Selenskyj, Scholz-Anruf

Selenskyj: Scholz-Anruf bei Putin öffnet BĂŒchse der Pandora

15.11.2024 - 19:03:33

Nach dem ersten TelefongesprĂ€ch zwischen Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin reagiert Kiew prompt. Die deutsche Initiative stĂ¶ĂŸt dort auf Missfallen.

Nach dem ersten Telefonat von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) mit dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin seit fast zwei Jahren hat Kiew verĂ€rgert reagiert. «Der Anruf von Olaf öffnet meiner Meinung nach die BĂŒchse der Pandora», sagte der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj mit Nachdruck in seiner abendlichen Videobotschaft. Berlin habe Kiew zwar vorab informiert, aber damit seien nun weitere GesprĂ€che ermöglicht worden. 

Scholz habe mit seinem Anruf Putins langgehegten Wunsch erfĂŒllt, Russlands Isolation zu verringern und mit GesprĂ€chen zu beginnen, die zu nichts fĂŒhren werden. Putin habe dies jahrzehntelang so gemacht, sagte Selenskyj. «Das hat es Russland erlaubt, nichts an seiner Politik zu Ă€ndern, im Grunde nichts zu tun, und das fĂŒhrte gerade zu diesem Krieg», betonte der PrĂ€sident. 

Zugleich bekrĂ€ftigte Selenskyj, dass der Krieg nicht wie zwischen 2014 und 2022 mit Waffenstillstandsabkommen eingefroren werden dĂŒrfe. «Wir wissen, was zu tun ist und warnen: Es wird kein "Minsk 3" geben, wir brauchen einen realen Frieden», unterstrich der Staatschef mit Blick auf die 2014 und 2015 von Deutschland und Frankreich vermittelten Minsker Friedensvereinbarungen fĂŒr die Ostukraine.

Ein Sprecher des Außenministeriums in Kiew hatte zuvor erklĂ€rt, Telefonate mit dem «Diktator» Putin seien bei den BemĂŒhungen um Frieden in der Ukraine nicht hilfreich. Scholz hatte vor seinem GesprĂ€ch mit Putin auch mit Selenskyj gesprochen. Es war Scholz' erstes GesprĂ€ch mit dem Kremlchef seit Dezember 2022. 

Scholz forderte Putin dabei nach Regierungsangaben zu einem Ende des Angriffskriegs gegen die Ukraine auf. Putin hingegen sagte nach Angaben aus Moskau, dass fĂŒr eine Lösung in dem Konflikt Russlands Interessen berĂŒcksichtigt werden mĂŒssten.

@ dpa.de