen ist der Schuldspruch ein Desaster. - Foto: Thibault Camus/AP/dpa

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  • Bardella trat als Parteichef in Le Pens Fußstapfen. Nun auch bei der Kandidatur? (Archivbild) - Foto: Thomas Padilla/AP/dpa

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  • Reaktionen von Le Pens europĂ€ischen VerbĂŒndeten wie Ungarns MinisterprĂ€sident Victor Orban folgten prompt. (Archivbild)  - Foto: Laszlo Balogh/AP/dpa

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  • Der Name Le Pen steckt in der IdentitĂ€t der Partei. (Archivbild)  - Foto: Francois Mori/AP/dpa

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  • Bardella ist seit 2022 Parteichef. (Archivbild)  - Foto: Thomas Padilla/AP/dpa

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FĂŒr Le Pen ist der Schuldspruch ein Desaster. - Foto: Thibault Camus/AP/dpaBardella trat als Parteichef in Le Pens Fußstapfen. Nun auch bei der Kandidatur? (Archivbild) - Foto: Thomas Padilla/AP/dpaReaktionen von Le Pens europĂ€ischen VerbĂŒndeten wie Ungarns MinisterprĂ€sident Victor Orban folgten prompt. (Archivbild)  - Foto: Laszlo Balogh/AP/dpaDer Name Le Pen steckt in der IdentitĂ€t der Partei. (Archivbild)  - Foto: Francois Mori/AP/dpaBardella ist seit 2022 Parteichef. (Archivbild)  - Foto: Thomas Padilla/AP/dpa

Die in Frankreich Ă€ußerst beliebte rechtsnationale Politikerin Marine Le Pen soll jahrelang nicht bei Wahlen antreten können - das Urteil trifft das Land wie ein Donnerschlag. Auch die politischen Gegner der Frau, die als mögliche Favoritin bei der PrĂ€sidentschaftswahl 2027 gehandelt wurde, jubeln nicht. Denn das beispiellose Urteil dĂŒrfte fĂŒr die ohnehin schon in der Krise steckende französische Politik und darĂŒber hinaus weitreichende Folgen haben. 

Welche Strafen hat das Gericht verhÀngt?

Le Pen wurde wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder schuldig gesprochen. Sie darf deswegen fĂŒnf Jahre lang nicht mehr bei Wahlen antreten. Das Ämterverbot tritt sofort in Kraft. Außerdem wurden eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Euro sowie eine vierjĂ€hrige Haftstrafe verhĂ€ngt, von denen zwei auf BewĂ€hrung ausgesetzt sind. FĂŒr die anderen beiden ordnete das Gericht eine elektronische Fußfessel an. Sobald das Urteil rechtskrĂ€ftig ist, dĂŒrfte klarer werden, wie die Strafe im Einzelnen vollstreckt wird. 

Was bedeutet das Urteil fĂŒr Le Pen?

Das Urteil ist noch nicht rechtskrĂ€ftig. Le Pens Anwalt hat Berufung angekĂŒndigt, was einen jahrelangen Gang durch die Instanzen bedeuten dĂŒrfte. Die 56-JĂ€hrige strebt seit Jahren in den ÉlysĂ©epalast, den Amtssitz der französischen PrĂ€sidenten in Paris. Unmittelbar und am hĂ€rtesten trifft sie daher, dass sie ab sofort und fĂŒr die Dauer von fĂŒnf Jahren nicht mehr fĂŒr politische Ämter bei Wahlen antreten kann. 

Die Strafe ist bei Korruptionsprozessen in Frankreich nicht unĂŒblich. Aber sie durchkreuzt wahrscheinlich Le Pens PlĂ€ne, Kandidatin bei der kommenden PrĂ€sidentschaftswahl im FrĂŒhjahr 2027 zu werden. Denn es ist fraglich, ob bis dahin ein rechtskrĂ€ftiges Urteil höherer Instanz vorliegen wird. Und ohnehin gibt es fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl einen langen Vorlauf, der spĂ€testens in einem Jahr beginnt. Bei den vergangenen beiden Wahlen schaffte sie es in die Stichwahlen gegen Amtsinhaber Emmanuel Macron. 

