El Salvador: Bukele steuert auf Wiederwahl zu
04.02.2024 - 16:46:14El Salvadors umstrittener Staatschef Nayib Bukele strebt bei der PrĂ€sidenten- und Parlamentswahl in dem mittelamerikanischen Land eine zweite Amtszeit an. Umfragen zufolge dĂŒrfte der 42-JĂ€hrige bei der Abstimmung am Sonntag mit einer groĂen Mehrheit wiedergewĂ€hlt werden.
Als SchlĂŒssel fĂŒr den erwarteten Wahlerfolg gilt sein erfolgreiches, aber umstrittenes Vorgehen gegen kriminelle Banden, die das mittelamerikanische Land jahrzehntelang terrorisiert hatten. Unter Bukele ging die KriminalitĂ€t deutlich zurĂŒck.
Kritiker warnen aber vor einem zunehmend autoritĂ€ren Kurs des ehemaligen BĂŒrgermeisters der Hauptstadt San Salvador, der als PrĂ€sident seit 2019 im Amt ist. Sie verweisen unter anderem auf die EinschrĂ€nkung von BĂŒrgerrechten, willkĂŒrliche Festnahmen und die Aushöhlung der Gewaltenteilung.
Bukele, frĂŒherer Werbefachmann, macht sich ĂŒber seine Kritiker oft lustig und bezeichnete sich in seinem Profil auf der Plattform Twitter, heute X, zeitweise als «coolsten Diktator der Welt».
Leben im Ausnahmezustand
Seit fast zwei Jahren leben die Menschen in El Salvador, dem kleinsten mittelamerikanischen Land, im Ausnahmezustand. Eine Reihe von Grundrechten wie die Versammlungsfreiheit wurden eingeschrĂ€nkt. Mehr als 75.000 mutmaĂliche Bandenmitglieder wurden seither festgenommen, die meisten nur auf Verdacht und ohne Zugang zu AnwĂ€lten. Videos von Tausenden tĂ€towierten Gangster, die nur in weiĂe Unterhosen gekleidet in ein neues HochsicherheitsgefĂ€ngnis getrieben wurden, gingen um die Welt.
Eigentlich untersagt die Verfassung El Salvadors die direkte Wiederwahl des PrĂ€sidenten. Regierungstreue Verfassungsrichter hatten aber Bukeles Kandidatur fĂŒr eine zweite, fĂŒnfjĂ€hrige Amtszeit zugelassen. Um das Verbot zu umgehen, muss sich der Staatschef nur fĂŒr sechs Monate beurlauben lassen - bis zum Tag der geplanten AmtseinfĂŒhrung am kommenden 1. Juni.
Keine echten Herausforderer
Auf dem Wahlzettel standen am Sonntag sechs PrĂ€sidentschaftskandidaten. Einen echten Herausforderer hatte der PrĂ€sident, der die DigitalwĂ€hrung Bitcoin als gesetzliches Zahlungsmittel in El Salvador eingefĂŒhrt hat, allerdings nicht. Bukele lag in allen Umfragen mit mindestens 70 Prozent vorn. Wahlberechtigt waren bei der Abstimmung rund 6,2 Millionen BĂŒrger, darunter auch 741.000 Salvadorianer im Ausland.
Die rechtsgerichtete Partei Arena und die linke FMLN, die bis zum Wahlsieg von Bukele 2019 das Land 30 Jahre lang regiert hatten, stehen voraussichtlich vor einem Wahldebakel. Die PrĂ€sidentschaftskandidaten Manuel Flores von der FMLN und Joel SĂĄnchez von Arena kamen in den Umfragen jeweils auf weniger als fĂŒnf Prozent.
Bei der Parlamentswahl, die zeitgleich mit der PrĂ€sidentenwahl stattfindet, dĂŒrfte Bukeles Partei Nuevas Ideas (Neue Ideen) fast alle Sitze im Parlament gewinnen. Im Juni hatte der von der Regierungspartei dominierte Kongress die Zahl der Sitze von 84 auf 60 reduziert und das Berechnungsverfahren fĂŒr die Sitzverteilung geĂ€ndert. Das Wahlrecht begĂŒnstigt nun die Mehrheitspartei bei der Vergabe der Mandate.







