Scholz reist zu SolidaritÀtsbesuch nach Israel
16.10.2023 - 15:23:22 | dpa.de
Zehn Tage nach dem verheerenden Terrorangriff der islamistischen Hamas reist Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) am Dienstag als erster Regierungschef nach Israel, um ein Zeichen der SolidaritĂ€t zu setzen. AnschlieĂend geht es weiter nach Ăgypten, das einzige Nachbarland Israels, das auch an den Gaza-Streifen grenzt. «Es ist mir wichtig, die SolidaritĂ€t mit Israel auch ganz praktisch durch meinen Besuch zum Ausdruck zu bringen», sagte Scholz am Montag im albanischen Tirana. Dies sei fĂŒr das Land und seine Bevölkerung von Bedeutung.
Es wird erwartet, dass Scholz den israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu und den Ă€gyptischen PrĂ€sidenten Abdel Fattah al-Sisi treffen wird. Der Kanzler betonte erneut, dass Israel das Recht habe sich gegen die brutale Terrorattacke zu verteidigen. «Der Ăberfall der Hamas war ein terroristischer Akt, der unverantwortlich war, der furchtbare Konsequenzen hat, der unglaublich viele Menschen getötet hat und unglaublich viele erniedrigt. Und deshalb hat Israel jedes Recht, sich selbst zu verteidigen.»
Geiselbefreiung, konkrete Hilfe, Eskalationsrisiken
In den GesprÀchen wird es unter anderem darum gehen, wie die rund 200 Geiseln der Hamas im Gaza-Streifen befreit werden können - darunter auch mehrere Deutsche. Er will auch Angehörige der Geiseln treffen.
AuĂerdem will Scholz seinen Beitrag dazu leisten, einen FlĂ€chenbrand in der Region zu verhindern. Auch konkrete Hilfsleistungen könnten eine Rolle spielen: MilitĂ€rische Hilfe fĂŒr die israelischen StreitkrĂ€fte; humanitĂ€re Hilfe fĂŒr die Menschen im Gaza-Streifen, die von Israel vor einer möglichen Bodenoffensive zu Hunderttausenden zur Flucht aufgefordert wurden.
Baerbock reiste bereits vergangene Woche
AuĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) war bereits am Freitag zu einem SolidaritĂ€tsbesuch nach Israel gereist, auch die US-Minister Antony Blinken (AuĂen) und Lloyd Austin (Verteidigung) sowie EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen waren schon dort - aber eben noch kein Staats- oder Regierungschef.
Scholz wird nun der erste sein. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine war das noch anders. Der Kanzler lieĂ sich trotz aller Kritik auch aus seiner eigenen Koalition fast vier Monate Zeit, bis er sich zusammen mit Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron und dem damaligen italienischen MinisterprĂ€sidenten Mario Draghi mit einem Sonderzug nach Kiew aufmachte. Das Zögern, nach Kiew zu fahren, ging einher mit einer anfĂ€nglichen ZurĂŒckhaltung bei den deutschen Waffenlieferungen in die Ukraine. Es dauerte sehr lange, bis Deutschland auch vom ukrainischen PrĂ€sidenten Wolodymyr Selenskyj als zweitwichtigster UnterstĂŒtzer der Ukraine nach den USA anerkannt wurde.
Besondere Verantwortung Deutschlands
Den Vorwurf des Zögerns will sich Scholz nun nicht noch einmal machen lassen. Das liegt auch an der besonderen Verantwortung, die Deutschland wegen des Holocaust der Nazis hat, bei dem sechs Millionen Juden in ganz Europa ermordet wurden. «In diesem Moment gibt es fĂŒr Deutschland nur einen Platz: Den Platz an der Seite Israels», sagte Scholz in der vergangenen Woche im Bundestag. «Das meinen wir, wenn wir sagen: Die Sicherheit Israels ist deutsche StaatsrĂ€son.»
Scholz fĂŒgte hinzu: «Unsere SolidaritĂ€t erschöpft sich nicht in Worten.» Das will er jetzt auch mit dieser Reise unter Beweis stellen. Er hat Israel bereits zugesagt, alles an Hilfe zu leisten, was erbeten wird. Bisher wurden Drohnen vom israelischen Typ Heron TP, die auch bewaffnet werden können, und Munition fĂŒr Kriegsschiffe angefragt.
Die israelische Regierung erwartet von Deutschland aber vor allem RĂŒckendeckung fĂŒr ihre Gegenangriffe gegen die Hamas. In den nĂ€chsten Tagen wird eine Bodenoffensive erwartet, bei der es auch zivile Opfer geben dĂŒrfte. Dieser Part der SolidaritĂ€t wird der schwierigste fĂŒr Scholz werden.
Scholz schaltete sich frĂŒh in Krisendiplomatie ein
Der Kanzler wird am Dienstagmorgen zunĂ€chst den jordanischen König Abdullah II. in Berlin treffen und dann nach Israel aufbrechen. Scholz hatte in den vergangenen Tagen bereits zwei Mal mit dem israelischen MinisterprĂ€sidenten Benjamin Netanjahu telefoniert. AuĂerdem sprach er mit den Staatschefs von Katar, Ăgypten und der TĂŒrkei. Fest steht jetzt schon, dass er auch nach diesem ersten SolidaritĂ€tsbesuch eine Rolle bei der KrisenbewĂ€ltigung einnehmen wird. Weitere Reisen in die Region dĂŒrften folgen.
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