Israel, Machthaber

Israel warnt die neuen Machthaber in Syrien

11.12.2024 - 05:19:53

Nach dem Sturz des syrischen PrÀsidenten Assad durch Rebellen zerstört Israel militÀrische FÀhigkeiten des Nachbarlandes. Regierungschef Netanjahu warnt die Rebellen. Wie geht es mit Syrien weiter?

  • Die humanitĂ€re Lage in Syrien bleibt nach UN-Angaben weiter instabil.  - Foto: Hussein Malla/AP/dpa

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  • Syrien steht nach Aussagen des AnfĂŒhrers der Rebellengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kein weiterer Krieg bevor. - Foto: Omar Sanadiki/AP

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  • Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Kirby, Ă€ußert sich zurĂŒckhaltend zu Israels Vorgehen in Syrien. - Foto: Evan Vucci/AP/dpa

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  • Israel hat nach Angaben von Verteidigungsminister Katz Syriens Marine versenkt. (Archivbild) - Foto: Heidi Levine/AP/dpa

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Die humanitĂ€re Lage in Syrien bleibt nach UN-Angaben weiter instabil.  - Foto: Hussein Malla/AP/dpaSyrien steht nach Aussagen des AnfĂŒhrers der Rebellengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) kein weiterer Krieg bevor. - Foto: Omar Sanadiki/APDer Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, Kirby, Ă€ußert sich zurĂŒckhaltend zu Israels Vorgehen in Syrien. - Foto: Evan Vucci/AP/dpaIsrael hat nach Angaben von Verteidigungsminister Katz Syriens Marine versenkt. (Archivbild) - Foto: Heidi Levine/AP/dpa

WĂ€hrend die Rebellen in Syrien nach dem Sturz des Langzeitherrschers Baschar al-Assad mit einer Übergangsregierung fĂŒr StabilitĂ€t sorgen wollen, kommen aus Israel scharfe Warnungen an die neuen Machthaber. Jede Bedrohung fĂŒr Israel werde unerbittlich bekĂ€mpft, machte Regierungschef Benjamin Netanjahu deutlich. Er hatte zuvor die fast restlose Zerstörung der militĂ€rischen FĂ€higkeiten des Nachbarlandes befohlen. Der AnfĂŒhrer der Islamistengruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS) sagte, Syrien sei auf dem Weg zu StabilitĂ€t und werde wieder aufgebaut.

Die BefĂŒrchtungen westlicher Staaten, dass das Blutvergießen in Syrien nach dem Sturz Assads weitergehen könnte, seien «unnötig», sagte HTS-AnfĂŒhrer Ahmed al-Scharaa dem Nachrichtensender Sky News. Zuvor war er unter seinem Kampfnamen Abu Mohammed al-Dschulani aufgetreten. Die Gefahr sei von Assads Regierung und proiranischen Milizen ausgegangen, sagte der Islamist. «Deren Beseitigung ist die Lösung.»

Israels Armee: Fast 500 Ziele in Syrien bombardiert

Über öffentliche Äußerungen der Rebellengruppe Al-Scharaas zu Israels massiven Luftangriffen ist bislang nichts bekannt. Laut Israels Armee wurden mehr als 480 Ziele in Syrien bombardiert. Die Marine des Nachbarlandes wurde laut Israels Verteidigungsminister Israel Katz praktisch komplett versenkt. Da sich die syrischen Rebellen auch zur Verlegung israelischer Truppen in die Pufferzone auf den Golan-Höhen nicht geĂ€ußert hĂ€tten, sei unklar, ob sie Israels Kontrolle ĂŒber das besetzte Gebiet akzeptieren werden, schrieb das «Wall Street Journal».

Netanjahu betonte, Israel wolle sich nicht in die inneren Angelegenheiten Syriens einmischen. Warnend fĂŒgte er jedoch hinzu: «Wenn das neue Regime in Syrien dem Iran erlaubt, sich wieder zu etablieren, oder den Transport iranischer Waffen an die (libanesische) Hisbollah zulĂ€sst, werden wir energisch reagieren und einen hohen Preis fordern.» Was zuvor mit dem Assad-Regime geschehen sei, werde dann «auch mit diesem geschehen», sagte Netanjahu.

Al-Baschir ĂŒbernimmt FĂŒhrung der Übergangsregierung

Der bisherige Regierungschef in der Rebellenhochburg Idlib, Mohammed al-Baschir, ĂŒbernimmt eigenen Angaben zufolge derweil die FĂŒhrung einer Übergangsregierung in Syrien. Geplant sei, dass diese bis MĂ€rz 2025 im Amt bleibe, kĂŒndigte er an. Bei einem Treffen in Damaskus besprachen RebellenanfĂŒhrer Al-Scharaa sowie Minister der bislang amtierenden Regierung den Übergang. 

