Jubel im Libanon: ZehntÀgige Waffenruhe tritt in Kraft
17.04.2026 - 00:29:13 | dpa.de
Nach wochenlangen KĂ€mpfen zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz ist eine von US-PrĂ€sident Donald Trump verkĂŒndete Waffenruhe in Kraft getreten. Die Feuerpause begann um Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ), sie soll zunĂ€chst zehn Tage dauern. Unklar war zunĂ€chst, inwieweit beide Seiten sie einhalten werden.
Trump hatte die Waffenruhe nach GesprĂ€chen mit Israels MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu und dem libanesischen PrĂ€sidenten Joseph Aoun angekĂŒndigt - die Hisbollah war daran nicht beteiligt. Im Libanon feierten Menschen den Beginn der Waffenruhe.Â
Netanjahu bestĂ€tigte die Vereinbarung in einer Videobotschaft, sagte jedoch, israelische Bodentruppen sollten auch wĂ€hrend des zehntĂ€gigen Zeitraums in einer Pufferzone im SĂŒdlibanon bleiben. Die Hisbollah lieĂ zunĂ€chst offen, ob sie sich an die Feuerpause halten wird. Jede Waffenruhe mĂŒsse «umfassend fĂŒr das gesamte libanesische Gebiet» gelten und dĂŒrfe keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen, forderte die Miliz.Â
In der Hauptstadt Beirut wurde aus Freude in die Luft geschossen. In den wĂ€hrend des Kriegs schwer getroffenen sĂŒdlichen Beiruter Vororten feierten Menschen auf den StraĂen, wie Augenzeugen berichteten. Lokalen Medienberichten zufolge machten sich mit Beginn der Waffenruhe auch zahlreiche Menschen bereits auf in Richtung SĂŒden des Landes - mehr als eine Million Menschen waren durch den Krieg vertrieben worden.
WĂ€hrend einer 2024 vereinbarten Waffenruhe hatte die israelische Armee weiterhin regelmĂ€Ăig Ziele im Libanon angegriffen. Die von der libanesischen Regierung zugesagte Entwaffnung der Hisbollah war nicht gelungen. Beide Seiten warfen sich VerstöĂe vor.Â
Angriffe bis kurz vor Beginn der Waffenruhe
Die Hisbollah feuerte kurz vor Inkrafttreten der Feuerpause noch zahlreiche Raketen auf Ortschaften im Norden Israels. Drei Menschen wurden nach Angaben von SanitĂ€tern von Raketensplittern verletzt, zwei davon schwer. Die israelische Armee teilte mit, sie habe daraufhin Raketenabschussrampen der Hisbollah im Libanon angegriffen.Â
Auch im Libanon wurden bis kurz vor Inkrafttreten der Feuerpause weitere Angriffe Israels gemeldet. Die staatliche Nachrichtenagentur NNA berichtete von mehreren Angriffen im SĂŒden des Landes bis kurz vor Mitternacht. Das Gesundheitsministerium meldete, dass bei einem Angriff am Abend nahe der KĂŒstenstadt Sidon drei Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden sein.
Die israelische Armee teilte mit Beginn der Waffenruhe mit, sie habe binnen 24 Stunden mehr als 380 Ziele der Hisbollah im SĂŒden des Libanon angegriffen. Dazu gehörten KĂ€mpfer der Miliz, Raketenabschussrampen und Quartiere der Organisation. Das israelische MilitĂ€r bleibe in hoher Alarmbereitschaft in der Verteidigung und werde Anweisungen der politischen FĂŒhrung umsetzen.
Seit kurz nach Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar hatten sich auch die vom Iran unterstĂŒtzte Hisbollah und das israelische MilitĂ€r erneut schwere KĂ€mpfe geliefert. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten FĂŒhrers Ajatollah Ali Chamenei feuerte die Hisbollah seit Anfang MĂ€rz erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagierte seitdem mit massiven Luftangriffen. Das israelische MilitĂ€r rĂŒckte in einer Bodenoffensive zudem weiter in den SĂŒden des Nachbarlandes vor und lieferte sich im Grenzgebiet BodenkĂ€mpfe mit der Hisbollah.
