Gewaltexzesse in Georgien bei proeuropÀischen Protesten
07.12.2024 - 22:09:52Bei den proeuropĂ€ischen Protesten in der SĂŒdkaukasusrepublik Georgien ist es zu schweren Gewaltexzessen gekommen. In sozialen Netzwerken waren Videos zu sehen mit brutalen Szenen: Gruppen maskierter MĂ€nner in schwarzer Kleidung griffen friedliche Menschen an, schlugen und traten auf sie ein. Auch eine Reporterin des oppositionellen Fernsehsenders TV Pirveli wurde zu Boden geschlagen. Die Polizei sah den Attacken zu, ohne einzugreifen, wie mehrere Medien berichteten.
PrĂ€sidentin Salome Surabischwili unterstellte der russischen FĂŒhrung hinter diesen mysteriösen Attacken zu stecken. «Das russische Regime ist zurĂŒck an der Arbeit in Tbilissi», schrieb sie auf der Plattform X zu einem Video, auf dem schwarz gekleidete MĂ€nner auf einen Mann einprĂŒgeln. «Sie jagen Zivilisten auf deren Flucht vor dem Terror durch die StraĂen, nehmen Politiker, Medien und KĂŒnstler ins Visier» Zudem brĂ€chen die MĂ€nner die TĂŒren von BĂŒros der Opposition auf und misshandelten die dort enĂĄngetrioffenen Politiker.»
Es ist der zehnte Tag in Folge, an dem Tausende Georgier gegen eine Entscheidung der Regierung protestieren, die Verhandlungen ĂŒber einen EU-Beitritt bis 2028 aufzuschieben. Bereits in den vergangenen Tagen gab es Dutzende Verletzte und Hunderte Festnahmen bei den StraĂenprotesten in der Hauptstadt Tiflis (Tbilissi). Auch in anderen StĂ€dten des Landes protestieren die Menschen gegen eine Abkehr vom prowestlichen Kurs Georgiens, das seit 2023 EU-Beitrittskandidat ist.
Ombudsmann fordert von Polizei Sicherheit fĂŒr BĂŒrger
Der georgische Menschenrechtsbeauftragte Lewan Iosseliani, der zuletzt schon Folter von Andersdenkenden im GefĂ€ngnis beklagt hatte, forderte die Polizei auf, unverzĂŒglich auf die Gewalt zu reagieren und die Sicherheit der BĂŒrger zu gewĂ€hrleisten. Der Ombudsmann rief die Behörden auf, die TĂ€ter zur Verantwortung zu ziehen. Das Innenministerium kĂŒndigte Ermittlungen an. Im Fernsehen sagte Iosseliani, dass die Stimmung im Land bis zum «Siedepunkt» aufgeheizt sei.
Der Abgeordnete Mamuka Mdinaradse von der Regierungspartei Georgischer Traum erklĂ€rte, die MĂ€nner in Schwarz seien nicht im Auftrag der FĂŒhrung im Einsatz. Sie hĂ€tten offenbar das Ziel, Unruhe und Chaos zu stiften. In Tbilissi protestierten auch zahlreiche Geistliche verschiedener Religionen gegen die Gewalt bei den proeuropĂ€ischen Protesten. Sie drĂŒckten ihre SolidaritĂ€t mit den in die EU strebenden Demonstranten aus.
Demonstrationen dauern an
Mittlerweile demonstrieren die Teilnehmer nicht mehr nur fĂŒr den EU-Beitritt und gegen Polizeigewalt, sondern auch fĂŒr die Freilassung der Festgenommenen.Â
Auslöser der Proteste in der SĂŒdkauskasusrepublik war die umstrittene Parlamentswahl Ende Oktober. Die Regierungspartei Georgischer Traum wurde dabei erneut zur Siegerin erklĂ€rt. Die westlich orientierte Opposition spricht von WahlfĂ€lschung und erkennt die Ergebnisse nicht an.


