USA verlegen weitere Kriegsschiffe und Kampfjets nach Nahost
03.08.2024 - 05:04:34Im Nahen Osten verdichten sich die Anzeichen fĂŒr einen bevorstehenden Vergeltungsschlag des Irans gegen Israel. Diplomatische Versuche, eine Eskalation mit der Gefahr eines regionalen Krieges nach der Tötung des Hamas-AnfĂŒhrers Ismail Hanija in Teheran zu verhindern, blockt der Iran Medienberichten zufolge ab.Â
WĂ€hrend Israels Armee in höchster Alarmbereitschaft ist, verlegen die USA nach Angaben des Pentagons zusĂ€tzliche Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge zur Abschreckung in die Region. Beide VerbĂŒndete bereiteten sich auf die Abwehr eines Angriffs vor, der schon an diesem Wochenende erfolgen könnte, meldete das «Wall Street Journal». Es werde befĂŒrchtet, dass ein Angriff diesmal breiter und komplexer sein wird als Irans Attacke auf Israel im April.
Damals hatte Teheran den jĂŒdischen Staat mit 330 Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen angegriffen. Allerdings erst, nachdem der Iran sein Vorhaben im Voraus Diplomaten signalisiert und Israel und den USA Zeit zur Vorbereitung gegeben hatte, wie das «Wall Street Journal» festhielt. Am Ende konnte Israel die meisten Geschosse aus eigener Kraft und mithilfe der USA und anderer VerbĂŒndeter abfangen. Dieses Mal agierten Israel und seine VerbĂŒndeten «in einem Vakuum», schrieb die US-Zeitung. Der Mangel an Informationen und damit der Kalkulierbarkeit versetzt die gesamte Region im Nahen Osten in einen der gefĂ€hrlichsten Momente seit Beginn des Krieges im Gazastreifen im Oktober.
Bericht ĂŒber Festnahmen im Iran nach Anschlag auf Hanija
Wie die «New York Times» unter Berufung auf zwei mit den Ermittlungen vertraute Iraner berichtete, wurden im Zusammenhang mit dem tödlichen Anschlag auf Hamas-AnfĂŒhrer Hanija in Teheran mehr als zwei Dutzend Personen verhaftet. Darunter befĂ€nden sich ranghohe Geheimdienstoffiziere, MilitĂ€rbeamte und Mitarbeiter des vom MilitĂ€r betriebenen GĂ€stehauses, in dem Hanija unterkam. Wie die Zeitung «The Telegraph» unter Berufung auf zwei iranische Beamte meldete, soll Israels Auslandsgeheimdienst Mossad fĂŒr den Anschlag zwei iranische Sicherheitsagenten angeheuert haben.Â
Sie hĂ€tten SprengsĂ€tze in drei Zimmern des GĂ€stehauses platziert. Die Agenten sollen sich anschlieĂend ins Ausland abgesetzt haben, hĂ€tten aber in Kontakt mit einer Quelle vor Ort gestanden. Um 2.00 Uhr nachts am Mittwoch hĂ€tten sie dann den Sprengstoff aus dem Ausland per FernzĂŒndung in dem Zimmer detonieren lassen, in dem sich Hanija aufhielt. Israel hat sich zu dem Tod von Hanija bisher nicht geĂ€uĂert. Die Hamas und der Iran haben Israel fĂŒr den Anschlag verantwortlich gemacht und drohen mit massiver Vergeltung.Â
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Berichte: Iran lehnt alle Vermittlungsversuche ab
Die Forderung «von befreundeten und nicht-befreundeten» Staaten nach einer friedlichen Lösung sei fĂŒr Teheran nach der gezielten Tötung des politischen AnfĂŒhrers der verbĂŒndeten Hamas, Hanija, in Teheran inakzeptabel, zitierte das Nachrichtenportal Iran Nuances informierte Quellen. «Israel hat alle roten Linien ĂŒberschritten», zitierte auch das «Wall Street Journal» einen iranischen Diplomaten. «Unsere Antwort wird schnell und hart sein», sagte der Diplomat. Auch die Vermittlungsversuche wĂŒrden Irans Entschlossenheit zu einem Vergeltungsschlag nicht verringern, heiĂt es im Bericht von Iran Nuances auf der Plattform X. Die USA werden dennoch weiterhin mit VerbĂŒndeten und Partnern zusammenarbeiten, um die angespannte Situation in der Region zu deeskalieren, wie das Pentagon weiter mitteilte.Â
Israel droht dem Iran im Falle eines Angriffs mit einer weitaus hĂ€rteren Gegenreaktion als nach Irans Attacke im April. Damals habe sich Israel auf Bitten der USA und anderer VerbĂŒndeter bei der Antwort auf die Aggression zurĂŒckgehalten, sagte Israels nationaler Sicherheitsberater Zachi Hanegbi im Interview der «Bild» und anderer Axel-Springer-Medien. «Das ist jetzt eine neue Situation. Man kann sich einmal zurĂŒckhalten, nicht zweimal», sagte er. Angesichts einer sich zuspitzenden Lage informierte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin seinen israelischen Kollegen Joav Galant ĂŒber eine Neuaufstellung der militĂ€rischen KapazitĂ€ten der USA in der Region, wie Pentagon-Sprecherin Sabrina Singh mitteilte.Â
USA verstÀrken MilitÀrprÀsenz
Es gehe darum, die Verteidigung Israels zu unterstĂŒtzen und auf die «sich entwickelnde Krise» in der Region reagieren zu können, sagte die Sprecherin. Zu diesem Zweck wies US-Verteidigungsminister Austin die Verlegung zusĂ€tzlicher Zerstörer mit der FĂ€higkeit zur Abwehr ballistischer Raketen sowie ein weiteres Jagdgeschwader in die Region an. Zudem wĂŒrden Schritte ergriffen, um die «Bereitschaft zum Einsatz zusĂ€tzlicher landgestĂŒtzter ballistischer Raketenabwehr zu erhöhen», hieĂ es in einer Mitteilung des Pentagons weiter.