Wie werden Le Pens AnhÀnger auf das Urteil reagieren? 

Das ist noch unklar. Das Urteil könnte selbst im Kreis ihrer Sympathisanten ihren Ruf beschĂ€digen - zumal ihre Partei Rassemblement National (RN) fĂŒr Wahlsiege auch auf die Stimmen der gemĂ€ĂŸigten konservativen Mitte setzt. Aber auch das Gegenteil könnte eintreten: Ihre AnhĂ€nger könnten sie als vermeintliches Justizopfer noch mehr verehren und ihrer Partei neuen Aufwind bescheren. 

Klar ist: Schwerlich wird Le Pen den Politikern anderer Parteien so ungebremst wie bisher die Leviten lesen können. Als Abgeordnete wird Le Pen bis zum Ende der Wahlperiode weiter im Parlament sitzen. Ihre politische Karriere scheint aber vorerst auf Eis gelegt. 

Was bedeutet das Urteil fĂŒr die politische Stimmung in Frankreich?

Manch ein politischer Gegner dĂŒrfte sich angesichts des weitreichenden Strafmaßes die HĂ€nde reiben - doch so einfach ist es nicht. Selbst moderate Politiker warnten davor, Le Pen mit einem Ämterverbot zu belegen. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass gleiches Recht fĂŒr alle gelten solle. Doch nun wird die beliebteste Politikerin aus dem Verkehr gezogen - und damit eine, deren AnhĂ€nger immer wieder den Rechtsstaat und die UnabhĂ€ngigkeit der Justiz infrage stellen. 

Im November hatte GĂ©rald Darmanin, heutiger Justizminister, das Szenario, dass Le Pen mit einem Ämterverbot belegt werden könnte, als «zutiefst schockierend» bezeichnet. «Der Kampf gegen Madame Le Pen findet an den Wahlurnen statt, nicht anderswo.» Er fĂŒgte hinzu: «Lasst uns keine Angst vor der Demokratie haben und es vermeiden, den Unterschied zwischen den "Eliten" und der großen Mehrheit unserer MitbĂŒrger noch weiter zu vertiefen.» 

Die Reaktionen aus den anderen Lagern nach dem Urteil gingen in dieselbe Richtung. «Die Entscheidung ĂŒber die Absetzung eines Politikers sollte dem Volk obliegen», sagte der Linkenpolitiker Jean-Luc MĂ©lenchon. In einer Demokratie sei es nicht gesund, wenn einer gewĂ€hlten Politikerin die Kandidatur fĂŒr eine Wahl untersagt werde, sagte der Fraktionschef der konservativen RĂ©publicains, Laurent Wauquiez

Wird Le Pen jetzt versuchen, die Regierung zu stĂŒrzen?

Zuletzt setzte Le Pen auf einen gemĂ€ĂŸigten Kurs: Verantwortungsbewusstsein statt Krawall lautete die Devise meist bei den Debatten im Parlament, in dem es die Minderheitsregierung des Zentrumspolitikers François Bayrou ohnehin schon schwer hat. 

Le Pen verzichtete darauf, die Misstrauensvoten des linken Lagers zum Sturz Bayrous zu unterstĂŒtzen. Ob sich das nun Ă€ndert und die Partei auf ein Anheizen der politischen Krise setzt, muss sich zeigen. Davon wird auch abhĂ€ngen, ob PrĂ€sident Emmanuel Macron in schwieriges Fahrwasser gerĂ€t. 

Was Le Pens Partei von dem Urteil hĂ€lt, machte der Vorsitzende Jordan Bardella umgehend klar: Er bezeichnete es als Todesstoß fĂŒr Frankreichs Demokratie.

Könnte das Urteil auch politische GrÀben in Europa vertiefen? 

