Der Papst ist tot: Wie geht es weiter?
22.04.2025 - 13:16:50Papst Franziskus ist tot. Bis zur Beisetzung am Samstag, zu der StaatsgĂ€ste aus aller Welt erwartet werden, lĂ€uft jetzt alles nach strengen Vorschriften ab. Und danach bis zur Wahl des neuen Oberhaupts der katholischen Kirche auch. Die Stunden, Tage und Wochen sind bis ins kleinste Detail geregelt. Wie geht es nun weiter? Das Wichtigste im Ăberblick:
Wer fĂŒhrt jetzt die katholische Kirche?
Die Zeitspanne bis zur Wahl des neuen Papstes heiĂt Sedisvakanz. Wie lange sie dauert, weiĂ niemand. Der Begriff kommt aus dem Lateinischen. Wörtlich ĂŒbersetzt bedeutet er: «leerer Stuhl». In dieser Zeit geht die Leitung der römisch-katholischen Kirche ans Kardinalskollegium ĂŒber. Dem Kollegium gehören derzeit 252 KardinĂ€le aus den verschiedensten LĂ€ndern an - aber lĂ€ngst sind noch nicht alle in Rom.
Die KardinĂ€le dĂŒrfen keine grundlegenden Entscheidungen wie etwa neue Kirchengesetze erlassen. Sie kĂŒmmern sich jedoch um die laufenden GeschĂ€fte, auch um die Trauerfeierlichkeiten sowie spĂ€ter dann die Wahl des Nachfolgers von Papst Franziskus.Â
Wo ist der tote Papst aufgebahrt?
Der Leichnam liegt derzeit in der Kapelle von Franziskus' Residenz Santa Marta im Vatikan. Der Vatikan veröffentlichte am Morgen erste Bilder vom offenen Sarg. Der tote Papst trĂ€gt ein rotes Gewand und eine weiĂe Bischofsmitra. Um die HĂ€nde ist ein Rosenkranz geschlungen. ZunĂ€chst können nun KardinĂ€le, Mitglieder der Kurie und Angestellte des Vatikans Abschied nehmen.
Am Mittwochmorgen (9.00 Uhr) wird der Leichnam in einer Prozession von der Casa Santa Marta ĂŒber den Petersplatz in den Petersdom gebracht. Der irische KardinalkĂ€mmerer Kevin Farrell, der auch den Tod festgestellt hat, leitet den Gottesdienst am mĂ€chtigen Papstaltar. AnschlieĂend ist es möglich, an den Sarg heranzutreten und Franziskus die letzte Ehre zu erweisen. Erwartet wird, dass Zehntausende GlĂ€ubige kommen werden.
Wann wird Franziskus beigesetzt?
Am Dienstagmorgen kam eine Gruppe von KardinĂ€len erstmals seit Franziskus' Tod zusammen. Sie entschieden, dass Franziskus am Samstag beigesetzt wird - also fĂŒnf Tage nach seinem Tod. Die Trauerfeier beginnt um 10.00 Uhr auf dem Petersplatz. Der Messe steht der Dekan des Kardinalskollegiums vor, der 91 Jahre alte Italiener Giovanni Battista Re. Es folgen «Ultima Commendatio» (Aussegnung) und «Valedictio» (Verabschiedung).
Zu der Trauerfeier werden zahlreiche StaatsgĂ€ste aus aller Welt erwartet. Als einer der Ersten kĂŒndigte sich US-PrĂ€sident Donald Trump an, gemeinsam mit seiner Frau Melania. Aus Franziskus' argentinischer Heimat kommt PrĂ€sident Javier Milei. Aus Deutschland werden BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier und der geschĂ€ftsfĂŒhrende Bundeskanzler Olaf Scholz erwartet. Zudem reisen viele kirchliche WĂŒrdentrĂ€ger an, auch aus anderen Religionen.
Wo wird der Papst seine letzte Ruhe finden?