Der Iran begrĂŒĂte die Waffenruhe als wichtigen Schritt fĂŒr den regionalen Frieden. Teheran habe in den GesprĂ€chen mit den USA auf eine umfassende Waffenruhe gedrĂ€ngt, sagte der Sprecher des iranischen AuĂenministeriums, Ismail Baghai, im Staatssender Irib. Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz hatte die Mitte vergangener Woche in Kraft getretene Waffenruhe im Iran-Krieg sowie die anschlieĂenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran belastet.Â
Was Israel und der Libanon vereinbart haben
Die libanesische Regierung ist keine aktive Konfliktpartei und bemĂŒht sich um Deeskalation. Die Regierung hatte lange wenig bis gar keinen Einfluss auf die AktivitĂ€ten der Hisbollah-Miliz, hat den Druck unter FĂŒhrung von PrĂ€sident Aoun aber erhöht. Laut US-AuĂenministerium wurden zwischen Israel und dem Libanon nun sechs Punkte vereinbart. Dazu gehört demnach, dass die libanesische Regierung mit internationaler Hilfe die Hisbollah daran hindert, vom Libanon aus Angriffe gegen israelische Ziele durchzufĂŒhren. Israel verzichtet wĂ€hrenddessen auf «offensiven MilitĂ€roperationen» gegen libanesische Ziele.
Allerdings behĂ€lt Israel sich das Recht vor, jederzeit alle notwendigen MaĂnahmen zur Selbstverteidigung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe zu ergreifen. Dies werde durch die Einstellung der Feindseligkeiten nicht beeintrĂ€chtigt, heiĂt es in dem Text.
Israel und der Libanon ersuchen die USA laut der Abmachung, weitere direkte Verhandlungen zwischen beiden LĂ€ndern zu erleichtern, mit dem Ziel, alle noch offenen Fragen, einschlieĂlich der Festlegung der internationalen Landgrenze, zu klĂ€ren. Das Ziel sei der Abschluss eines umfassenden Sicherheits- und Friedensabkommens zwischen den beiden Nachbarstaaten, die sich offiziell im Kriegszustand befinden.
Rund 2.200 Tote im Libanon
Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei den erneuten KĂ€mpfen bisher knapp 2.200 Menschen getötet. Darunter sind den Angaben zufolge zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach zuletzt von mehr als 1.700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Anfang MĂ€rz. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten ist unklar.Â
Im Libanon warteten zuletzt Hunderttausende darauf, in ihre HĂ€user zurĂŒckkehren zu können. In den angegriffenen Gebieten herrscht zum Teil groĂflĂ€chige Zerstörung.Â
Auch in israelischen StĂ€dten und Ortschaften im Norden des Landes wurden zahlreiche GebĂ€ude beschĂ€digt oder zerstört. Nach israelischen Angaben feuerte die Hisbollah binnen gut sechs Wochen mehr als 6.500 Raketen, Mörsergranaten und Drohnen auf Israel ab.Â
Die Hisbollah agiert im Libanon seit langer Zeit als eine Art Staat im Staate. Sie ist einer der wichtigsten VerbĂŒndeten in Irans sogenannter «Achse des Widerstands». Bis vor der jĂŒngsten Eskalation stuften Beobachter die KapazitĂ€ten der Miliz aber als deutlich geschwĂ€cht ein.Â
Der neue Durchbruch folgt auf direkte GesprĂ€che in Washington, bei denen die Botschafter der verfeindeten LĂ€nder sich erstmals seit Jahrzehnten direkt zu politischen Verhandlungen trafen. Schon zuvor hieĂ es nach US-Angaben, dass die GesprĂ€che zu einem «umfassenden Friedensabkommen» fĂŒhren könnten.
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