Durchaus. Das rechtspopulistische Lager dĂŒrfte den Urteilsspruch ausschlachten, indem es versucht, Zweifel an der UnabhĂ€ngigkeit der Justiz in demokratischen Staaten wie Frankreich zu befeuern. 

Reaktionen folgten prompt: Italiens Vize-Regierungschef und Chef der Rechtspartei Lega, Matteo Salvini, sprach von einer «KriegserklĂ€rung», mit der man die frĂŒhere PrĂ€sidentschaftskandidatin aus dem politischen Leben ausschließen wolle. Der ungarische MinisterprĂ€sident Viktor Orban, der sich zuletzt deutlich an Le Pen angenĂ€hert hatte, bekundete mit einem «Je suis Marine» («Ich bin Marine») auf X SolidaritĂ€t mit der Rechtspolitikerin - als wĂ€re diese Opfer einer von politischen Gegnern kontrollierten Justiz geworden. 

Auch ĂŒber Europa hinaus sorgte das Urteil fĂŒr Reaktionen. Der Kreml in Moskau kritisierte es als Verstoß gegen demokratische Regeln. «Unsere Beobachtungen in den europĂ€ischen HauptstĂ€dten zeigen, dass man keineswegs zurĂŒckhaltend ist, im politischen Prozess die Grenzen der Demokratie zu ĂŒberschreiten», sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow in Moskau. 

Nicht ausgeschlossen, dass auch die höchste Ebene in den USA darauf reagiert. US-VizeprĂ€sident J.D. Vance hat den eigentlich verbĂŒndeten Staaten in Europa lĂ€ngst vorgeworfen, Meinungsfreiheit und gemeinsame demokratische Grundwerte einzuschrĂ€nken. Das Vorgehen der Justiz gegen Donald Trump vor dessen zweiter Amtszeit stellt der US-PrĂ€sident auch heute noch als «Hexenjagd» dar. Er bezichtigt seine politischen Gegner der Demokraten, so versucht zu haben, ihn als PrĂ€sidenten zu verhindern - wenn es nicht an den Wahlurnen geht. 

Welche Chancen werden dem jungen Parteichef Bardella eingerÀumt?

Seit November 2022 ist Bardella Chef des Rassemblement National. Damit endete eine Ära: Denn der Name Le Pen steckt in der IdentitĂ€t der Partei - und dem VorgĂ€nger Front National. Der kĂŒrzlich verstorbene Vater von Marine Le Pen, Jean-Marie Le Pen, hatte die rechtsextremistische Front National gegrĂŒndet. Seine Tochter benannte die Partei 2018 um - im BemĂŒhen, ihr ein moderateres Gesicht zu geben. Der Wechsel an der Parteispitze galt als Fortsetzung dieser Strategie. 

Erwartet wird, dass Bardella sich nun in Stellung fĂŒr die Kandidatur 2027 bringt. Erstmals hatte Le Pen am Wochenende in einem Interview bekrĂ€ftigt, dass Bardella das Zeug dazu habe, PrĂ€sident zu werden. Doch es ist fraglich, ob Le Pen so einfach zu ersetzen ist. In der heutigen Stimmungslage wĂŒrde sie als Favoritin in eine PrĂ€sidentenwahl ziehen. Noch dazu hat der 29-JĂ€hrige deutlich weniger politische Erfahrung als sie, auch wenn der eloquente Jungpolitiker in den Medien omniprĂ€sent ist. 

Eine klare Prognose darĂŒber zu treffen, was in zwei Jahren bei einer PrĂ€sidentenwahl in Frankreich passiert, ist unmöglich. Das Land ist fĂŒr spontane Entwicklungen bekannt. Das hatte nicht zuletzt Macron bewiesen, der innerhalb kĂŒrzester Zeit erstaunliche PopularitĂ€tswerte erreichte und 2017 PrĂ€sident wurde, obwohl ihn drei Jahre vor der Wahl außerhalb der Pariser Polit-Blase kaum jemand kannte.

@ dpa.de