Feuerpause im Gaza-Krieg soll Freitag beginnen
23.11.2023 - 17:05:45Im Krieg zwischen Israel und der islamistischen Hamas sollen ab Freitag fĂŒr vier Tage die Waffen schweigen. Die zwischen beiden Seiten vereinbarte Kampfpause werden am Morgen um 7.00 Ortszeit (6.00 Uhr MEZ) beginnen, sagte Madschid al-Ansari, Sprecher des AuĂenministeriums von Katar, das in dem Konflikt vermittelt, in Doha.
Mit der um einen Tag verzögerten Waffenruhe solle auch der Austausch von israelischen Geiseln der Hamas gegen palĂ€stinensische HĂ€ftlinge beginnen. Sie soll auch gröĂere, dringend benötigte Hilfslieferungen in den Gazastreifen möglich machen. Al-Ansari teilte weiter mit, die ersten 13 der von der Hamas verschleppten Geiseln sollten am Freitag um 16.00 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MEZ) freigelassen werden. Es handele sich um Kinder und Frauen, die dem Roten Kreuz ĂŒbergeben werden sollen.
Der militĂ€rische Arm der Hamas bestĂ€tigte den Beginn der Feuerpause am Freitagmorgen und die Dauer von vier Tagen. In dieser Zeit wĂŒrden alle Seiten ihre militĂ€rischen AktivitĂ€ten einstellen, teilte ein Sprecher der Kassam-Brigaden mit. Möglich ist eine VerlĂ€ngerung auf zehn Tage. FĂŒr jede von der Hamas entfĂŒhrte Geisel sollen demnach drei palĂ€stinensische HĂ€ftlinge aus israelischen GefĂ€ngnissen entlassen werden. Innerhalb von vier Tagen sollen 50 Geiseln freikommen. Es handle sich dabei um Frauen und Jugendliche unter 19 Jahren.
Insgesamt sieht die Vereinbarung einen Austausch von bis zu 100 Geiseln aus Israel gegen bis zu 300 palÀstinensische Insassen israelischer GefÀngnisse vor.
Israels Regierung wollte den Beginn der Kampfpause bisher nicht bestĂ€tigen. Es sei eine vorlĂ€ufige Liste der Namen der Geiseln eingegangen, die freigelassen werden sollen, teilte das BĂŒro von MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu mit. Diese wĂŒrde nun geprĂŒft.
Terroristen der Hamas und anderer Gruppierungen hatten am 7. Oktober im SĂŒden von Israel beispiellose Massaker verĂŒbt, rund 1200 Menschen getötet und etwa 240 Geiseln nach Gaza verschleppt, darunter auch Deutsche. Von den Verschleppten wurden bislang vier weibliche Geiseln von der Hamas freigelassen. Eine junge Soldatin konnte vom MilitĂ€r befreit werden. Die Armee fand zudem die Leichen zweier Frauen. Wie viele insgesamt noch am Leben sind, ist unklar.
Statt Feuerpause wieder Luftalarm in Israel
Im israelischen Grenzgebiet zum Gazastreifen heulten auch am Donnerstag wieder die Sirenen wegen mutmaĂlicher Raketenangriffe aus dem KĂŒstenstreifen, wie das israelische MilitĂ€r mitteilte. Auch die israelische Luftwaffe setzte ihre Angriffe im Gazastreifen fort. Binnen eines Tages seien mehr als 300 Ziele der islamistischen Hamas aus der Luft angegriffen worden, darunter seien «militĂ€rische Kommandozentralen, unterirdische Terrortunnel, Waffenlager, WaffenproduktionsstĂ€tten und Abschussrampen fĂŒr Panzerabwehrraketen», teilte die Armee mit. Die Angaben lassen sich bisher nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen. Auch Israels Bodentruppen setzten ihre Angriffe zunĂ€chst fort.
