Sudan, USA

Miliz im Sudan stimmt humanitÀrer Waffenruhe zu

06.11.2025 - 16:53:32

Nach zweieinhalb Jahren grausamen Konflikts hat die paramilitĂ€rische Miliz RSF grĂŒnes Licht fĂŒr eine Waffenruhe gegeben. Wird auch die Armee einwilligen?

Im Konflikt im Sudan hat die RSF-Miliz eigenen Angaben zufolge einer humanitĂ€ren Waffenruhe zugestimmt. Die Waffenruhe war von einer von den USA gefĂŒhrten Vermittlergruppe vorgeschlagen worden, zu der auch die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Saudi-Arabien und Ägypten gehören. Die Zustimmung der Armee, mit der sich die RSF seit mehr als zweieinhalb Jahren einen blutigen Machtkampf liefert, steht noch aus. Zu Beginn des Konflikts 2023 waren Waffenruhen mehrfach gescheitert.

Der Berater der US-Regierung fĂŒr Afrika, Massad Boulos, hatte Anfang der Woche gesagt, dass beide Seiten sich fĂŒr den Vorschlag einer dreimonatigen humanitĂ€ren Waffenruhe offen gezeigt hĂ€tten. Zugleich werde ĂŒber eine neunmonatige Verhandlungsphase beraten. Sudans De-facto-PrĂ€sident Abdel Fattah al-Burhan hatte aber zuvor Verhandlungen mit der Miliz abgelehnt. 

Unklare Haltung der Armee

Sudans Sicherheits- und Verteidigungsrat unter al-Burhan hatte am Dienstag ĂŒber den Vorschlag der Gruppe beraten. Der Rat erklĂ€rte Staatsmedien zufolge, dass er BemĂŒhungen befreundeter LĂ€nder fĂŒr ein Ende des Leidens der sudanesischen Bevölkerung begrĂŒĂŸe und der US-Regierung danke. Eine Reaktion auf den Plan gab es aber nicht.

Die RSF-Miliz hatte im April 2023 mit Angriffen gegen MilitĂ€r und Zivilisten begonnen, weil sie sich dagegen sperrte, in die Armee eingegliedert zu werden. Seitdem hat sie die Region Darfur im Westen des Sudans fast vollstĂ€ndig erobert und kontrolliert etwa die HĂ€lfte des besiedelten Gebiets des Sudans. Experten zufolge wird sie von den Vereinigten Arabischen Emiraten unter anderem mit Waffenlieferungen unterstĂŒtzt, was diese aber bestreiten. 

VorwĂŒrfe schwerster Kriegsverbrechen

Den Milizmitgliedern werden Massenmorde, Vergewaltigungen und ethnische motivierte Vertreibungen vorgeworfen, zuletzt in der jĂŒngst eroberten Stadt Al-Faschir. Experten vergleichen die Situation mit den frĂŒhen 2000er Jahren, als die VorlĂ€ufer der RSF-Miliz an der Tötung von bis zu 300.000 Menschen beteiligt waren. Auch die sudanesische Armee wird beschuldigt, Kriegsverbrechen begangen zu haben, etwa zivile Ziele bombardiert zu haben.

Eine humanitĂ€re Waffenruhe könnte Millionen Zivilisten aus grĂ¶ĂŸter Not helfen. Die Lage in dem ostafrikanischen Land gilt als die grĂ¶ĂŸte humanitĂ€re Krise der Welt. 

Besonders in Darfur hatten Hilfsorganisationen kaum Zugang zu der unter den KĂ€mpfen leidenden Bevölkerung. Diese Woche bestĂ€tigten Experten der weltweit als AutoritĂ€t fĂŒr ErnĂ€hrungssicherheit anerkannten Initiative IPC eine Hungersnot in Teilen des Sudans. Mehr als 375.000 Menschen sind demnach im Sudan von einer Hungersnot der höchsten Stufe betroffen; 21 Millionen sind von Hunger bedroht.

@ dpa.de