Friedrich Merz, Frank-Walter Steinmeier

Merz und Steinmeier reisen getrennt nach Asien

Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 04:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Bundeskanzler Friedrich Merz und BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier reisen zeitgleich nach Asien, verfolgen dabei aber unterschiedliche Ziele. WĂ€hrend Steinmeier in Peking fĂŒr ausgewogenere Beziehungen wirbt, sucht Merz den Ausbau von Partnerschaften mit Singapur, Japan und SĂŒdkorea.

Die ReiseplÀne der Bundesregierung

  • Steinmeier startet am Montag zu seinem zweiten Staatsbesuch in China.
  • Merz reist zunĂ€chst nach Singapur und anschließend nach Japan und SĂŒdkorea.
  • Der Kanzler kehrt erst am spĂ€ten Freitagabend nach Berlin zurĂŒck.
Sowohl Merz als auch Steinmeier werden heute in solche Flugzeuge steigen. (Archivfoto) - Bild: Michael Kappeler/dpa

Merz und Steinmeier reisen zeitgleich nach Asien

BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier bricht am Montag zu seinem zweiten Staatsbesuch nach China auf, wĂ€hrend Bundeskanzler Friedrich Merz wenige Stunden spĂ€ter seine bisher lĂ€ngste Auslandsreise als Kanzler beginnt. Merz besucht zunĂ€chst Singapur und reist anschließend nach Japan und SĂŒdkorea.

Unterschiedliche Partner, abgestimmte Reisen

Steinmeier besucht mit China Deutschlands wichtigsten Wirtschaftspartner in Asien, der zugleich als Wettbewerber und Systemrivale gilt. Die drei Stationen von Merz zĂ€hlen dagegen zu den gleichgesinnten Partnern Deutschlands in der Region, wobei Japan ĂŒber die G7 besonders eng mit Deutschland verbunden ist.

Beide Reisen enden kurz hintereinander am spĂ€ten Freitagabend beziehungsweise kurz danach in Berlin. Regierungskreise betonen, dass Merz’ Reise nicht wegen des Staatsbesuchs in China stattfinde, zugleich seien die Vorhaben eng abgestimmt.

Merz setzt auf breitere Partnerschaften

FĂŒr Merz ist es die dritte Asien-Reise als Kanzler. Nach Indien und China besucht er nun Singapur, Japan und SĂŒdkorea, um wirtschaftliche und politische Partnerschaften in der Region zu vertiefen und Deutschlands AbhĂ€ngigkeit von China bei Exporten und wichtigen Rohstoffen zu verringern.

In Singapur will der Kanzler eine außenpolitische Grundsatzrede halten. In Japan und SĂŒdkorea stehen Wirtschaftskonferenzen auf dem Programm. Von Seoul aus ist zudem ein Abstecher in die demilitarisierte Zone an der Grenze zu Nordkorea vorgesehen.

Wirtschaftsabkommen und Sicherheitsfragen

Merz wird von einer hochkarĂ€tigen Wirtschaftsdelegation begleitet. Geplant sind mehrere Unternehmensabkommen und Regierungsvereinbarungen, unter anderem zu kĂŒnstlicher Intelligenz, Infrastruktur und kritischen Rohstoffen.

Steinmeier wirbt in Peking fĂŒr Ausgleich

FĂŒr Steinmeier ist der viertĂ€gige Staatsbesuch der Abschluss und Höhepunkt zahlreicher Asien-Reisen der vergangenen Jahre. In Peking will er fĂŒr faire und ausgewogene Wirtschafts- und Handelsbeziehungen sowie fĂŒr eine regelbasierte internationale Ordnung werben.

Bei der Verleihung einer Ehren-Professur an der UniversitÀt Peking will Steinmeier am Donnerstag eine Grundsatzrede halten. Am Freitag ist ein GesprÀch mit Chinas PrÀsidenten Xi Jinping geplant.

Deutschland stimmt sich mit Europa ab

Steinmeier nimmt keine Wirtschaftsdelegation mit nach China, aber unter anderem den PrĂ€sidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Peter Leibinger, und den PrĂ€sidenten des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen, Dirk Jandura. GesprĂ€che ĂŒber systemische Wirtschafts- und Handelsfragen stehen im Mittelpunkt.

Der BundesprÀsident hat sich nach Angaben des BundesprÀsidialamts mit Merz und EU-Handelskommissar Maros Sefcovic abgestimmt. Mit der VizeprÀsidentin des Europaparlaments, Katarina Barley, will er die Reise zudem als europÀischen Beitrag zu den Beziehungen mit China kenntlich machen.

Die beiden Reisen markieren unterschiedliche, aber miteinander verbundene Linien deutscher Asienpolitik. Steinmeier sucht in China den direkten Austausch mit der politischen FĂŒhrung und will fĂŒr ausgewogenere Wirtschaftsbeziehungen werben. Merz setzt zugleich auf Staaten, die Deutschland politisch und sicherheitspolitisch nĂ€herstehen und bei Handel, Technologie sowie kritischen Rohstoffen als Partner fĂŒr eine breitere Aufstellung infrage kommen.

Diese Arbeitsteilung entspricht einem Spannungsfeld, das die deutsche Außenwirtschaft seit Jahren prĂ€gt: China bleibt ein zentraler Absatzmarkt und Lieferant, zugleich erhöhen politische RivalitĂ€t, AbhĂ€ngigkeiten bei Rohstoffen und Konflikte ĂŒber Handelsbedingungen den Druck zur Diversifizierung. Singapur, Japan und SĂŒdkorea können China nicht ersetzen, erweitern aber Deutschlands wirtschaftliche und strategische Beziehungen im indo-pazifischen Raum.

Wirtschaft und Sicherheit eng verknĂŒpft

FĂŒr die Bundesregierung verbindet sich die Reise daher mit konkreten Wirtschaftsinteressen und geopolitischen Fragen. Vereinbarungen zu kĂŒnstlicher Intelligenz, Infrastruktur und kritischen Rohstoffen könnten die Zusammenarbeit mit den Partnerstaaten vertiefen. Steinmeiers GesprĂ€che in Peking zielen dagegen stĂ€rker auf die politischen und systemischen Rahmenbedingungen des Handels.

FĂŒr Unternehmen und Verbraucher bleibt entscheidend, ob aus politischen AbsichtserklĂ€rungen belastbare Lieferketten und faire Wettbewerbsbedingungen entstehen. Die Reisen zeigen zudem, dass Deutschland seine China-Politik nicht auf Abkopplung ausrichtet, sondern auf Risikoreduzierung durch mehrere Partnerschaften und zugleich auf den Erhalt des Dialogs mit Peking.

n-tv: „Die Kanzlerin reist nach Asien: Merz kann in Singapur, Japan und SĂŒdkorea viel lernen“ (25.10.2026)

Der Beitrag ordnet Merz’ Reise als Fortsetzung seiner frĂŒheren Besuche in Indien und China ein und hebt die Wirtschaftsbeziehungen zu den drei Stationen hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich auf die Lern- und Kooperationsmöglichkeiten des Kanzlers in der Region.

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