Montenegro könnte 2028 der 28. EU-Staat werden
Veröffentlicht am: 04.11.2026 um 13:26 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDer Weg zur EU-Mitgliedschaft
- Montenegro könnte die Beitrittsverhandlungen bereits Ende 2026 abschließen.
- Die EU-Kommission hält eine Unterzeichnung des Vertrags im Juni 2027 für möglich.
- Für den Beitritt im September 2028 müssen alle 27 Mitgliedstaaten und Montenegro ratifizieren.
Montenegro rückt auf dem Weg in die EU vor
Montenegro könnte nach Einschätzung der EU-Kommission das nächste Mitglied der Europäischen Union werden. Eine neue Analyse der Brüsseler Behörde hält einen Abschluss der Beitrittsverhandlungen bis Ende 2026 und eine Aufnahme 2028 für möglich.
Reformen entscheiden über Zeitplan
Voraussetzung ist, dass Montenegro seinen Fokus auf die Vorbereitung der EU-Mitgliedschaft beibehält und beschlossene Reformen nachhaltig umsetzt. Die Kommission geht dann davon aus, dass der Beitrittsvertrag im Juni 2027 unterzeichnet werden kann.
Anschließend muss der Vertrag mit Montenegro ausgehandelt und von allen derzeit 27 EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden. Auch Montenegro selbst muss dem Vertrag zustimmen.
Albanien und Moldau folgen mit Abstand
Für Albanien hält die Kommission einen Abschluss der Verhandlungen Ende 2027 für möglich, für Moldau Anfang 2028. Bis zu einer tatsächlichen Aufnahme dürften danach jeweils mehr als 20 Monate vergehen, weil der Vertrag noch ausgearbeitet, unterzeichnet und ratifiziert werden muss.
Ukraine mit besonderer Bedeutung
Die Ukraine strebt den Abschluss der Beitrittsverhandlungen Ende 2028 an. Die Kommission unterstützt dieses Ziel, verlangt dafür aber ein höheres Reformtempo.
Besonders schwierig sind Reformen bei Rechtsstaatlichkeit und Korruptionsbekämpfung während des russischen Angriffskriegs. Eine EU-Mitgliedschaft würde die Ukraine politisch und wirtschaftlich enger an Europa binden, eine Aufnahme während des Krieges gilt wegen möglicher militärischer Beistandsverpflichtungen jedoch als kaum vorstellbar.
Erweiterung bringt Chancen und Konflikte
Die EU verbindet die Erweiterung mit geopolitischen und sicherheitspolitischen Zielen. Eine Beitrittsperspektive soll den Einfluss der Union im Westbalkan und in Osteuropa stärken und verhindern, dass Kandidaten engere Partnerschaften mit Russland oder China suchen.
Gleichzeitig könnten neue Mitglieder die EU vor erhebliche Aufgaben stellen. Bei der Ukraine geht es unter anderem um die Integration einer großen Landwirtschaft, mögliche Belastungen für den EU-Haushalt und den Wettbewerb bei Agrarprodukten.
Weitere Kandidaten ohne Fahrplan
Für Serbien, Bosnien-Herzegowina, Nordmazedonien und Kosovo gibt es ebenso wie für die Türkei und Georgien derzeit keinen vergleichbaren Beitrittsfahrplan. Bei der Türkei und Georgien liegt der Prozess wegen demokratischer und rechtsstaatlicher Defizite auf Eis.
Montenegro steht im EU-Erweiterungsprozess derzeit an vorderster Stelle. Die von der Kommission genannte Perspektive verbindet den Abschluss der Verhandlungen mit einer anschließenden Phase, in der der Beitrittsvertrag ausgehandelt, unterzeichnet und von allen Mitgliedstaaten sowie Montenegro ratifiziert werden muss.
Der mögliche Beitritt wäre der erste eines neuen Landes seit Kroatien. Damit würde die EU-Erweiterung nach einer langen Pause wieder einen konkreten Zeitplan erhalten. Für Montenegro hängen die nächsten Schritte vor allem davon ab, ob die zugesagten Reformen bei Rechtsstaatlichkeit, Verwaltung und Korruptionsbekämpfung dauerhaft umgesetzt werden.
Montenegro als Testfall
Die EU-Kommission verbindet die Beitrittsperspektive mit geopolitischen Zielen. Eine glaubwürdige Aussicht auf Mitgliedschaft soll die Bindung des Westbalkans an die EU stärken und den Einfluss anderer Mächte begrenzen. Gleichzeitig bleibt die Erweiterung politisch anspruchsvoll, weil neue Mitglieder die Entscheidungsprozesse, den Haushalt und den Schutz der gemeinsamen Außengrenzen beeinflussen.
Auch bilaterale Fragen können den Weg erschweren. Im Fall Montenegros bestehen offene Themen mit Kroatien. Ein Beitritt im Jahr 2028 wäre deshalb kein Automatismus, sondern das Ergebnis weiterer Reformen, abgeschlossener Verhandlungen und der Zustimmung aller 27 EU-Staaten.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Montenegro: Keine EU-Mitgliedschaft zweiter Klasse! Beitritt 2028“ (04.11.2026)
Der Beitrag bestätigt Montenegros Ziel eines EU-Beitritts 2028 und stellt die politische Forderung nach einer vollwertigen Mitgliedschaft heraus. Anders als die dpa-Meldung konzentriert er sich zusätzlich auf die Position der montenegrinischen EU-Ministerin und auf offene bilaterale Fragen mit Kroatien.
Euronews: „EU-Erweiterung: Kommission bewertet Kandidaten, Montenegro vorn, Nordmazedonien hinten“ (03.11.2026)
Der Artikel habe Montenegro als führenden Beitrittskandidaten eingeordnet und die Reformfahrpläne für mehrere Länder beschrieben. Einen anderen Schwerpunkt setze er auf die geopolitische Funktion der Erweiterung, die Reformprobleme der Ukraine und die geplanten Schutzmechanismen für neue Mitglieder.
Übereinstimmend gilt Montenegro als aussichtsreichster Kandidat. Offen bleiben der genaue Verlauf der weiteren Reformen, die Lösung bilateraler Fragen und die Zustimmung aller Mitgliedstaaten zum Beitrittsvertrag.
