Nato gelingt keine Einigung auf mehrjÀhrige Ukraine-Hilfe
03.07.2024 - 13:11:18 | dpa.deNato-GeneralsekretĂ€r Jens Stoltenberg ist mit dem Vorhaben gescheitert, die BĂŒndnisstaaten zu mehrjĂ€hrigen Zusagen fĂŒr MilitĂ€rhilfen fĂŒr die Ukraine zu bewegen. Die 32 Alliierten konnten sich in Verhandlungen vor dem nĂ€chste Woche beginnenden Gipfeltreffen in Washington lediglich darauf verstĂ€ndigen, innerhalb des nĂ€chsten Jahres UnterstĂŒtzung im Umfang von mindestens 40 Milliarden Euro zu leisten. Wie es danach weitergeht, soll beim Gipfel im Jahr 2025 besprochen werden. Er wird von den Niederlanden ausgerichtet.
Unklar bleibt auch, wie eine faire Lastenteilung gesichert werden soll. So konnte in den Verhandlungen nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur keine konkrete Vereinbarung darĂŒber getroffen werden, wer wie viel von den mindestens 40 Milliarden Euro beisteuert. Die Nato-Staaten halten demnach nur vage fest, dass sie versuchen wollen, einen Anteil beizusteuern, der in etwa ihrem Anteil an der Wirtschaftskraft aller Nato-Staaten entspricht.
Die neue Ukraine-Zusage fĂŒr den Zeitraum von zwölf Monaten soll in der kommenden Woche beim Treffen der Staats- und Regierungschefs öffentlich gemacht werden. Sie ist das Ergebnis monatelanger Verhandlungen und wurde vom Nordatlantikrat am Mittwoch in einem schriftlichen Verfahren angenommen.
MehrjÀhrige Zusage war das Ziel
Nato-GeneralsekretĂ€r Stoltenberg hatte die Alliierten zuletzt dazu aufgefordert, eine mehrjĂ€hrige Finanzierungszusage fĂŒr MilitĂ€rhilfen im Wert von jĂ€hrlich mindestens 40 Milliarden Euro zu machen. Es gehe dabei auch darum, dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin zu zeigen, dass er seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht gewinnen werde, erklĂ€rte er Ende Mai bei einem Treffen mit den AuĂenministern der 32 Nato-Staaten in Prag. Der Betrag von 40 Milliarden Euro wĂŒrde in etwa der bisherigen jĂ€hrlichen UnterstĂŒtzung der Alliierten seit dem Beginn der russischen Invasion entsprechen, argumentierte er.
Zur Frage, wie eine faire Lastenteilung gewĂ€hrleistet werden könnte, sagte Stoltenberg damals, eine Option sei es, den Beitrag der einzelnen Mitgliedsstaaten auf Grundlage von deren Bruttoinlandsprodukt zu berechnen. Sie stieĂ nach Angaben von Diplomaten aber vor allem bei Mitgliedstaaten auf Widerstand, die bislang nur einen vergleichsweise geringen Anteil ihrer Wirtschaftskraft fĂŒr die militĂ€rische UnterstĂŒtzung der Ukraine ausgeben. Dazu zĂ€hlen etwa Frankreich, Spanien und Italien.
FĂŒr LĂ€nder wie Deutschland oder die baltischen Staaten wĂ€re der Vorschlag hingegen kein Problem gewesen, weil sie im VerhĂ€ltnis zum BIP zuletzt einen relativ hohen Anteil an den MilitĂ€rhilfen der Nato-Staaten hatten. Zuletzt waren in der Bundesrepublik fĂŒr das laufende Jahr mehr als sieben Milliarden Euro eingeplant.
Druck auf LĂ€nder mit vergleichsweise geringen MilitĂ€rhilfen sollen nun regelmĂ€Ăige Berichte ĂŒber die Anstrengungen der Alliierten ausĂŒben. Sie werden den Planungen zufolge zweimal im Jahr erstellt.
Zu den LĂ€ndern, die keine mehrjĂ€hrige Zusage machen wollten, zĂ€hlten nach Angaben aus BĂŒndniskreisen insbesondere auch die USA. Dort ist die Ukraine-UnterstĂŒtzung derzeit auch ein Thema im PrĂ€sidentschaftswahlkampf zwischen Amtsinhaber Joe Biden und Herausforderer und Ex-PrĂ€sident Donald Trump. Trump behauptete zuletzt, den Krieg in der Ukraine innerhalb von 24 Stunden stoppen zu können.
Plan fĂŒr Koordinierungseinsatz und Sondergesandten steht
Etwas einfacher als die Diskussionen ums Geld verlaufen vor dem Gipfel bislang die Vorbereitungen fĂŒr ein Paket mit praktischer UnterstĂŒtzung fĂŒr die von Russland angegriffene Ukraine. So ist bereits nahezu sicher, dass die Nato beim Gipfel einen neuen Einsatz zur Koordinierung von Waffenlieferungen und AusbildungsaktivitĂ€ten fĂŒr die ukrainischen StreitkrĂ€fte starten wird. Das Hauptquartier dafĂŒr soll in Wiesbaden in Deutschland aufgebaut werden.
Zudem wurde nach Angaben eines Sprechers beschlossen, eine Art Sonderbeauftragten in die ukrainische Hauptstadt Kiew zu entsenden. Der ranghohe Beamte soll dort vor Ort die politische und praktische UnterstĂŒtzung des BĂŒndnisses steuern.
Die Nato hat bereits seit knapp einem Jahrzehnt eine offizielle Vertretung in Kiew, die auch ein seit Ende der 90er Jahre existierendes VerbindungsbĂŒro und ein Informations- und Dokumentationszentrum steuert. Sie kĂŒmmert sich unter anderem um Kontakte mit ukrainischen Ministerien und Behörden und soll den politischen Dialog und die praktische Zusammenarbeit zwischen der Nato fördern.
Projekt fĂŒr das Szenario Trump
Das Nato-Projekt zur Koordinierung von Waffenlieferungen und AusbildungsaktivitĂ€ten gilt auch als Vorkehrung fĂŒr den Fall einer möglichen RĂŒckkehr von Trump ins US-PrĂ€sidentenamt ab Januar 2025. ĂuĂerungen des Republikaners hatten in der Vergangenheit Zweifel daran geweckt, ob die USA die Ukraine unter seiner FĂŒhrung weiter so wie bisher im Abwehrkrieg gegen Russland unterstĂŒtzen werden. Im BĂŒndnis wird befĂŒrchtet, dass von einem politischen Kurswechsel in Washington auch die bislang US-gefĂŒhrte Koordinierung von Waffenlieferungen und AusbildungsaktivitĂ€ten fĂŒr die ukrainischen StreitkrĂ€fte betroffen sein könnte.
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