Historische, Separatisten-Pleite

Historische Separatisten-Pleite bei Katalonien-Wahl

13.05.2024 - 01:24:24

Nach der Parlamentswahl in Katalonien ist die Zukunft der spanischen Konfliktregion völlig offen. Keine Partei kam auch nur in die NÀhe der absoluten Mehrheit. Aber im fernen Madrid gab es viel Jubel.

  • Salvador Illa (M) könnte mit UnterstĂŒtzung anderer linker Parteien zum Regierungschef gewĂ€hlt werden. - Foto: Lorena Sopena/Europapress/dpa

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  • Der Wahlausgang wurde vor allem als großer Triumph der linken Zentralregierung von MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez bewertet. - Foto: Lorena SopĂȘna/EUROPA PRESS/dpa

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Salvador Illa (M) könnte mit UnterstĂŒtzung anderer linker Parteien zum Regierungschef gewĂ€hlt werden. - Foto: Lorena Sopena/Europapress/dpaDer Wahlausgang wurde vor allem als großer Triumph der linken Zentralregierung von MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez bewertet. - Foto: Lorena SopĂȘna/EUROPA PRESS/dpa

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl in Katalonien haben die Separatisten eine historische Pleite erlitten. Erstmals seit 1980 verpassten die verschiedenen Parteien der UnabhĂ€ngigkeitsbefĂŒrworter in der spanischen Konfliktregion zusammen die absolute Mehrheit der Sitze im Parlament in Barcelona. Die Sozialisten von Spitzenkandidat Salvador Illa gewannen die Wahl. Mit 42 Sitzen sind sie zwar weit von der absoluten Mehrheit (68) entfernt. Illa könnte aber mit der UnterstĂŒtzung anderer linker Parteien zum Regierungschef gewĂ€hlt werden - und so eine Neuwahl verhindern, denn eine Alternative zu einer linken Regierung scheint es nicht zu geben.

Hinter den Sozialisten kam die konservativ-liberale Partei Junts des im belgischen Exil lebenden SeparatistenfĂŒhrers Carles Puigdemont nach den vorlĂ€ufigen amtlichen Ergebnissen mit 35 Sitzen auf Platz zwei. Der 61-JĂ€hrige hat aber keine echte Chance, genug UnterstĂŒtzung fĂŒr eine Regierungsbildung zu sammeln. Die ebenfalls separatistische Republikanische Linke (ERC) des bisherigen RegionalprĂ€sidenten Pere AragonĂšs belegte mit 20 Sitzen (gleich 13 weniger als bisher) nur den dritten Platz. Zusammen kamen die vier Separatisten-Parteien nur auf 61 Sitze. Sie verloren 13.

Großer Triumph fĂŒr SĂĄnchez

Der Wahlausgang wurde von Analysten unisono vor allem als ein großer Triumph der linken Zentralregierung von MinisterprĂ€sident Pedro SĂĄnchez im 600 Kilometer entfernten Madrid bewertet. Mit seiner Aussöhnungspolitik und seinen ZugestĂ€ndnissen habe SĂĄnchez den Konflikt in Katalonien weitgehend entschĂ€rft und den Separatisten - die Madrid traditionell als «Feind Nummer eins» betrachten - den Wind komplett aus den Segeln genommen, hieß es in einer Talkrunde des Fernsehsenders RTVE am spĂ€ten Abend.

FĂŒr SĂĄnchez ist wiederum die UnterstĂŒtzung der separatistischen Parteien im Nationalparlament in Madrid ĂŒberlebenswichtig. Wohl auch deshalb hat er neben anderen Maßnahmen zur Beschwichtigung allen «Catalanistas», die im Zusammenhang mit den UnabhĂ€ngigkeitsbestrebungen in Konflikt mit dem Gesetz geraten sind, eine Amnestie zugesichert. Das Gesetz, das von der konservativen Opposition scharf kritisiert wird, hat noch nicht alle parlamentarischen HĂŒrden ĂŒberwunden. Es könnte es aber schon im Juni in Kraft treten - und wĂŒrde auch eine RĂŒckkehr des JustizflĂŒchtlings Puigdemont, der den Wahlkampf von Frankreich aus fĂŒhren musste, nach Spanien ermöglichen.