Israel: 35 Geschosse aus dem Libanon nach Israel abgefeuert
Rund 35 Geschosse wurden nach israelischen Angaben aus dem Libanon in das sĂŒdliche Nachbarland abgefeuert. ZusĂ€tzlich hĂ€tten Terroristen Panzerabwehrraketen und Mörsergranaten abgefeuert. Die israelische Luftwaffe und Artillerie hĂ€tten daraufhin mehrere Abschussrampen angegriffen, hieĂ es weiter. Die Hisbollah-Miliz erklĂ€rte, sie habe unter anderem israelische Soldaten im Grenzbereich und einen Panzer getroffen. Unklar ist noch, ob es bei dem gegenseitigen Beschuss am Mittwoch Opfer gab.
Es besteht Sorge, dass sich der Gaza-Krieg auf den Libanon ausweiten könnte. Die Hisbollah gilt als einflussreicher und deutlich schlagkrĂ€ftiger als die Hamas. Zudem gilt die Hisbollah als wichtigster nichtstaatlicher VerbĂŒndeter des Irans und zĂ€hlt zur selbst ernannten «Widerstandsachse», einer Front von Milizen mit dem Ziel, Irans Erzfeind Israel zu bekĂ€mpfen.
Israel nimmt Direktor von Schifa-Krankenhaus in Gaza fest
Das israelische MilitĂ€r hat nach eigenen Angaben den Direktor des Schifa-Krankenhauses im Gazastreifen, Mohammad Abu Salamia, festgenommen. Beweise zeigten, dass das das gröĂte Hospital im Gazastreifen unter seiner Leitung als ein Kommando- und Kontrollzentrum der islamistischen Hamas gedient habe, teilten die Armee und der Inlandsgeheimdienst Schin Bet mit. Der Direktor sei an den Nachrichtendienst ĂŒbergeben worden und solle befragt werden, warum es in und unter der Klinik militĂ€rische AktivitĂ€ten gegeben habe. Die Hamas verurteilte die Festnahme und bestreitet den Vorwurf Israels, das Krankenhaus fĂŒr terroristische Zwecke missbraucht zu haben.
US-Forscher: Mindestens 56.000 GebÀude in Gaza beschÀdigt
Seit Beginn des Gaza-Kriegs am 7. Oktober sind US-Forschern zufolge im Gazastreifen wohl zwischen 56.000 und 74.000 GebĂ€ude beschĂ€digt worden. Das geht aus einer Analyse der Decentralized Damage Mapping Group (DDMG) hervor, bei der eine Gruppe von US-Wissenschaftlern die Angriffe in dem KĂŒstengebiet mit Satellitendaten untersucht. Im nördlichen Gazastreifen wurden demnach 40 bis 50 Prozent aller GebĂ€ude beschĂ€digt. FĂŒr die Analysen nutzt die DDMG offen zugĂ€ngliche Daten von Satelliten- und Radartechnik. Nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums wurden bei israelischen Angriffen seit dem 7. Oktober mehr als 14.500 Menschen getötet.
Gegenrichtung: PalÀstinenser können in den Gazastreifen reisen
In Ăgypten gestrandete PalĂ€stinenser, die freiwillig zurĂŒck in den Gazastreifen wollen, können am Freitag dorthin einreisen. Das teilte die Grenzbehörde auf palĂ€stinensischer Seite am Ăbergang Rafah mit. Nach palĂ€stinensischen Angaben sind im KĂŒstenort Al-Arisch nahe Rafah mehr als 900 PalĂ€stinenser gestrandet.
Spanien und Belgien setzen sich fĂŒr Friedenslösung ein
Die Regierungschefs Spaniens und Belgiens, Pedro SĂĄnchez und Alexander de Croo, haben sich bei einer gemeinsamen Nahost-Reise fĂŒr eine Friedenslösung eingesetzt. «Wir mĂŒssen jetzt beginnen, an der Umsetzung der Zweistaatenlösung zu arbeiten», sagte SĂĄnchez in Tel Aviv und erneuerte seinen Vorschlag einer internationalen Friedenskonferenz. De Croo sagte, eine Friedensvereinbarung bedĂŒrfe politischen Muts auf beiden Seiten. SĂĄnchez und de Croo trafen sich mit Israels PrĂ€sidenten Izchak Herzog und MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu sowie mit PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas. SĂĄnchez mahnte zugleich die Wahrung des humanitĂ€ren Völkerrechts an. «Wir mĂŒssen die humanitĂ€re Katastrophe in Gaza stoppen», sagte der Sozialist.





