Merz wirbt in Seoul für globale Freihandels-Allianz
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 02:48 Uhr | dpa, AD HOC NEWSKooperation mit Südkorea im Fokus
- Bundeskanzler Friedrich Merz warb in Seoul erneut für ein Netzwerk freier Handelsstaaten.
- Rund 1000 Wirtschaftsvertreter nehmen an der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft teil.
- Südkorea nennt Batterien, Halbleiter und KI als zentrale Felder für eine engere Zusammenarbeit.
Merz wirbt in Seoul für freie Handelsordnung
Bundeskanzler Friedrich Merz hat zum Abschluss seiner fünftägigen Asienreise erneut für ein globales Netzwerk für freien, regelbasierten Handel geworben. Bei der Eröffnung der Asien-Pazifik-Konferenz der deutschen Wirtschaft in Seoul sagte der CDU-Chef, die veränderte geopolitische Lage bringe gleichgesinnte Partner näher zusammen.
Merz wandte sich gegen Unilateralismus, autokratische Machtpolitik und Verstöße gegen internationales Recht. Wenn Lieferketten politisch instrumentalisiert, Schlüsseltechnologien blockiert oder Rohstoffe als Druckmittel eingesetzt würden, gefährde dies Wachstum, Wohlstand und die Sicherheit ganzer Regionen, sagte er.
Neue Allianz neben der WTO
Der Kanzler schlug erneut eine Allianz gleichgesinnter Staaten für freien Welthandel vor. Sie soll neben der weitgehend handlungsunfähigen Welthandelsorganisation entstehen.
Außerdem setzt Merz auf eine stärkere Verknüpfung der zahlreichen Freihandelsabkommen der Europäischen Union. Neue Vereinbarungen mit Staatenbünden wie Asean oder der Transpazifischen Partnerschaft könnten das Netzwerk ergänzen.
Rund 1000 Vertreter aus Wirtschaft
Merz hatte bereits in Singapur und Japan für sein Konzept geworben. Südkorea war die letzte Station der Reise.
An der Konferenz in Seoul nahmen rund 1000 Wirtschaftsvertreter aus Deutschland und dem indopazifischen Raum teil. Am Rand des Besuchs sollten zahlreiche Unternehmensvereinbarungen unter anderem in den Bereichen Start-ups und Künstliche Intelligenz unterzeichnet werden.
Südkorea setzt auf Technologiekooperation
Südkoreas Ministerpräsidentin Han Seong Sook sagte, deutsche Unternehmen nutzten Korea als zentralen Knotenpunkt für ihre Präsenz im asiatisch-pazifischen Raum. Angesichts tiefgreifender Veränderungen in der Weltwirtschaft gewinne die globale Vernetzung an Bedeutung.
Han nannte Batterien, Halbleiter und die KI-gestützte Transformation der Industrieproduktion als Felder, in denen sie auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit Deutschland hoffe.
Merz’ Vorstoß fällt in eine Phase, in der Handelspolitik zunehmend mit Sicherheits- und Machtfragen verknüpft wird. Abhängigkeiten bei Halbleitern, Batterien, Rohstoffen und kritischen Technologien gelten für exportorientierte Volkswirtschaften als strategisches Risiko. Für Deutschland ist der indopazifische Raum deshalb nicht nur ein Absatzmarkt, sondern auch ein Schwerpunkt bei der Suche nach resilienteren Lieferketten und verlässlichen Partnerschaften.
Die von Merz angestrebte Allianz würde neben der Welthandelsorganisation stehen, die wegen blockierter Verhandlungen und institutioneller Konflikte seit Jahren an Durchsetzungskraft verliert. Praktisch müsste ein solches Netzwerk jedoch klären, welche Staaten teilnehmen, welche Regeln gelten und wie Verstöße sanktioniert werden. Zugleich müsste es mit bestehenden EU-Handelskompetenzen und bereits geltenden Abkommen verzahnt werden.
Chancen für Kooperation
Südkorea bietet dafür einen wichtigen Anknüpfungspunkt. Das Land verfügt über starke Positionen bei Halbleitern, Batterien und industrieller Technologie und ist zugleich eng in globale Lieferketten eingebunden. Die auf der Konferenz erwarteten Vereinbarungen im Startup- und KI-Bereich könnten wirtschaftliche Kontakte vertiefen.
Für Unternehmen bedeutet die Reise vor allem politische Unterstützung bei der Diversifizierung ihrer Geschäfte. Neue Handelsabkommen können Marktzugang erleichtern, ersetzen aber keine Lösungen für unterschiedliche Standards, Subventionen und geopolitische Spannungen. Entscheidend wird daher sein, ob aus dem politischen Plädoyer konkrete Abkommen, Investitionen und belastbare Regeln entstehen.