«Heute haben auch die Amnestie und die Aussöhnung gewonnen», sagte der Journalist Juanma Lamet, dessen Arbeitgeber, die renommierte Zeitung «El Mundo», nicht gerade zu den SĂĄnchez nahestehenden Medien zĂ€hlt. Die Schriftstellerin Berna GonzĂĄlez Harbour, die als Kolumnistin fĂŒr das SĂĄnchez-freundlichere Blatt «El PaĂ­s» arbeitet, stellte fest: «Wir alle wussten schon, dass der "ProcĂ©s" (die Trennungsoffensive) zu Ende war. Nun wissen es auch die Separatisten.» Sie seien «klĂ€glich abgestĂŒrzt».

Nach einem illegalen UnabhĂ€ngigkeitsreferendum und einem Beschluss zur Abspaltung von Spanien war Katalonien im Herbst 2017 unter der Ägide Puigdemonts ins Chaos gestĂŒrzt. Puigdemont konnte damals mit weiteren Regierungsmitgliedern ins Ausland fliehen. Mehrere der im Land gebliebenen Mitstreiter wurden zu Haftstrafen von bis zu 13 Jahren verurteilt, spĂ€ter aber begnadigt. Unter den Folgen des chaotischen Trennungsversuches - politische InstabilitĂ€t sowie eine Unternehmens- und Kapitalflucht - leidet Katalonien noch heute.

Wahlsieger Illa verspricht Aussöhnung und Aufschwung

Illa setze in seiner Siegesrede den Aussöhnungskurs des Sozialisten-Chefs SĂĄnchez fort und versprach: «Kein Katalane wird von dieser neuen Etappe, die heute beginnt, ausgeschlossen werden.» Er wolle RegionalprĂ€sident werden, damit Katalonien wieder zur fĂŒhrenden Wirtschaftsregion Spaniens werde. Unter dem lauten Jubel seiner AnhĂ€nger rief Illa  «Erstmals hat die Sozialistische Partei die Wahlen in Katalonien nach Stimmen und nach Sitzen gewonnen!»

FĂŒr die Wahl zum RegionalprĂ€sidenten im Parlament in Katalonien benötigt Illa vor allem und unbedingt die UnterstĂŒtzung der Republikanischen Linken, die sich noch nicht klar dazu Ă€ußerte. Parteichef AragonĂšs meinte zunĂ€chst, man werde in die Opposition gehen, aber das wĂŒrde eine Duldung der Sozialisten nicht ausschließen.

UnabhĂ€ngig davon, was in den nĂ€chsten Wochen passiert, war die Freude im Madrider Regierungspalast Moncloa sehr groß. «Historisches Ergebnis», schrieb SĂĄnchez auf der Online-Plattform X. «Heute beginnt in Katalonien eine neue Ära, die das Leben der BĂŒrger verbessern, die Rechte erweitern und das Zusammenleben stĂ€rken soll.»

Die Freude und Hoffnung der Sozialisten scheinen berechtigt, nicht nur wegen des Gewinns von neun Sitzen. Kritiker aus dem konservativen Lager hatten SĂĄnchez immer wieder vorgeworfen, mit der Appeasement-Politik und AbhĂ€ngigkeit seiner Minderheitsregierung von Separatisten werde er den Separatismus stĂ€rken und die Einheit Spaniens gefĂ€hrden. TatsĂ€chlich hatten die Separatisten auch nach Beginn der Zusammenarbeit mit SĂĄnchez von der Zentralregierung unter anderem grĂŒnes Licht fĂŒr ein legales Referendum ĂŒber die UnabhĂ€ngigkeit gefordert. Das werden sie wohl auch in Zukunft weiterhin tun - allerdings mit deutlich schwĂ€cherer Stimme als bisher.

@ dpa.de