US-ReprĂ€sentantenhaus stimmt fĂŒr Ukraine-Hilfen
20.04.2024 - 20:03:14Das US-ReprĂ€sentantenhaus hat nach monatelanger Blockade ein milliardenschweres Hilfspaket mit dringend benötigten Waffenlieferungen fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine gebilligt. Die Parlamentskammer verabschiedete am Samstagnachmittag (Ortszeit) einen entsprechenden Gesetzentwurf, der rund 61 Milliarden US-Dollar (57 Milliarden Euro) fĂŒr Kiew enthĂ€lt.
Die nötige Zustimmung des Senats steht noch aus, gilt aber als sicher. Der Entwurf wurde in der Kammer, in der die Republikaner eine hauchdĂŒnne Mehrheit haben, mit einer ĂŒberparteilichen Mehrheit von 311 zu 112 Stimmen angenommen.Â
Applaus nach der Abstimmung
Im Plenum gab es nach der Abstimmung Applaus. Etliche Abgeordnete wedelten mit Ukraine-Flaggen und riefen «Ukraine, Ukraine». Sie wurden zur Ordnung gerufen. Zahlreiche Republikaner votierten gegen die Hilfen, konnten aber die Annahme mithilfe der Demokraten von US-PrĂ€sident Joe Biden nicht verhindern. Die Republikaner haben in der Kammer eine hauchdĂŒnne Mehrheit. Den republikanischen Vorsitzenden des ReprĂ€sentantenhauses, Mike Johnson, könnte die Abstimmung den Job kosten. Mehrere radikale Abgeordnete, die Ex-PrĂ€sident Donald Trump treu ergeben sind, stemmten sich gegen die Ukraine-Hilfe.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj dankte dem US-ReprĂ€sentantenhaus fĂŒr das Votum. Er sei beiden Parteien sowie persönlich Johnson, «dankbar fĂŒr die Entscheidung, die die Geschichte auf dem richtigen Weg hĂ€lt», teilte er kurz nach der Abstimmung auf der Plattform X (vormals Twitter) mit. «Demokratie und Freiheit werden immer eine globale Bedeutung haben und niemals scheitern, solange Amerika hilft, sie zu schĂŒtzen.» US-PrĂ€sident Biden bedankte sich ebenfalls bei den Abgeordneten der Kammer und forderte den Senat auf, nun schnell zu handeln. Es wird erwartet, dass die Kammer bereits in der kommenden Woche ĂŒber das Paket abstimmen könnte.Â
AuĂenministerin Annalena Baerbock sprach von einem «Tag der Zuversicht fĂŒr die Ukraine und Europas Sicherheit» gesprochen. «Die Herzen der wichtigsten Ukraine-UnterstĂŒtzer schlagen wieder im Takt», schrieb die GrĂŒnen-Politikerin am Samstagabend auf X. Nato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg lobte das Votum als Investition in die Sicherheit der Nato-Staaten. «Die Ukraine nutzt die von Nato-VerbĂŒndeten bereitgestellten Waffen, um die russischen GefechtsfĂ€higkeiten zu zerstören», so Stoltenberg. «Das macht uns alle sicherer, in Europa und Nordamerika.» Die Abstimmung sei auch ein Zeichen, dass es in den USA weiter eine parteiĂŒbergreifende UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine gibt.Â
Das Paket sieht etwa 23 Milliarden US-Dollar fĂŒr die Aufstockung des US-MilitĂ€rbestands vor. Das Geld geht somit indirekt an die Ukraine, da die USA das von Russland angegriffene Land in der Regel mit AusrĂŒstung aus ihren BestĂ€nden ausstatten. Der Rest ist fĂŒr weitere militĂ€rische UnterstĂŒtzung und Finanzhilfe vorgesehen. Letztere ist als Darlehen angelegt. Zudem heiĂt es in dem Text, US-PrĂ€sident Biden solle der Ukraine «so bald wie machbar» weittragende Raketensysteme vom Typ ATACMS zur VerfĂŒgung stellen. Kiew hofft seit langem auf das Waffensystem, dessen Raketen vom Boden aus auf Ziele am Boden abgefeuert werden.
Parteiinterner Machtkampf bei den Republikanern
Das ReprĂ€sentantenhaus votierte nicht nur fĂŒr die UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew. Der Vorsitzende Johnson stellte weitere Pakete zur Abstimmung. Ein weiterer Entwurf sieht gut 26 Milliarden US-Dollar fĂŒr Israel vor. Einerseits sollen damit zum Beispiel Israels Raketenabwehr und die laufenden MilitĂ€roperationen der USA in der Region finanziert werden. Andererseits sind rund neun Milliarden US-Dollar fĂŒr humanitĂ€re UnterstĂŒtzung gedacht, darunter fĂŒr die Menschen im Gazastreifen. Bereits angenommen sind rund acht Milliarden US-Dollar an UnterstĂŒtzung fĂŒr Taiwan und den Indopazifik-Raum und ein Text, der einen Verkauf der chinesischen Kurzvideo-App Tiktok vorsieht sowie Sanktionen gegen den Iran und die Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte.
Eigentlich hatte der Senat bereits im Februar fĂŒr ein von Biden beantragtes milliardenschweres Hilfspaket votiert. Dieses sah ebenfalls Milliardenhilfen fĂŒr die Ukraine, Israel und Taiwan vor. Im ReprĂ€sentantenhaus kam es aber nie zu einer Abstimmung, weil in der von den Republikanern dominierten Kammer ein parteiinterner Machtkampf tobt. Der Vorsitzende Johnson wird vor allem vom rechten Rand seiner Partei mĂ€chtig unter Druck gesetzt.Â
Rechter Rand der Republikaner wollen Vorsitzenden stĂŒrzen
Einen ersten Antrag fĂŒr seine Abwahl reichte die stramm rechte Republikanerin Marjorie Taylor Greene bereits Ende MĂ€rz ein, spĂ€ter schlossen sich zwei weitere Abgeordnete der Partei an. FĂŒr sie ist die Abstimmung ĂŒber Ukraine-Hilfen eine rote Linie. Ob Greene wirklich eine Abstimmung ĂŒber Johnsons Abwahl forcieren wird, ist offen. Sollte sie dies tun, wĂ€re Johnson wegen der knappen Mehrheit in der Kammer wohl auch hier auf die UnterstĂŒtzung der Demokraten angewiesen. Auf die könnte er vermutlich zĂ€hlen, da diese seit Monaten auf die Ukraine-Hilfen dringen.
Die USA gelten als wichtigster VerbĂŒndeter der Ukraine im Abwehrkampf gegen die russische Invasion. Seit Kriegsbeginn im Februar 2022 hat die Regierung von PrĂ€sident Biden militĂ€rische Hilfe im Umfang von mehr als 44 Milliarden US-Dollar fĂŒr Kiew bereitgestellt. Hinzu kommen noch weitere Milliarden an nicht-militĂ€rischer Finanzhilfe. Die vom Kongress genehmigten Mittel sind nach Angaben der US-Regierung aufgebraucht - deshalb ist die Abstimmung ĂŒber neue Hilfsmittel von groĂer Bedeutung.





