UN-PalÀstinenserhilfswerk, Arbeit

UN-PalÀstinenserhilfswerk setzt Arbeit trotz Verbots fort

31.01.2025 - 05:18:36

Millionen PalÀstinenser sind auf das UN-Hilfswerk UNRWA angewiesen. Israel sieht es als Hort des Terrors und setzt ein Arbeitsverbot in Kraft. UNRWA macht vorerst dennoch weiter. Doch wie lange noch?

  • Die Menschen im zerstörten Gazastreifen sind weiter auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen. (Archivbild)   - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • UNRWA-Chef Lazzarini warnte vor Folgen fĂŒr die Waffenruhe in Gaza durch Israels Arbeitsverbot. (Archivbild)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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  • Israel hat ein Arbeitsverbot fĂŒr das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA in Kraft gesetzt.  - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • Der Gazastreifen ist nach EinschĂ€tzung des US-Nahost-Gesandten Witkoff unbewohnbar. (Archivbild)  - Foto: Matt Rourke/AP/dpa

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Die Menschen im zerstörten Gazastreifen sind weiter auf humanitĂ€re Hilfe angewiesen. (Archivbild)   - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaUNRWA-Chef Lazzarini warnte vor Folgen fĂŒr die Waffenruhe in Gaza durch Israels Arbeitsverbot. (Archivbild)  - Foto: Bernd von Jutrczenka/dpaIsrael hat ein Arbeitsverbot fĂŒr das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA in Kraft gesetzt.  - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaDer Gazastreifen ist nach EinschĂ€tzung des US-Nahost-Gesandten Witkoff unbewohnbar. (Archivbild)  - Foto: Matt Rourke/AP/dpa

Nach dem Inkrafttreten eines Arbeitsverbots in Israel fĂŒr das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA ist die kĂŒnftige Versorgung der notleidenden Bevölkerung im zerstörten Gazastreifen infrage gestellt. Vorerst setzt die UN-Organisation ihre TĂ€tigkeit trotz Israels Verbot jedoch fort. Die Hilfe in Gaza gehe weiter, sagte der Sprecher von UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres, StĂ©phane Dujarric. Auch Kliniken von UNRWA im gesamten besetzten Westjordanland sowie in Ost-Jerusalem seien weiterhin geöffnet. 

Nach dem Willen Israels hĂ€tte UNRWA die Arbeit am Donnerstag einstellen mĂŒssen. Israel wirft dem UN-PalĂ€stinenserhilfswerk vor, dass einige Mitarbeiter an TerroraktivitĂ€ten der Hamas beteiligt gewesen seien. Israels Parlament hatte als Konsequenz ein Arbeitsverbot auf israelischem Staatsgebiet verhĂ€ngt. Ein weiteres Gesetz untersagt israelischen Behörden jeglichen Kontakt mit UNRWA. Weil Israel alle ZugĂ€nge zu den besetzten Gebieten kontrolliert, wird befĂŒrchtet, dass es fĂŒr das Hilfswerk schwierig bis unmöglich werden könnte, die Zivilbevölkerung im Gazastreifen und im Westjordanland weiter zu versorgen. 

Noch habe man VorrĂ€te fĂŒr mehrere Wochen im Gazastreifen gelagert, zitierte die «New York Times» Sam Rose, fĂŒr den Einsatz in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen zustĂ€ndiger UNRWA-Direktor. Israel könnte dem Hilfswerk auch gestatten, Tausende Lastwagenladungen, die sich bereits in Israel befinden, umzuladen, obwohl dies technisch gesehen gegen das Arbeitsverbot verstoßen könnte, zitierte die Zeitung drei namentlich nicht genannte israelische Beamte. 

Die grĂ¶ĂŸte Herausforderung fĂŒr UNRWA werde in einigen Wochen anstehen, wenn die Hilfslieferungen zur Neige gehen und die auslĂ€ndischen Mitarbeiter des Hilfswerks abgezogen werden mĂŒssen, hieß es. Aufgrund des Arbeitsverbots könne es unmöglich sein, die Genehmigung fĂŒr die Einfuhr zusĂ€tzlicher HilfsgĂŒter zu erhalten und Visa fĂŒr die Mitarbeiter zu beantragen. Der einzige Zugang nach Gaza auf dem Landweg erfolgt derzeit ĂŒber Israel.