Beide Seiten streben Berichten zufolge eine reibungslose Übertragung der VerwaltungsgeschĂ€fte an. Nicht nur der Terrorismusexperte Peter Neumann hat jedoch Zweifel, ob sich Syrien wirklich hin zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit entwickelt. Zwar habe sich Al-Scharaa vor Jahren vom Terrornetzwerk Al-Kaida losgesagt, sagte Neumann im ZDF-«heute journal». Seine Gruppe sei aber weiter islamistisch geprĂ€gt und habe das Ziel, eine Art Gottesherrschaft in Syrien einzufĂŒhren. 

Israel wolle sicherstellen, dass von Syrien keine Bedrohung ausgehe und habe daher vermutlich 70 bis 80 Prozent der syrischen MilitĂ€ranlagen vernichtet, sagte Neumann weiter. Der Kommunikationsdirektor des Nationalen Sicherheitsrates der USA, John Kirby, sagte zum militĂ€rischen Vorgehen Israels in Syrien: «Wir erkennen selbstverstĂ€ndlich an, dass Israel in einer schwierigen Nachbarschaft lebt und – wie immer – das Recht hat, sich zu verteidigen». Man wolle aber nicht, «dass irgendein Akteur auf eine Weise handelt, die es dem syrischen Volk erschwert, eine legitime Regierung zu erlangen», betonte Kirby.

Scholz spricht mit Erdogan ĂŒber Lage in Syrien

Bundeskanzler Olaf Scholz und der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan berieten am Telefon ĂŒber die Lage in Syrien. «Beide waren sich einig, dass der Fall des diktatorischen Assad-Regimes eine sehr gute Entwicklung» sei, teilte Regierungssprecher Steffen Hebestreit am Abend mit. Jetzt mĂŒsse es darum gehen, dass Syrien eine sichere Heimat fĂŒr alle Syrer werde. Dazu gelte es auch, die territoriale IntegritĂ€t und SouverĂ€nitĂ€t zu erhalten. Auch EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen telefonierte mit Erdogan und sagte danach, sie wolle nĂ€chste Woche zu GesprĂ€chen in die TĂŒrkei reisen.

Jake Sullivan, der Nationale Sicherheitsberater von US-PrĂ€sident Joe Biden, reist schon heute zu GesprĂ€chen nach Israel. Neben der Lage in Syrien werde es dabei auch um die BemĂŒhungen zur Freilassung der Geiseln im weiterhin umkĂ€mpften Gazastreifen gehen, sagte Kirby. Dort fĂŒhrt Israel weiter Krieg gegen die islamistische Hamas. BemĂŒhungen um eine Waffenruhe und die Freilassung der in der Gewalt der Hamas verbliebenen Geiseln blieben bislang erfolglos.

UN-NothilfebĂŒro: HumanitĂ€re Lage in Syrien weiter instabil

Unterdessen gibt es in Syrien erste Schritte in Richtung NormalitĂ€t. Beamte in der Hauptstadt Damaskus konzentrierten sich darauf, Treibstoff fĂŒr Busse zu beschaffen, um Angestellte zur Arbeit zu bringen und StromausfĂ€lle zu beheben, berichtete das «Wall Street Journal». Augenzeugen zufolge kehrten auch Angestellte der Zentralbank an ihre ArbeitsplĂ€tze zurĂŒck. 

Viele GeschĂ€fte blieben jedoch mangels VorrĂ€ten geschlossen. Es gebe aus Damaskus und vielen anderen StĂ€dten Berichte ĂŒber Nahrungsmittelknappheit, teilte das NothilfebĂŒro der Vereinten Nationen (OCHA) mit. Die humanitĂ€re Lage in dem von Diktatur und jahrelangem BĂŒrgerkrieg geschundenen Land sei instabil. Seit dem Beginn der Blitzoffensive der Rebellen vor zwei Wochen sei der Brotpreis in StĂ€dten wie Idlib und Aleppo um 900 Prozent angestiegen.

OCHA warnte vor Minenfeldern, die die Bewegungsfreiheit der Menschen und die Lieferung von Waren einschrĂ€nkten. KrankenhĂ€user seien zudem mit der hohen Anzahl an Patienten mit körperlichen und seelischen Verletzungen ĂŒberfordert. Viele Menschen litten unter enormer psychischer Belastung. Besonders Kinder zeigten Anzeichen von Traumata.

@ dpa.de