Kambodscha, Thailand

Thailand: Tod von Zivilisten im Konflikt mit Kambodscha

11.12.2025 - 16:02:43

Mehr als 500.000 Menschen sind wegen der Gefechte im Grenzgebiet zwischen Kambodscha und Thailand auf der Flucht. Beide Seiten beklagen den Tod von Zivilisten.

Phnom Penh/Bangkok/Washington (dpa) -Thailand hat im neu entflammten Grenzkonflikt mit Kambodscha erstmals den Tod von Zivilisten bekanntgegeben. Es seien auf thailĂ€ndischer Seite drei Zivilpersonen als Folge der KĂ€mpfe ums Leben gekommen, wurde der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Bangkok, Konteradmiral Surasant Kongsiri, von der thailĂ€ndischen Zeitung «The Nation» zitiert. Die Zahl der getöteten Soldaten sei auf neun gestiegen, hieß es. Die KĂ€mpfe wurden unterdessen in der Grenzregion von beiden LĂ€ndern fortgesetzt. 

Seit dem erneuten Ausbruch der Feindseligkeiten werfen sich beide Seiten gegenseitig vor, auch zivile Gebiete unter Beschuss zu nehmen. Nach Angaben des Innenministeriums in Phnom Penh starben bisher zehn Zivilisten auf kambodschanischer Seite, 60 weitere Menschen seien verletzt worden.

Forderung nach Eingreifen des UN-Sicherheitsrats

Die kambodschanische Regierung forderte ein Eingreifen des UN-Sicherheitsrats. Das mĂ€chtigste Gremium der Vereinten Nationen solle das thailĂ€ndische MilitĂ€r zu einem «sofortigen Stopp aller Angriffe» aufrufen und eine unabhĂ€ngige Erkundungsmission entsenden, um die Lage vor Ort zu untersuchen, hieß es in einem Schreiben des kambodschanischen UN-Botschafters an den Vorsitz des Sicherheitsrats. Darin werden Thailands MilitĂ€roperationen als «schwerwiegende Verletzung des humanitĂ€ren Völkerrechts» kritisiert. 

Die thailĂ€ndische Armee wies den Vorwurf zurĂŒck. «Das ist ein Versuch, Thailand die Schuld zuzuweisen», sagte ein Armeesprecher. Der Einsatz der Waffen sei ausschließlich auf militĂ€rische Ziele gerichtet. 

Der zwischenzeitlich offensichtlich befriedete Konflikt zwischen den beiden sĂŒdostasiatischen NachbarlĂ€ndern um GebietsansprĂŒche war vergangene Woche aufs Neue entbrannt. Beide Seiten beschuldigen sich seit Sonntag, eine zuletzt geltende Waffenruhe im Gebiet entlang der etwa 800 Kilometer langen gemeinsamen Grenze zuerst verletzt zu haben. Die KĂ€mpfe haben ĂŒber 500.000 Bewohner der Region in die Flucht getrieben.

Trump will mit Konfliktparteien sprechen

US-PrĂ€sident Donald Trump gab unterdessen bekannt, er habe fĂŒr (den heutigen) Donnerstag (Ortszeit Washington) ein Telefonat mit beiden Seiten geplant, nachdem er dies zunĂ€chst fĂŒr Mittwoch in Aussicht gestellt hatte. Es blieb unklar, ob es sich um ein GesprĂ€ch oder mehrere handelt. Auch die konkreten Beteiligten wurden nicht genannt. Er glaube, er könne die zwei Staaten dazu bringen, die KĂ€mpfe einzustellen, sagte Trump im Weißen Haus.

Aussetzung der Waffenruhe

Bereits im Juli hatten beide LÀnder nach schweren KÀmpfen eine Waffenruhe vereinbart. Ende Oktober unterzeichneten sie in Anwesenheit Trumps in Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur eine gemeinsame ErklÀrung, die Schritte zu einem dauerhaften Frieden vorsah. Doch im November wurde die vereinbarte Feuerpause nach einem neuerlichen Vorfall an der Grenze erst einmal ausgesetzt. Seit Sonntag hat sich die Lage nochmals verschÀrft.

@ dpa.de