Venezuelas neue Regierung geht auf USA zu
05.01.2026 - 06:34:55Der Druck der USA auf Venezuela scheint nach der Festnahme des autoritĂ€ren Staatschefs NicolĂĄs Maduro erste Wirkung zu zeigen. Die geschĂ€ftsfĂŒhrende PrĂ€sidentin Delcy RodrĂguez, die sich nach dem US-Angriff zunĂ€chst unbeugsam gezeigt hatte, signalisierte Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Washington. In New York steht heute fĂŒr Maduro die erste Anhörung vor Gericht auf dem Plan. Ebenfalls in der OstkĂŒstenmetropole wird sich der UN-Sicherheitsrat in einer Dringlichkeitssitzung mit dem US-Angriff auf Venezuela befassen.Â
RodrĂguez gab sich auf Instagram nun versöhnlich gegenĂŒber der Regierung von US-PrĂ€sident Donald Trump. «Wir laden die Regierung der Vereinigten Staaten ein, gemeinsam an einer Agenda der Kooperation zu arbeiten, die auf gemeinsame Entwicklung ausgerichtet ist und im Rahmen des Völkerrechts ein dauerhaftes Zusammenleben in der Gemeinschaft stĂ€rkt.» Es gehe um «Frieden und Dialog, keinen Krieg», schrieb sie weiter. «Das war schon immer die Haltung von PrĂ€sident NicolĂĄs Maduro und ist derzeit die Haltung ganz Venezuelas.»Â
Trump drohte RodrĂguez unterdessen unverhohlen. Ihr könne eine noch «schlimmere Situation» als dem gefangengenommenen Maduro drohen, sagte er wĂ€hrend eines Flugs nach Washington zu Reportern. Der Zeitschrift «The Atlantic» hatte er zuvor gesagt: «Wenn sie nicht das Richtige tut, wird sie einen sehr hohen Preis zahlen, wahrscheinlich höher als Maduro.»
Mehr als 30 kubanische SicherheitskrÀfte getötet
Die USA hatten in der Nacht auf Samstag Ziele in Venezuela angegriffen, Maduro und seine Frau wegen angeblicher DrogengeschĂ€fte gefangen genommen und auĂer Landes gebracht.Â
Bei dem US-Angriff kamen auch 32 Angehörige kubanischer SicherheitskrĂ€fte ums Leben, wie die regierende Kommunistische Partei Kubas mitteilte. SicherheitskrĂ€fte des engen VerbĂŒndeten sind nach EinschĂ€tzung von Experten seit Jahren in Venezuela. Agenten sollen helfen, Soldaten auf Linie zu halten. Zudem sollen vor allem kubanische LeibwĂ€chter fĂŒr Maduros Sicherheit verantwortlich gewesen sein.
Spanien und eine Reihe lateinamerikanischer Staaten verurteilten den US-MilitĂ€reinsatz in Venezuela. Auch die EuropĂ€ische Union pochte auf das Selbstbestimmungsrecht des sĂŒdamerikanischen Landes. «Das Recht des venezolanischen Volkes, ĂŒber seine Zukunft zu entscheiden, muss respektiert werden», schrieb die EU-AuĂenbeauftragte Kaja Kallas auf X. Die ErklĂ€rung wird von allen EU-Staaten mit Ausnahme Ungarns unterstĂŒtzt.
Rubio: Werden VerĂ€nderungen in Venezuela herbeifĂŒhren
Trump hatte nach dem Angriff gesagt, die USA wĂŒrden Venezuela vorĂŒbergehend fĂŒhren. Sein AuĂenminister Marco Rubio machte nun in einem Interview mit dem US-Sender CBS deutlich, dass Washington Venezuela nicht regieren werde, mit Hilfe einer bereits bestehenden Ălblockade aber politische VerĂ€nderungen in dem Land herbeifĂŒhren werde. Die Blockade sei ein «enormer Hebel» und bleibe so lange bestehen, bis zentrale Forderungen erfĂŒllt seien. Es gehe darum, dass die riesigen Ălreserven Venezuelas nicht weiter unter der Kontrolle von Gegnern der USA stĂŒnden, sagte Rubio dem Sender NBC News.
