ParlamentsausschĂŒsse machen Weg fĂŒr neue EU-Kommission frei
20.11.2024 - 23:27:36Die neue EU-Kommission von PrĂ€sidentin Ursula von der Leyen kann aller Voraussicht nach am 1. Dezember ihre Arbeit aufnehmen. Vertreter der FachausschĂŒsse im EuropĂ€ischen Parlament stimmten in BrĂŒssel den VorschlĂ€gen fĂŒr die Besetzung der politischen Spitzenposten zu. Zuvor hatten sich die Spitzen groĂer Fraktionen im Europaparlament auf die Besetzung verstĂ€ndigt.
Eine abschlieĂende Abstimmung im Plenum des Parlaments steht noch aus, die Zustimmung gilt aber als wahrscheinlich. Teil des nun gefundenen Kompromisses ist auch eine schriftliche Vereinbarung des Mitte-Rechts-BĂŒndnisses EVP, dem auch CDU und CSU angehören, der Sozialisten und Sozialdemokraten (S&D) sowie der liberalen Renew-Fraktion.Â
Leitlinien schriftlich fixiert
In einem knapp zwei Seiten langen Papier werden Leitlinien der Zusammenarbeit festgehalten. Unter anderem seien Rechtsstaatlichkeit, Ukraine-UnterstĂŒtzung und eine pro-europĂ€ische Ausrichtung Kernaspekte.Â
Die mĂ€chtige EU-Kommission schlĂ€gt als einzige Institution in der EU Gesetze fĂŒr die Staatengemeinschaft vor und ĂŒberwacht die Einhaltung des EU-Rechts. Die EU-Staaten durften fĂŒr die Neuaufstellung der BrĂŒsseler Behörde mindestens eine Kandidatin und einen Kandidaten nominieren. Die deutsche KommissionsprĂ€sidentin von der Leyen war bereits im Juli als Chefin der BrĂŒsseler Behörde wiedergewĂ€hlt worden und hatte das geplante Team fĂŒr ihre zweite Amtszeit im September vorgestellt.
Streit um Besetzung
In den vergangenen Wochen waren die designierten Kommissare dann von den zustĂ€ndigen AusschĂŒssen des Europaparlaments angehört worden. Widerstand bildete sich bei den Befragungen der sechs designierten VizeprĂ€sidentinnen und -prĂ€sidenten.
Streit gab es vor allem um den italienischen KommissaranwĂ€rter Raffaele Fitto. Mit ihm soll zum ersten Mal ein Politiker der rechten italienischen Partei Fratelli d'Italia (BrĂŒder Italiens) zu einem der VizeprĂ€sidenten der EU-Kommission ernannt werden. Er wird wahrscheinlich Kommissar fĂŒr KohĂ€sion und Reformen werden und wĂ€re damit unter anderem fĂŒr den EuropĂ€ischen Sozialfonds und einen Fonds fĂŒr regionale Entwicklung verantwortlich. Die S&D-Fraktion wollte aber nicht, dass ein rechter Politiker eine herausgehobene Position als VizeprĂ€sident bekommt.
Das Mitte-Rechts-BĂŒndnis EVP weigerte sich wiederum zunĂ€chst, die derzeitige spanische Umweltministerin und Sozialistin Teresa Ribera als Kandidatin zu bestĂ€tigen. Die Sozialistin soll als VizeprĂ€sidentin fĂŒr Wettbewerbspolitik und den grĂŒnen Wandel zustĂ€ndig werden. Konservative und rechte Abgeordnete aus Spanien werfen ihr vor, die Bevölkerung im Oktober nicht rechtzeitig vor den schweren Ăberschwemmungen in der Region Valencia gewarnt zu haben.
Ănderungen bei Ungarns Kommissar
Auch um Ungarns Kommissar Oliver Varhelyi hatte es Zwist gegeben. Er steht schon lĂ€nger wegen seiner LoyalitĂ€t gegenĂŒber dem ungarischen MinisterprĂ€sidenten Viktor Orban in der Kritik. Der Kompromiss sieht nun vor, dass Teile seiner zunĂ€chst vorgesehenen ZustĂ€ndigkeiten an andere Kommissare gehen sollen. Nach Angaben des CDU-Europaabgeordneten Peter Liese soll unter anderem die Kompetenz fĂŒr Pandemie-PrĂ€vention an die belgische KommissarsanwĂ€rterin Hadja Lahbib ĂŒbertragen werden.Â
Aus Reihen der GrĂŒnen kam bereits am Abend vehemente Kritik daran, dass die S&D dem Kompromiss zugestimmt hat. «Die Sozialdemokraten brechen ein zentrales Wahlkampfversprechen: Sie machen gemeinsame Sache mit Europafeinden und Post-Faschisten und wollen die Kandidaten aus Ungarn und Italien wĂ€hlen», teilte der GrĂŒnen-Abgeordnete Daniel Freund mit. Sein Parteifreund Michael Bloss sagte, die Zustimmung der S&D sei «wĂŒrdelos».





