Konservative in Griechenland vorn: Neuwahlen im Juni möglich
22.05.2023 - 04:32:35Mit 40,8 Prozent ist die konservative Partei Nea Dimokratia (ND) des bisherigen MinisterprĂ€sidenten Kyriakos Mitsotakis klarer Sieger der griechischen Parlamentswahlen. Das gab das Innenministerium am frĂŒhen Montagmorgen nach AuszĂ€hlung fast aller Stimmen bekannt.
Eine Regierung wird es vorerst trotzdem nicht geben. Noch am Wahlabend schloss Mitsotakis eine Koalition aus. Er habe stets dafĂŒr geworben, alleine zu regieren, und nun von den WĂ€hlern den Auftrag dazu erhalten, sagte er. Die nĂ€chste Wahl könnte bereits Ende Juni stattfinden.
«Erdbeben»-Wahl
Griechische Medien schrieben schon kurz nach der ersten amtlichen Hochrechnung am Sonntag von einer «historischen Wahl», von «Erdbeben» und «Erdrutschsieg». Die Linkspartei Syriza von Alexis Tsipras, die als aussichtsreichster Gegner galt, stĂŒrzte ab - sie erzielte nur 20,1 Prozent und damit rund 11 Prozentpunkte weniger als bei der Wahl 2019. Von 59 Wahlbezirken konnten die Linken nur einen einzigen fĂŒr sich gewinnen, der Rest ging an die Nea Dimokratia.
Insgesamt schafften es fĂŒnf Parteien ins Parlament - neben den beiden groĂen Kontrahenten noch die sozialdemokratische Pasok mit 11,5 Prozent, die Kommunistische Partei Griechenlands (KKE) mit 7,2 Prozent und die rechtspopulistische Elliniki Lisi (Griechische Lösung) mit 4,5 Prozent. Die Linkspartei Mera25 von Ex-Finanzminister Giannis Varoufakis und die ultrakonservative Niki scheiterten an der Drei-Prozent-HĂŒrde.
48 Prozent fĂŒr Regierungsbildung
Dass ein erneuter Wahlgang der Nea Demokratia aller Wahrscheinlichkeit nach die Macht sichert, liegt an einer Besonderheit im griechischen Wahlrecht. Bei der aktuellen Wahl galt das einfache VerhĂ€ltniswahlrecht: Rechnerisch mĂŒssen eine oder mehrere Parteien 48 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, um regieren zu können. Bei den nĂ€chsten Wahlen hingegen erhĂ€lt die stĂ€rkste Partei automatisch mindestens 20 Sitze im Parlament zusĂ€tzlich - damit kĂ€me die ND voraussichtlich wieder allein an die Regierung.
KĂ€mpfen werden die Parteien bis zum nĂ€chsten Wahltermin trotzdem, wie die Vorsitzenden in Interviews versicherten. Wahlverlierer Alexis Tsipras sagte, man werde schnell Ănderungen vornehmen, um den bestmöglichen Wahlkampf zu liefern.


