Was Kanzler Merz in der Golfregion vorhat
04.02.2026 - 04:30:14Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bricht heute zu seiner ersten Reise in die wirtschaftsstarke und strategisch wichtige Golfregion auf. Erste Station ist Saudi-Arabien, anschlieĂend geht es weiter nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE). Mit allen drei LĂ€ndern will Merz die Partnerschaften in einer sich neu ordnenden Welt intensivieren. Vor allem im Energiebereich soll die Kooperation mit den öl- und gasreichen LĂ€ndern gestĂ€rkt werden. Es wird aber auch um nicht ganz unumstrittene RĂŒstungsgeschĂ€fte gehen und um einen Konflikt, der sich in den letzten Wochen dramatisch zugespitzt hat.
Warum auf die Arabische Halbinsel?Â
Nach seinen Antrittsreisen zu den VerbĂŒndeten in Europa und Nordamerika geht es fĂŒr Merz nun darum, die Partnerschaften zu wichtigen LĂ€ndern auĂerhalb von EU und Nato zu stĂ€rken. Deswegen war er schon Ende vergangenen Jahres bei Gipfeltreffen in Afrika und Lateinamerika und gleich zu Beginn des Jahres in Indien.
Das hat auch damit zu tun, dass sich Deutschland in einer neuen Weltordnung, in der GroĂmachtpolitik eine zunehmende Rolle spielt, neu orientieren muss. AbhĂ€ngigkeiten von SupermĂ€chten wie China (Exporte und Rohstoffe) und den USA (Verteidigung, FlĂŒssiggas, Handel) sollen verringert werden.Â
Die drei reichen Golfstaaten Saudi-Arabien, Katar und VAE haben da einiges zu bieten: Vor allem FlĂŒssiggas und perspektivisch auch Wasserstoff können dazu beitragen, dass Deutschland sich im Energiebereich breiter aufstellt. Aber auch als Investoren in Deutschland sind die LĂ€nder interessant - sie können neue ArbeitsplĂ€tze schaffen.
Wie groĂ das Interesse an der Region ist, zeigt, dass kurz vor Merz Umweltminister Carsten Schneider (SPD) und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) in Saudi-Arabien vorstellig geworden sind.Â
Sind auch RĂŒstungsgeschĂ€fte geplant?
Es wird keine AbschlĂŒsse geben, aber die GesprĂ€che darĂŒber stehen ziemlich weit oben auf der Agenda. Waffenexporte in die drei autokratisch gefĂŒhrten LĂ€nder wurden wegen der Menschenrechtslage und Beteiligung an regionalen Konflikten wie dem Jemen-Krieg von VorgĂ€ngerregierungen lange Zeit sehr zurĂŒckhaltend gehandhabt. FĂŒr Saudi-Arabien galt sogar jahrelang ein RĂŒstungsexportstopp. Jetzt sollen sie der StĂ€rkung strategischer Partnerschaften dienen.
Gelockert wurde der Kurs schon von der Ampel-Regierung, die Anfang 2024 den Weg fĂŒr den Export weiterer Eurofighter an Saudi-Arabien frei machte. Auch am Transportflugzeug A400M von Airbus besteht dort seit lĂ€ngerer Zeit Interesse, das gilt auch fĂŒr die Vereinigten Arabischen Emirate. Katar ist bereits guter Kunde der deutschen RĂŒstungsindustrie und hat zuletzt eine Lieferung von Boxer-SchĂŒtzenpanzern erhalten.Â
Die GolflĂ€nder versuchen durch RĂŒstungskĂ€ufe auch aus anderen Staaten wie Russland, China oder Frankreich ihre AbhĂ€ngigkeit von den USA zu verringern. Dem Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri zufolge zĂ€hlten Saudi-Arabien und Katar im Zeitraum 2020 bis 2024 zu den LĂ€ndern, die weltweit am meisten RĂŒstungsgĂŒter importierten. Vor ihnen lagen demnach nur noch die Ukraine und Indien.