Washington werde nicht zulassen, dass Venezuela zu einem StĂŒtzpunkt fĂŒr LĂ€nder wie China, Russland, den Iran oder die proiranische Miliz Hisbollah werde, sagte er. Die Ausbeutung von Ressourcen durch externe Akteure, wie sie in anderen Weltregionen zu beobachten sei, werde Washington in Lateinamerika nicht akzeptieren. «Hier leben wir, und wir werden nicht zulassen, dass die westliche HemisphĂ€re als Operationsbasis fĂŒr Gegner, Konkurrenten und Rivalen der Vereinigten Staaten dient», sagte Rubio.
USA drohen auch Kolumbien und KubaÂ
Trump drohte auch Kolumbien. Das Land sei «sehr krank» und werde von einem «kranken Mann» regiert, der es liebe, «Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen», sagte der US-PrĂ€sident. Das werde er «nicht mehr lange machen». Trump hat Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro bereits mehrfach heftig kritisiert, nannte ihn aber nicht namentlich. Auf Nachfrage, ob es einen MilitĂ€reinsatz auch gegen Kolumbien geben werde, sagte Trump: «Das klingt fĂŒr mich gut.»
AuĂenminister Rubio bezeichnete auĂerdem die Regierung in Kuba als ein «riesiges Problem». Das sagte er NBC News auf die Frage, ob nach dem US-Angriff auf Venezuela nun auch ein MilitĂ€reinsatz gegen Kuba folgen werde. Trump sagte, Kuba sehe ohnehin so aus, als sei es kurz vor dem Zerfall.
RodrĂguez fordert Respekt
Venezuelas geschĂ€ftsfĂŒhrende PrĂ€sidentin RodrĂguez forderte unterdessen eine von Respekt geprĂ€gte Beziehung zwischen den USA und ihrem Land. Nach EinschĂ€tzung ihrer Regierung bleibt der in den USA in Haft sitzende Maduro rechtmĂ€Ăiger PrĂ€sident. «In Venezuela gibt es einen verfassungsmĂ€Ăigen PrĂ€sidenten, NicolĂĄs Maduro Moros, der zwar derzeit illegal festgehalten wird, aber weiterhin das Staatsoberhaupt in voller AusĂŒbung seines Mandats ist», sagte AuĂenminister YvĂĄn Gil laut dem regierungsnahen Sender Telesur.Â
«Trotz des Angriffs herrscht in Venezuela heute Frieden und Ruhe, die Institutionen funktionieren uneingeschrĂ€nkt», sagte er auf einer Krisensitzung der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac).Â
Das höchste Gericht hatte die Maduro treu ergebene VizeprĂ€sidentin RodrĂguez ermĂ€chtigt, die Aufgaben des Staatschefs vorĂŒbergehend wahrzunehmen. Das mĂ€chtige MilitĂ€r stellte sich öffentlich hinter sie. Nach EinschĂ€tzung der US-Regierung ist das MilitĂ€r ebenso wie Maduro in den Drogenhandel verstrickt.Â
USA erwarten Kooperationsbereitschaft
Die USA erwarten Rubio zufolge nach der Festnahme Maduros nun deutlich mehr Kooperationsbereitschaft in Caracas. Ziel sei es, VerĂ€nderungen in Venezuela durchzusetzen, die in erster Linie im Interesse der Vereinigten Staaten lĂ€gen, sagte er NBC News. Rubio stellte zugleich klar, dass Washington derzeit nicht auf einen schnellen politischen Ăbergang setze. Zwar lobte er die Oppositionspolitikerin MarĂa Corina Machado, betonte jedoch, dass groĂe Teile der Opposition nicht mehr im Land prĂ€sent seien. Vorrang habe deshalb eine kurzfristige Stabilisierung, nicht eine sofortige demokratische Neuordnung.
Trump sieht Neuwahlen in dem sĂŒdamerikanischen Land derzeit nicht als PrioritĂ€t. «Wir werden zur richtigen Zeit Wahlen haben, aber das Wichtigste ist, dass sie das Problem lösen. Das Land ist kaputt», sagte er Journalisten. «Wir mĂŒssen es wiederbeleben, und dafĂŒr brauchen wir groĂe Investitionen von den Ălgesellschaften, um die Infrastruktur wieder funktionsfĂ€hig zu machen.»Â
Auf die Frage, ob die USA von RodrĂguez verlangen werden, dass sie Oppositionelle zurĂŒckkehren lĂ€sst oder politische Gefangene freilĂ€sst, sagte Trump: «So weit sind wir noch nicht. Im Moment wollen wir erst einmal die Ălindustrie wieder in Gang bringen, das Land wieder aufbauen, es wieder auf die Beine stellen und dann Wahlen abhalten».









