Hisbollah-Angriff, Israel

Nach Hisbollah-Angriff auf Israel: Fokus auf Gaza-Waffenruhe

27.08.2024 - 04:45:36

Nach dem bisher hĂ€rtesten Schlagabtausch zwischen der Hisbollah und Israel seit Kriegsbeginn herrscht die Sorge vor einer weiteren Eskalation. Eine Gaza-Waffenruhe gilt als SchlĂŒssel zur Beruhigung.

  • Krankenhaus in Deir al-Balah - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpa

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  • PalĂ€stinenser auf der Flucht - Foto: Abed Rahim Khatib/dpa

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  • Der palĂ€stinensische PrĂ€sident Mahmud Abbas (Archivbild) - Foto: Wolfgang Kumm/dpa

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Krankenhaus in Deir al-Balah - Foto: Abdel Kareem Hana/AP/dpaPalÀstinenser auf der Flucht - Foto: Abed Rahim Khatib/dpaDer palÀstinensische PrÀsident Mahmud Abbas (Archivbild) - Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Nach den außergewöhnlich heftigen gegenseitigen Angriffen zwischen der libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah und der israelischen Armee rĂŒcken die BemĂŒhungen um eine Waffenruhe im Gaza-Krieg wieder in den Vordergrund. Intensive VermittlungsgesprĂ€che in Kairo haben zwar bisher keinen Durchbruch erzielt. Laut US-Regierung setzen aber Arbeitsgruppen in den kommenden Tagen in der Ă€gyptischen Hauptstadt die GesprĂ€che ĂŒber offene Detailfragen fort. Die Aussichten auf einen schnellen Erfolg gelten aber als gering. 

Die mit dem Iran verbĂŒndete Hisbollah-Miliz hatte am Sonntagmorgen aus dem Libanon zahlreiche Raketen und Drohnen auf israelische Ziele gelenkt. Israels Armee hatte aber nach eigenen Angaben «die unmittelbare Gefahr» fĂŒr seine BĂŒrger erkannt und vorab begonnen, mit 100 Kampfflugzeugen Ziele im SĂŒdlibanon zu attackieren.

Israel und Hisbollah setzen gegenseitige Angriffe fort

Die Armee teilte mit, 90 Prozent der von der Hisbollah abgefeuerten Raketen seien von zivilen Gebieten und Einrichtungen aus abgeschossen worden. Es seien rund 230 Geschosse und 20 Drohnen auf israelisches Gebiet gelangt. Auch am Montag kam es erneut zu gegenseitigen Angriffen Israels und der Hisbollah. Eine befĂŒrchtete, grĂ¶ĂŸere Eskalation blieb jedoch aus. Seit Beginn des Gaza-Kriegs vor fast elf Monaten feuern die Konfliktparteien fast tĂ€glich aufeinander. Dabei wurden sowohl in Israel als auch im Libanon Zivilisten getötet, Zehntausende sind wegen der KĂ€mpfe aus dem Grenzgebiet geflohen. 

Iran und Katar fordern Gaza-Waffenruhe

Irans Außenminister Abbas Araghchi und sein katarischer Kollege Mohammed bin Abdulrahman Al Thani forderten eine Waffenruhe im Gazastreifen. Die Islamische Republik begrĂŒĂŸe die katarischen Vermittlungen, sagte der iranische Chefdiplomat laut Staatsagentur Irna. Der islamistischen Hamas sicherte er RĂŒckendeckung zu. 

Ägypten, Katar sowie die USA vermitteln zwischen Israel und der Hamas, weil beide Seiten nicht direkt miteinander verhandeln. Einer der grĂ¶ĂŸten Streitpunkte ist Israels Forderung, die sĂŒdliche Grenze zwischen dem Gazastreifen und Ägypten dauerhaft zu kontrollieren, um Waffenschmuggel zu verhindern. Die islamistische Terrororganisation Hamas fordert dagegen einen vollstĂ€ndigen Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen. 

Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, sagte, das US-Team vor Ort stufe die GesprĂ€che weiter als konstruktiv ein. Kirby widersprach ausdrĂŒcklich der Darstellung, dass die GesprĂ€che gescheitert seien. 

Im Gegenteil: Die GesprĂ€che seien «so weit gediehen, dass der nĂ€chste logische Schritt darin bestand, Arbeitsgruppen auf niedrigeren Ebenen einzusetzen», um Feinheiten auszuarbeiten, betonte Kirby. Dabei gehe es unter anderem um die Freilassung der Geiseln in der Gewalt der Hamas und die Freilassung palĂ€stinensischer HĂ€ftlinge durch Israel. Aus Ă€gyptischen Sicherheitskreisen hatte es geheißen, bei den GesprĂ€chen in Kairo habe es eine «schwierige Pattsituation» gegeben.

Irans Generalstabschef: Rache an Israel ist gewiss

Nach der jĂŒngsten Tötung des Auslandschefs der Hamas, Ismail Hanija, in der iranischen Hauptstadt Teheran hatte die StaatsfĂŒhrung Israel mit Vergeltung gedroht. Seitdem haben sich die Sorgen vor einer Ausweitung des Konflikts auf weitere LĂ€nder in Nahost verstĂ€rkt. Irans Generalstabschef Mohammed Bagheri sagte, sein Land werde selbst entscheiden, wann es Rache nehme. «Dieses Ereignis darf nicht in Vergessenheit geraten, und die Rache (...) ist gewiss», sagte er.

PalĂ€stinenserprĂ€sident Mahmud Abbas kam unterdessen zu einem zweitĂ€gigen Besuch in Saudi-Arabien an. Er wollte dort mit dem Kronprinzen und faktischen Herrscher, Mohammed bin Salman, zusammentreffen. Inhalt der GesprĂ€che sollten ebenfalls die BemĂŒhungen um eine Gaza-Waffenruhe sein. 

Zahlreiche Menschen verlassen Kampfzone im Zentrum des Gazastreifens

KĂ€mpfe und israelische Angriffe im Gazastreifen dauern derweil an. Nach einer neuen Evakuierungsaufforderung der israelischen Armee haben zahlreiche Menschen ihre UnterkĂŒnfte in dem Ort Deir al-Balah im Zentrum des Gazastreifens verlassen. Die Aufforderung betraf nach Berichten aus Gaza auch das Al-Aksa-Krankenhaus, eine der wenigen noch funktionierenden Gesundheitseinrichtungen in dem KĂŒstenstreifen. Nach Angaben der Stadtverwaltung haben in den vergangenen Tagen rund 250.000 Menschen ihre Bleibe in Deir al-Balah wieder verlassen. 

In einer der Aufforderungen der Armee hieß es, das MilitĂ€r werde in Deir al-Balah «stark gegen die Hamas und gegen die Terrororganisationen in dem Gebiet vorgehen». Zivilisten sollten zu ihrer eigenen Sicherheit in Richtung Westen bewegen. Das betroffene Gebiet in Deir al-Balah sei eine «gefĂ€hrliche Kampfzone». 

Das MilitĂ€r teilte mit, israelische Truppen hĂ€tten in Chan Junis im SĂŒden des Gazastreifens sowie in den Außenbezirken von Deir al-Balah «Dutzende Terroristen ausgeschaltet und große Mengen an Waffen gefunden». Die Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Das UN-PalĂ€stinenserhilfswerk UNRWA teilte mit, angesichts der fortwĂ€hrenden MilitĂ€reinsĂ€tze in Deir al-Balah funktionierten dort nur noch drei von 18 Brunnen. Dadurch herrsche Wassermangel. «Die Menschen in Gaza leben nicht nur in stĂ€ndiger Angst um ihr Leben, sondern mĂŒssen darum kĂ€mpfen, grundlegende BedĂŒrfnisse zu erfĂŒllen», hieß es in einem X-Post von UNRWA. 

 

 

 

 

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