USA greifen Atomanlagen im Iran an - Was man nun wissen muss
22.06.2025 - 04:34:28Die USA haben in der Nacht Atomanlagen im Iran angegriffen: die unterirdische Uran-Anreicherungsanlage in Fordo sowie Einrichtungen in Natans und Isfahan. US-PrĂ€sident Donald Trump spricht von einer vollstĂ€ndigen Zerstörung der Anlagen und droht mit noch gröĂeren Attacken, sollte die iranische Seite nicht einen Weg des Friedens einschlagen. Irans Atomorganisation erklĂ€rte unterdessen, dass trotz der «bösartigen Verschwörungen der Feinde» Irans Nuklearprogramm nicht gestoppt werde.
Vieles ist also noch unklar - einige Fragen lassen sich aber schon beantworten. Hier sind die wichtigsten zum jetzigen Zeitpunkt:
Wie begrĂŒnden die USA ihre Angriffe?
Wie Israel argumentieren auch die USA, das militĂ€rische Eingreifen sei nötig, um eine drohende nukleare AufrĂŒstung des Irans zu verhindern. Vor den Angriffen der Nacht hatte Trump immer wieder betont, Teheran dĂŒrfe niemals in den Besitz einer Atombombe gelangen. Die Angriffe Israels, die den amerikanischen Attacken vorhergingen, könnten aus Sicht der US-Regierung die Gelegenheit geboten haben, mit einem eigenen Schlag das iranische Atomprogramm entscheidend zu schwĂ€chen.Â
Allerdings gibt es in Trumps republikanischer Partei auch ein Lager, das seit Langem einen politischen Umsturz in Teheran anstrebt.
Ist das US-MilitĂ€r besonders ausgestattet?Â
Experten zufolge liegt insbesondere die iranische Atomanlage Fordo in der NĂ€he der Stadt Ghom derart tief unter der Erde, dass sie nur mit einer tonnenschweren sogenannten Bunkerbrecher-Bombe effektiv angegriffen werden kann. Ăber diese schwere Bombe verfĂŒgt nur das US-MilitĂ€r. Auch fĂŒr den Transport der schweren Munition braucht es US-Flugzeuge, etwa Tarnkappenbomber vom Typ B-2. Genau diese seien nun zum Einsatz gekommen, berichtete der gewöhnlich sehr gut informierte israelische Journalist Barak Ravid auf der Plattform X unter Berufung auf einen ranghohen israelischen Beamten.
Fachleute argumentierten, dass Israel sein erklĂ€rtes Kriegsziel ohne direkte militĂ€rische UnterstĂŒtzung aus Washington kaum erreichen könne.
Wollte Trump nicht eigentlich mit den Iranern verhandeln?
In den Wochen vor der Eskalation setzte Trump noch auf eine Verhandlungslösung und leierte mehrere AtomgesprĂ€chsrunden mit Teheran an. Laut «New York Times» war er deshalb zunĂ€chst skeptisch gegenĂŒber einem israelischen Alleingang. Demnach drĂ€ngte er Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu, mit einem MilitĂ€rschlag noch zu warten. Doch aus Trumps Sicht zog sich der Dialog mit Teheran zunehmend in die LĂ€nge. Er wurde ungeduldig.Â
Als Israel den Angriff gegen den Iran dann ohne offene RĂŒckendeckung aus Washington vorantrieb, Ă€nderte Trump seinen Kurs â sehr zum Missfallen des isolationistischen FlĂŒgels seiner Partei, der eine militĂ€rische Intervention der USA im Iran klar ablehnt.
Hat der Iran ĂŒberhaupt Atomwaffen?
Die politische FĂŒhrung in Teheran beteuert, ihr Atomprogramm diene ausschlieĂlich zivilen Zwecken. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) und viele Staaten Ă€uĂern jedoch Sorge, dass Teheran dem Bau einer Atombombe nĂ€herkommt. Der Iran produziert als einziger kernwaffenfreier Staat Uran mit beinahe waffentauglichem Reinheitsgrad. Beweise fĂŒr einen systematischen Versuch des Irans, an Atomwaffen zu gelangen, liegen der IAEA nicht vor. IAEA-Chef Rafael Grossi schloss beim US-Sender CNN jedoch nicht aus, dass es verdeckte AktivitĂ€ten gegeben haben könnte.
Es gibt schon lange Kontroversen darĂŒber, wie weit entsprechende AktivitĂ€ten womöglich fortgeschritten sind. Vor diesem Hintergrund ist das militĂ€rische Vorgehen der USA und Israels gegen den Iran völkerrechtlich umstritten. Denn um Selbstverteidigung zu rechtfertigen, muss ein Angriff der Gegenseite unmittelbar bevorstehen oder bereits im Gange sein. Eine mögliche Bedrohung in der Zukunft reicht eigentlich nicht aus, auch wenn einige Staaten schon eine weiter gefasste Auslegung vertreten haben.