Nach der groĂen Trauermesse am Samstagvormittag wird der Sarg vom Petersplatz zunĂ€chst zurĂŒck in den Petersdom gebracht. AnschlieĂend geht es einige Kilometer weiter zur Bestattung in der Basilika Santa Maria Maggiore, unweit des Hauptbahnhofs von Rom. Anders als viele VorgĂ€nger wollte Franziskus nicht im Petersdom oder den darunterliegenden vatikanischen Grotten beigesetzt werden. Stattdessen entschied er sich fĂŒr die Marienkirche, die er zu Lebzeiten sehr oft besuchte.
Â
In seinem am Montagabend veröffentlichten Testament hielt er seinen Wunsch auch schriftlich fest. «Ich habe mein Leben und mein priesterliches und bischöfliches Amt immer der Mutter unseres Herrn, der Heiligen Maria, anvertraut», heiĂt es dort. Deshalb solle seine «letzte irdische Reise» in der Basilika enden. Er legte fest, dass sein Grab «einfach, ohne besondere Verzierung und mit der einzigen Inschrift: Franciscus» sein soll.
Wie wird Franziskus' Nachfolger bestimmt?
Das Konklave beginnt vermutlich Anfang Mai - wieder in der Sixtinischen Kapelle. Wahlberechtigt sind nach aktuellem Stand 135 KardinĂ€le aus aller Welt unter 80 Jahren - zwei von ihnen sagten ihre Reisen nach Rom aus gesundheitlichen GrĂŒnden aber bereits ab. Kardinaldekan Re lĂ€dt diese dazu nach Rom ein. Aktuell sind drei deutsche KardinĂ€le dabei: Reinhard Marx, Rainer Maria Woelki und Gerhard Ludwig MĂŒller. Noch vor dem Konklave gibt es sogenannte Generalversammlungen. Dort werden organisatorische Fragen besprochen, aber auch schon ĂŒber das Profil des kĂŒnftigen Papstes beraten.
SpÀtestens 20 Tage nach dem Tod jedoch beginnen die wahlberechtigten KardinÀle in der Sixtinischen Kapelle mit der Wahl. Geleitet werden diese strengstens abgeschirmten Wahlversammlungen von Kardinal Pietro Parolin. Der Italiener wird selbst als «papabile» gehandelt - also als jemand, der dem Papstamt gewachsen ist.
Wann steht ein neuer Papst fest?
Das Konklave kann nach wenigen Stunden vorbei sein, aber auch Tage und Wochen dauern: Ein Zeitlimit gibt es nicht. Die lĂ€ngste Wahl begann im Herbst 1268. Erst nach zwei Jahren, neun Monaten und zwei Tagen gab es mit Gregor X. einen neuen Papst. Inzwischen geht es zĂŒgiger: Franziskus war 2013 nach etwas mehr als 26 Stunden und fĂŒnf WahlgĂ€ngen gewĂ€hlt. Sein VorgĂ€nger, der Deutsche Benedikt XVI., stand 2005 nach vier Runden fest.
Weil Franziskus viele neue KardinĂ€le aus weit entfernten LĂ€ndern berufen hat, die sich nicht besonders gut kennen, ist die Wahl dieses Mal wohl offener als bei frĂŒheren Konklaven. Zur Wahl benötigt der neue Papst eine Zweidrittelmehrheit. Der erste Wahlgang findet am ersten Nachmittag statt. Der weitere Rhythmus besteht dann aus zwei WahlgĂ€ngen vormittags und zwei WahlgĂ€ngen nachmittags.
Die Stimmzettel werden nach erfolglosen WahlgĂ€ngen verbrannt - dann steigt schwarzer Rauch aus dem Schornstein, der auf dem Dach der Sixtinischen Kapelle zu sehen ist. Nach dem erfolgreichen Wahlgang werden weiĂ fĂ€rbende Chemikalien zugesetzt, sodass weiĂer Rauch aufsteigt. Das ist das Zeichen fĂŒr die GlĂ€ubigen drauĂen auf dem Petersplatz und in aller Welt, dass es einen neuen Papst gibt. Auf Lateinisch: Habemus Papam.