Israels MilitĂ€r griff unterdessen laut Menschenrechtsaktivisten im Grenzgebiet des Libanons und Syriens Ziele der Hisbollah an. Israel habe ein Waffenlager mit Raketen und ein Hauptquartier der Miliz getroffen, erklĂ€rten libanesische Aktivisten sowie die Syrische Beobachtungsstelle fĂŒr Menschenrechte. Israel kommentiert Angriffe in dem Nachbarland in der Regel nicht.Â
Aktivisten: Israel attackiert Hisbollah an Syriens Grenze
Israel greift dort aber regelmĂ€Ăig Ziele der mit dem Iran verbĂŒndeten Milizen an. Ăber Syrien gelangt auch ein GroĂteil iranischer Waffen zur Hisbollah im Libanon, die sich seit Beginn des Gaza-Krieges vor zehn Monaten fast tĂ€glichen gegenseitigen Beschuss mit der israelischen Armee liefert. Die Hisbollah handelt nach eigenen Angaben aus SolidaritĂ€t mit der Hamas im Gazastreifen. In der Region wĂ€chst nach den Tötungen von Hanija sowie des ranghohen Hisbollah-Kommandeurs Fuad Schukr in Beirut die Sorge vor einem kriegerischen Konflikt zwischen Israel und dem Iran und dessen VerbĂŒndeten wie der Hisbollah.Â
Ein solcher drohte bereits nach dem 14. April, als die iranischen Revolutionsgarden Hunderte Drohnen und Raketen auf Israel abfeuerten. Hintergrund der Attacke war damals ein Israel zugeschriebener Angriff auf das iranische BotschaftsgelĂ€nde in der syrischen Hauptstadt Damaskus, bei dem Anfang April zwei iranische GenerĂ€le getötet worden waren. Israel hatte damals mit einem Gegenangriff auf einen LuftwaffenstĂŒtzpunkt im Zentraliran reagiert, worauf Teheran erklĂ€rt hatte, die Sache nicht mehr weiter verfolgen zu wollen. Israels Sicherheitsberater Hanegbi warnte im «Bild»-Interview den Iran nun vor einem neuen Angriff.
Israel droht dem Iran: Ein Angriff wÀre ein Fehler
«Israel anzugreifen ist etwas, wofĂŒr sie einen sehr schmerzhaften Preis zahlen werden. Hoffentlich tun sie es nicht. Es wĂ€re ein Fehler. Israel ist sehr stark», sagte Hanegbi. Ăhnlich hatte sich in den vergangenen Tagen auch Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu geĂ€uĂert. Er glaube nicht, dass die Region vor einem Krieg stehe, sagte Hanegbi. Der Iran wolle keinen umfassenden Krieg. US-PrĂ€sident Joe Biden zeigte sich am Donnerstag «sehr besorgt». Eigenen Angaben zufolge fĂŒhrte er ein «sehr direktes» Telefonat mit Netanjahu.
Die Tötung von Hanija habe bei den Verhandlungen um eine Waffenruhe im Gaza-Krieg «nicht geholfen», sagte der US-PrĂ€sident. Die Angriffe auf Hanija und Schukr hatten zuletzt befĂŒrchten lassen, dass die indirekten Verhandlungen um eine Waffenruhe in Gaza zum Erliegen kommen. Netanjahu habe die Entsendung einer Delegation zu weiteren GesprĂ€chen in Kairo genehmigt, teilte das BĂŒro des israelischen MinisterprĂ€sidenten mit. Die Abordnung werde heute Abend oder am Sonntag in die Ă€gyptische Hauptstadt aufbrechen, hieĂ es.Â
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