Warum sind die LĂ€nder strategisch so interessant?
Seit den arabischen AufstĂ€nden von 2011 sind die traditionellen Machtzentren der arabischen Welt wie Kairo oder Damaskus an den Golf gewandert - nach Saudi-Arabien, in die VAE und nach Katar. In den beiden derzeit gröĂten laufenden Konflikten - also Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Israels Konflikt mit der Hamas im Gazastreifen - sind sie wichtige Stimmen oder auch direkt an Verhandlungen und an Vermittlung beteiligt.
So soll in Abu Dhabi, der Hauptstadt der VAE, nĂ€chsten Mittwoch und Donnerstag die nĂ€chste Verhandlungsrunde zwischen Russland und der Ukraine unter Vermittlung der USA stattfinden - unmittelbar bevor Merz dort eintrifft. Begleitet wird der Kanzler von seinem auĂenpolitischen Berater GĂŒnter Sautter, dem vielleicht wichtigsten UnterhĂ€ndler auf europĂ€ischer Seite im Ukraine-Konflikt. An den Verhandlungen in den VAE ist Europa derzeit aber nicht beteiligt.
Katar spielt im Gaza-Konflikt eine zentrale Rolle und hilft Deutschland mit seinen guten Kontakten zu den islamistischen Taliban bei der RĂŒckfĂŒhrung von StraftĂ€tern nach Afghanistan.Â
Wird es auch um den Iran-Konflikt gehen?Â
Mit Sicherheit. Die Sorgen vor einem neuen Krieg sind zuletzt wieder gewachsen. US-PrĂ€sident Donald Trump hat der StaatsfĂŒhrung in Teheran mehrfach mit MilitĂ€rschlĂ€gen gedroht, auch wegen des brutalen Vorgehens staatlicher KrĂ€fte gegen Demonstranten bei den jĂŒngsten Massenprotesten. Das US-MilitĂ€r hat seine PrĂ€senz in der Region seit Anfang Januar deutlich ausgebaut, nun soll es Berichten zufolge aber Verhandlungen mit dem Iran geben.
Im Fall eines erneuten US-Angriffs im Iran könnte die stark unter Druck geratene FĂŒhrung in Teheran einen deutlich gröĂeren Gegenangriff starten als bei vorigen militĂ€rischen Konfrontationen. Durch ihre geografische Lage und als Gastgeber von US-Truppen könnten die GolflĂ€nder ungewollt in einen Krieg hineingezogen werden. Dabei wollen sie Inseln der StabilitĂ€t sein nicht zuletzt fĂŒr Investoren und Touristen.
Spielen die Menschenrechte noch eine Rolle?
Ja, aber nicht mehr eine so groĂe wie frĂŒher. Vor acht Jahren wurde der saudische Kronprinzen Mohammed bin Salman von westlichen Staats- und Regierungschefs wegen des brutalen Mords am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi noch geschnitten. Inzwischen scheint der Fall die offiziellen Treffen mit dem faktischen Herrscher Saudi-Arabiens kaum noch zu beeintrĂ€chtigen. Kanzler Merz kommt am spĂ€ten Abend mit ihm zu einem Essen zusammen.Â
Die Menschenrechtslage in Saudi-Arabien wird von Organisationen wie Amnesty International aber weiterhin als unterirdisch beschrieben. Trotz einiger Lockerungen fĂŒr das gesellschaftliche Leben und einiger StĂ€rkungen bei den Frauenrechten gibt es glaubwĂŒrdige Berichte von auĂergerichtlichen Tötungen, Folter und willkĂŒrlichen Verhaftungen.Â
Katar stand besonders 2022 als Gastgeber der FuĂball-WM im Fokus. VorwĂŒrfe ĂŒber den Missbrauch und die Ausbeutung von Arbeitsmigranten und ungeklĂ€rte TodesfĂ€lle machten Schlagzeilen. Trotz einiger Reformen bestehen Methoden, die Missbrauch fördern, Menschenrechtlern zufolge weiter.









