Israel, Amtsenthebungs-Gesetz

Israel: Amtsenthebungs-Gesetz gilt doch erst spÀter

03.01.2024 - 18:20:29

Missbrauch seiner AutoritĂ€t - das Oberste Gericht ist bei seiner Antwort auf Benjamin Netanjahus Justizreform erneut sehr deutlich: Gesetze sollen ihm keinen direkten Vorteil verschaffen dĂŒrfen.

Eine GesetzesĂ€nderung, die in Israel die Amtsenthebung eines Regierungschefs erschwert, soll erst in der nĂ€chsten Legislaturperiode in Kraft treten. Dies entschied das Oberste Gericht in Jerusalem in einem Urteil. Sechs von elf der Richter waren fĂŒr eine solche Verschiebung. Zur BegrĂŒndung hieß es, das Gesetz sei eindeutig auf eine bestimmte Person zugeschnitten. Das Parlament habe daher mit der Billigung der GesetzesĂ€nderung seine AutoritĂ€t missbraucht.

Es hatte im MĂ€rz entschieden, dass fĂŒr die Amtsenthebung eines MinisterprĂ€sidenten kĂŒnftig eine Drei-Viertel-Mehrheit erforderlich sein soll. Die Änderung war besonders umstritten, weil sie als persönlich auf Regierungschef Benjamin Netanjahu und dessen BedĂŒrfnisse zugeschnitten gilt. Ihm wird vorgeworfen, er wolle sich damit gegen eine Amtsenthebung schĂŒtzen. Gegen den 74-JĂ€hrigen lĂ€uft seit lĂ€ngerer Zeit ein Korruptionsprozess. Die Opposition hatte das neue Gesetz als «unanstĂ€ndig und korrupt» verurteilt.

Einfluss der Justiz sollte geschwÀcht werden

Laut der GesetzesĂ€nderung wĂ€re die Amtsenthebung eines MinisterprĂ€sidenten nur wegen psychischer oder anderer GesundheitsgrĂŒnde möglich. Damit sollte eine Einflussnahme des Höchsten Gerichts oder der Generalstaatsanwaltschaft verhindert werden.

Am Montag hatte das Oberste Gericht bereits in einer dramatischen Entscheidung ein Kernelement der umstrittenen Justizreform in Israel gekippt. Bei der kassierten GesetzesĂ€nderung ging es im Kern darum, dass dem Obersten Gericht die Möglichkeit genommen wurde, gegen «unangemessene» Entscheidungen der Regierung, des MinisterprĂ€sidenten oder einzelner Minister vorzugehen. Kritiker hatten gewarnt, dass dies Korruption und die willkĂŒrliche Besetzung wichtiger Posten fördern könnte.

@ dpa.de