Welche Rolle spielt Israel fĂŒr Trump?
Der Nahe Osten ist fĂŒr die USA von erheblicher geopolitischer Bedeutung. Israel gilt als stabiler Partner in einer instabilen Region. US-PrĂ€sidenten beider Parteien haben immer wieder betont, dass die Sicherheit Israels zum amerikanischen SelbstverstĂ€ndnis gehöre â notfalls auch unter Einsatz militĂ€rischer Mittel. FĂŒr Trump gilt das in besonderem MaĂe. Der Republikaner verfolgte bereits in seiner ersten Amtszeit einen demonstrativ proisraelischen Kurs.Â
Israel betrachtet den Iran als seinen Erzfeind und sah sich durch die vermutete Entwicklung iranischer Atombomben in seiner Existenz bedroht. Auch das VerhĂ€ltnis zwischen Washington und Teheran ist seit Jahrzehnten extrem angespannt. Die beiden LĂ€nder unterhalten keine diplomatischen Beziehungen miteinander. FĂŒr Irans schiitische FĂŒhrung gehört der Slogan «Tod fĂŒr Amerika» zum Standardrepertoire.Â
Verfolgen die USA mit dem Angriff weitere Ziele?Â
Die USA werfen dem Iran auch vor, den Nahen Osten durch die UnterstĂŒtzung verschiedener Milizen, die sie als Terrorgruppen einstufen, zu destabilisieren â darunter die Hisbollah im Libanon, die Huthi im Jemen und die Hamas im Gazastreifen. Eine SchwĂ€chung Teherans dĂŒrfte in Washington daher auch als Chance gesehen werden, den Einfluss dieser Gruppen zu begrenzen.Â
In diesem Zusammenhang spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle. Seit Beginn des Gaza-Kriegs hat sich die Sicherheitslage auf wichtigen Seewegen in der Region verschĂ€rft. Die Huthi attackierten vermehrt Handelsschiffe im Roten Meer. Den USA geht es deshalb auch um die StabilitĂ€t globaler Lieferketten und Energiepreise.Â
Wie kann der Iran die USA treffen?
Das US-MilitĂ€r hat viele StĂŒtzpunkte rund um den Persischen Golf, etwa in Bahrain und Katar. Sie sind Luftlinie nicht sehr weit vom Iran entfernt und könnten zu Zielen werden. In der gesamten Region sind aktuell rund 40.000 US-Soldatinnen und Soldaten stationiert. Die Frage ist, ob eine solche Eskalation im Interesse Teherans wĂ€re, da die USA darauf mit voller HĂ€rte reagieren dĂŒrften.Â
Ein anderer Hebel wĂ€re eine Blockade der StraĂe von Hormus. Die etwa 55 Kilometer breite Meerenge zwischen dem Iran und Oman gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten fĂŒr den weltweiten Ălexport, etwa fĂŒr Ausfuhren aus Saudi-Arabien - und wegen der Angriffe der USA sind ohnehin Verwerfungen auf dem Ălmarkt zu befĂŒrchten.
Besteht nun die reale Gefahr eines Dritten Weltkriegs?
Russland warnt immer wieder vor der Gefahr eines Dritten Weltkriegs â allerdings mit Blick auf seine eigene Invasion in der Ukraine, sollte der Westen dort eigene Truppen einsetzen und die Lage weiter eskalieren. Mit Blick auf den Nahen Osten mahnt Moskaus AuĂenministerium, es gebe eine echte atomare Gefahr durch Israels Angriffe auf die Kernenergie-Anlagen, die Welt treibe auf «eine nukleare Katastrophe» zu. Dass Russland dem Iran mit Truppen zur Seite steht, gilt indes als unwahrscheinlich.
Ist Russland nicht ein VerbĂŒndeter des Irans?
Zwar schlossen Moskau und Teheran in diesem Jahr offiziell eine weithin beachtete strategische Partnerschaft. Diese enthĂ€lt aber keine Klausel ĂŒber einen militĂ€rischen Beistand â anders als das zwischen Russland und Nordkorea geschlossene Abkommen.
Einerseits hat Russland mit seinem Krieg gegen die Ukraine Ressourcen gebunden. Zum anderen hat Russland womöglich auch nach einer jahrelangen Verstrickung in den syrischen BĂŒrgerkrieg keinen Appetit auf weitere Verwicklungen in Nahost. In Syrien scheiterte Russland letztlich mit seinen Ambitionen, den auch vom Iran unterstĂŒtzten damaligen Machthaber Baschar Al-Assad zu stĂŒtzen. Die russische FĂŒhrung versuchte zuletzt, die USA von einem Angriff auf den Iran abzubringen.