Etwa zwei Dutzend internationale Mitarbeitende des Hilfswerks seien wegen auslaufender Visa bereits nach Jordanien ausgereist, sagte Dujarric in New York. UNRWA-Chef Philippe Lazzarini hatte kĂŒrzlich auf der Plattform X davor gewarnt, das Arbeitsverbot durch Israel könne die momentan in Gaza geltende Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas «sabotieren», ohne dies nĂ€her zu erlĂ€utern. Auch im UN-Weltsicherheitsrat in New York warnte Lazzarini mit eindringlichen Worten: «Auf dem Spiel stehen das Schicksal von Millionen von PalĂ€stinensern, der Waffenstillstand und die Aussichten auf eine politische Lösung, die dauerhaften Frieden und Sicherheit bringt.» 

Israels Regierung will einen Ersatz fĂŒr UNRWA, doch den gibt es bislang nicht. Andere Hilfsorganisationen sind in hohem Maße auf das Verteilungsnetz von UNRWA angewiesen, einschließlich seiner Lastwagen, LagerhĂ€user, Mitarbeiter und Verteilungsstellen. UNRWA sei «unersetzlich fĂŒr das Überleben der Zivilisten», sagte der Sprecher des UN-NothilfebĂŒros OCHA, Jens Laerke.

Der Wiederaufbau des Gazastreifens könnte nach EinschĂ€tzung des US-Sonderbotschafters fĂŒr den Nahen Osten, Steve Witkoff, zwischen zehn und 15 Jahren dauern. Nach fast 16 Monaten Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas sei von der Infrastruktur in dem abgeriegelten KĂŒstenstreifen am Mittelmeer «fast nichts mehr ĂŒbrig», sagte Witkoff der US-Nachrichtenseite «Axios». Er hatte am Mittwoch den Gazastreifen besucht, um sich am Boden und aus der Luft ein Bild von dem Kriegsgebiet zu machen. 

Allein der Abriss und die Beseitigung der TrĂŒmmer werde fĂŒnf Jahre in Anspruch nehmen, sagte Witkoff, der vor seiner Ernennung zum Nahost-Gesandten des US-PrĂ€sidenten Donald Trump als Immobilieninvestor tĂ€tig war. Die Bewertung der möglichen Auswirkungen der vielen von der Hamas angelegten Tunnel unter Gaza auf den Bau neuer Fundamente könne weitere Jahre dauern. Die unterirdischen Tunnel erstrecken sich Berichten zufolge ĂŒber Hunderte Kilometer. Sie dienen der Hamas als RĂŒckzugs- und LagerrĂ€ume.

Er habe mit Trump nicht ĂŒber dessen Idee gesprochen, PalĂ€stinenser aus dem Gazastreifen nach Ägypten und Jordanien umzusiedeln, wĂ€hrend das Gebiet wiederaufgebaut wird, sagte Witkoff. Nach dem, was er bei seinem Besuch gesehen habe, sei der KĂŒstenstreifen «unbewohnbar». Hinzu kĂ€men die vielen nicht explodierten Sprengkörper. Es sei gefĂ€hrlich, sich in Gaza zu bewegen. Die beiden arabischen Staaten hatten Trumps Idee abgelehnt und erklĂ€rt, sie wĂŒrden sich nicht an einer Umsiedlung von Bewohnern aus Gazas beteiligen.

Witkoff verließ Israel am Donnerstag, wenige Stunden nachdem die Hamas acht weitere israelische Geiseln freigelassen hatte. Israel entließ im Gegenzug 110 palĂ€stinensische HĂ€ftlinge, darunter mindestens 30 wegen Mordes Verurteilte. Einige der freigelassenen HĂ€ftlinge wurden Berichten zufolge in den Gazastreifen gebracht. Mehrere sollen im Rahmen des Abkommens wegen der Schwere ihrer Straftaten ins Ausland gebracht werden. Aus Empörung ĂŒber chaotische Szenen bei der Geisel-Freilassung in Chan Junis im SĂŒden Gazas hatte Israels Regierung die Freilassung der HĂ€ftlinge zunĂ€chst aufgeschoben.

@ dpa.de