Ukraine, Russland

Friedensplan geht an USA - Selenskyj zu GesprÀchen in Rom

09.12.2025 - 14:04:54 | dpa.de

Merz, Macron, Meloni: Selenskyj tourt durch Europa, um VerbĂŒndete auf den neuesten Stand der Verhandlungen im Ukraine-Krieg zu bringen. Derweil richten sich die Blicke gespannt in Richtung USA.

  • Außenminister Wadephul ist mit Blick aus die russischen Forderungen skeptisch. - Foto: Soeren Stache/dpa
  • Die EuropĂ€er und Amerikaner ziehen nicht mehr an einem Strang. - Foto: Toby Melville/Pool Reuters/AP/dpa
  • Gestern hatte Selenskyj (l-r) den britischen Premier Starmer, den französischen PrĂ€sidenten Macron und Kanzler Merz in London getroffen. - Foto: Kin Cheung/AP/dpa
  • In Rom traf Selenskyj zunĂ€chst Papst Leo. - Foto: Vatican Media/IPA via ZUMA Press/dpa
  • Am Nachmittag wird er von Meloni empfangen. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
  • Am Nachmittag wurde er von Meloni empfangen. - Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa
Außenminister Wadephul ist mit Blick aus die russischen Forderungen skeptisch. - Foto: Soeren Stache/dpa Die EuropĂ€er und Amerikaner ziehen nicht mehr an einem Strang.  - Foto: Toby Melville/Pool Reuters/AP/dpa Gestern hatte Selenskyj (l-r) den britischen Premier Starmer, den französischen PrĂ€sidenten Macron und Kanzler Merz in London getroffen. - Foto: Kin Cheung/AP/dpa In Rom traf Selenskyj zunĂ€chst Papst Leo. - Foto: Vatican Media/IPA via ZUMA Press/dpa Am Nachmittag wird er von Meloni empfangen. - Foto: Andrew Medichini/AP/dpa Am Nachmittag wurde er von Meloni empfangen. - Foto: Gregorio Borgia/AP/dpa

Nach der Überarbeitung des US-Friedensplans fĂŒr die Ukraine wirbt PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj in Europa weiter um UnterstĂŒtzung auf dem Weg zu einem Ende des russischen Angriffskrieges. In Rom traf der ukrainische Staatschef zunĂ€chst Papst Leo XIV., am Nachmittag fĂŒhrte er noch GesprĂ€che mit Italiens Regierungschefin Georgia Meloni. Unterdessen wird gespannt auf eine Reaktion der USA auf die ĂŒberarbeitete Version des ehemals 28 Punkte umfassenden Friedensplans von US-PrĂ€sident Donald Trump gewartet. 

Der deutlich abgeĂ€nderte Plan fĂŒr ein Ende des Ukraine-Kriegs soll nach Angaben aus Kiew in KĂŒrze an Washington ĂŒbermittelt werden. Der von der US-Regierung ausgearbeitete Friedensplan sei inzwischen von 28 auf 20 Punkte gekĂŒrzt worden, teilte Selenskyj ukrainischen Journalisten mit. «Die offen Ukraine-feindlichen Positionen wurden herausgenommen.» Außenminister Johann Wadephul Ă€ußerte sich angesichts russischer Forderungen nach Gebietsabtretungen skeptisch ĂŒber die Erfolgsaussichten der aktuellen Verhandlungen. 

Selenskyj bei Meloni

Selenskyj fĂŒhrte in Rom GesprĂ€che mit der italienischen MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni. «Wir hatten ein tolles GesprĂ€ch, das sehr inhaltsreich hinsichtlich aller Aspekte der diplomatischen Lage war», schrieb Selenskyj danach auf sozialen Netzwerken. Die ukrainische Seite schĂ€tze es, dass sich Italien aktiv an der Suche nach wirksamen Ideen und Schritten zur HerbeifĂŒhrung eines Friedens beteiligt. Kiew zĂ€hle auch weiter auf die italienische UnterstĂŒtzung. 

Selenskyj dankte insbesondere fĂŒr UnterstĂŒtzung im Energiebereich und dabei bereitgestellte AusrĂŒstungen. «Das ist das, was die ukrainischen Familien, unsere Menschen, Kinder, das Leben in unseren StĂ€dten und Gemeinden unterstĂŒtzt, die unter stĂ€ndigem russischem Beschuss stehen», fuhr Selenskyj fort. 

Von italienischer Seite hieß es, die beiden Staats- und Regierungschefs hĂ€tten an die Bedeutung der einheitlichen Sichtweise zwischen europĂ€ischen und amerikanischen Partnern erinnert. Meloni habe zudem die SolidaritĂ€t mit dem ukrainischen Volk bekrĂ€ftigt und versichert, dass Italien auch im Hinblick auf den zukĂŒnftigen Wiederaufbau der Ukraine weiterhin seinen Beitrag leisten werde.

Papst: Dialog muss fortgesetzt werden

Vor seinem Treffen mit Meloni sprach Selenskyj mit Papst Leo in dessen Residenz in Castel Gandolfo. Nach Vatikan-Angaben bekrÀftigte dieser mit Blick auf den Krieg dabei die «Notwendigkeit der Fortsetzung des Dialogs» und seinen Wunsch nach einem gerechten und dauerhaften Frieden als Ergebnis der Verhandlungen. 

Meloni gehört zu den entschlossenen UnterstĂŒtzern der Ukraine. Gleichzeitig gilt die rechte Politikerin im Kreis der EU-Regierungschefs als die MinisterprĂ€sidentin mit den engsten Kontakten ins Lager von Trump.

GesprÀche mit Merz, Macron, Starmer und EU-Spitzen

Selenskyj hatte bereits am Montag in London mit Bundeskanzler Friedrich Merz, dem britischen Premierminister Keir Starmer und Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron ĂŒber die FriedensbemĂŒhungen beraten. Anschließend unterrichtete er in BrĂŒssel die Spitzen der EU und Nato darĂŒber.

«Unsere Positionen sind in allen Fragen aufeinander abgestimmt. Wir handeln koordiniert und konstruktiv», teilte Selenskyj nach den GesprÀchen mit den Spitzen von EU und Nato auf der Online-Plattform X mit. Von der Leyen schrieb nach dem Austausch mit dem Ukrainer: «Das Ziel ist eine starke Ukraine, sowohl auf dem Schlachtfeld als auch am Verhandlungstisch.» 

EuropÀer und USA stehen nicht mehr Schulter an Schulter

Vorangegangen waren mehrtĂ€gige Verhandlungen zwischen UnterhĂ€ndlern Kiews und der USA in der vergangenen Woche ĂŒber eine neue Fassung des Friedensplans. Die USA hatten die erste Version Ende November an Kiew ĂŒbergeben. Der vielfach als «russische Wunschliste» kritisierte Plan wurde von der ukrainischen StaatsfĂŒhrung und ihren europĂ€ischen VerbĂŒndeten abgelehnt - und in der Folge ĂŒberarbeitet. Selenskyj hat Gebietsabtretungen immer wieder abgelehnt.

EuropÀer und Amerikaner ziehen in den Anstrengungen, den seit fast vier Jahren dauernden russischen Angriffskrieg in der Ukraine zu beenden, nicht mehr an einem Strang. Die Trump-Regierung wirft europÀischen Politikern «unrealistische Erwartungen» und eine politische Blockadehaltung im Ringen um Frieden mit Moskau vor. 

Wadephul skeptisch: «Bin noch nicht sicher»

Außenminister Wadephul Ă€ußerte sich zurĂŒckhaltend zu einer möglichen Einigung. «Ich bin noch nicht sicher, dass ein kompromissfĂ€higes Papier am Ende des Tages auf dem Tisch liegen wird», sagte der CDU-Politiker am Rande eines Besuchs im sĂŒdchinesischen Guangzhou.

Es sei gut, dass an einem Kompromisspapier mit Ernsthaftigkeit gearbeitet werde, fĂŒgte er hinzu. Je weiter die Verhandlungen fortschreiten wĂŒrden, desto kritischer und wichtiger wĂŒrden die Fragen, die ĂŒbrig blieben. «Dass die territorialen Fragen zu den schwierigsten gehören, das war von vornherein klar», fĂŒgte Wadephul hinzu. Am Ende wĂŒrden nur die Ukrainer darĂŒber entscheiden können, betonte er. «Dass ihnen diese Entscheidungen nicht leicht fallen werden, das liegt auch vollkommen auf der Hand.»

Bundeskanzler Friedrich Merz hĂ€lt bei dem Friedensplan eine Entscheidung ohne die Ukraine und ohne die EuropĂ€er fĂŒr «undenkbar». Ein «Diktatfrieden» fĂŒr die Ukraine bleibe nicht vorstellbar, sagte Merz nach einem Treffen mit Armeniens MinisterprĂ€sident Nikol Paschinjan in Berlin. «Eine Entscheidung ĂŒber die Ukraine ohne die Ukraine ist ebenso undenkbar wie eine Entscheidung ĂŒber Europa ohne die EuropĂ€er.»

Russland: Mehr als ein Dutzend durch TrĂŒmmer verletzt

Die Angriffe in dem nunmehr seit fast vier Jahren dauernden russischen Angriffskrieg gingen unterdessen weiter. In der russischen Großstadt Tscheboksary an der Wolga stĂŒrzten nach offiziellen Angaben TrĂŒmmer einer ukrainischen Drohne in ein Wohnhaus, 14 Menschen wurden verletzt. Unter den Verletzten sei auch ein Kind, schrieb der Vizeregierungschef der russischen Teilrepublik Tschuwaschien, Wladimir Stepanow, bei Telegram. Alle Opfer seien in Ă€rztlicher Betreuung.

Das Verteidigungsministerium in Moskau meldete derweil den Abschuss von 121 ukrainischen Drohnen ĂŒber russischem Territorium und der seit 2014 annektierten Krim. WĂ€hrend demnach vier Drohnen ĂŒber dem benachbarten Gebiet Nischni Nowgorod abgeschossen wurden, gab es keine Drohnenmeldungen zu Tschuwaschien selbst. 

Auch wieder Drohnenangriffe in der Ukraine

In der vergangenen Nacht habe Russland mit 110 Drohnen angegriffen, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. EinschlĂ€ge habe es an neun unterschiedlichen Orten gegeben. Zum Ausmaß der SchĂ€den und möglichen Opfern machte das MilitĂ€r keine Angaben.

Aber auch Kiew hat inzwischen Drohnen entwickelt, mit denen es Objekte – zumeist aus der Öl- und Gasindustrie – weit hinter der russischen Grenze attackiert. Die SchĂ€den und die Opferzahlen stehen aber in keinem VerhĂ€ltnis zu den von Russland angerichteten massiven Zerstörungen und vielen Toten und Verletzten in der Ukraine.

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