Nahost, Israel

Netanjahu blockiert unabhÀngige Untersuchung zum 7. Oktober

22.12.2025 - 11:33:07

Warum stĂ¶ĂŸt der Regierungsvorschlag zur Untersuchung des Massakers am 7. Oktober auf heftigen Widerstand? Angehörige fordern lĂŒckenlose AufklĂ€rung, doch die Regierung setzt auf ihre eigene Kommission.

  • Der israelische OppositionsfĂŒhrer Jair Lapid. (Archivbild) - Foto: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa

    Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpa

  • Gedenktafeln stehen auf dem GelĂ€nde der Nova Festival Memorial GedenkstĂ€tte. (Archivbild) - Foto: Elisa Schu/

    Elisa Schu/

Der israelische OppositionsfĂŒhrer Jair Lapid. (Archivbild) - Foto: Evelyn Hockstein/Pool Reuters/AP/dpaGedenktafeln stehen auf dem GelĂ€nde der Nova Festival Memorial GedenkstĂ€tte. (Archivbild) - Foto: Elisa Schu/

Mehr als zwei Jahre nach dem beispiellosen Massaker der islamistischen Terrororganisation Hamas und anderer Extremistengruppen in Israel verweigert der MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu weiterhin eine unabhĂ€ngige Untersuchung der VorfĂ€lle. Statt der Einrichtung einer staatlichen Untersuchungskommission befĂŒrwortet der 76-JĂ€hrige die Ernennung einer Regierungskommission. 

Ein zustĂ€ndiger Ministerausschuss billigte einen entsprechenden Gesetzesentwurf eines Abgeordneten der rechtskonservativen Regierungspartei Likud, wie das Nachrichtenportal «ynet» berichtete. Am Mittwoch sei eine vorlĂ€ufige Abstimmung darĂŒber im Parlament vorgesehen. 

Kritik von Experten, Opposition und Angehörigen

Der Schritt wird von Experten, Opposition und Angehörigen ehemaliger Geiseln und Todesopfer des 7. Oktober scharf als Vertuschungsversuch kritisiert. Kritiker werfen Netanjahu und seiner Koalition vor, keine persönliche Verantwortung fĂŒr das politische und militĂ€rische Versagen wĂ€hrend des Hamas-TerrorĂŒberfalls zu ĂŒbernehmen.

GeneralstaatsanwÀltin Gali Baharav-Miara erklÀrte in einer Stellungnahme, der vorgeschlagene Gesetzentwurf sei «voller erheblicher MÀngel», die es den Ermittlern unmöglich machten, den Geschehnissen vom 7. Oktober 2023 auf den Grund zu gehen und daraus belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen.

Ihrer Ansicht nach stellt der Vorschlag der Regierung politische ErwĂ€gungen ĂŒber die GrundsĂ€tze einer unabhĂ€ngigen und professionellen Untersuchung. Zudem erfĂŒlle der Gesetzentwurf in seiner derzeitigen Fassung nicht die Voraussetzungen fĂŒr einen wirksamen und glaubwĂŒrdigen Bericht.

Netanjahu hatte dagegen argumentiert, eine staatliche Untersuchungskommission genieße nicht die UnterstĂŒtzung einer breiten Öffentlichkeit. 

OppositionsfĂŒhrer: Klarer Interessenkonflikt

Der israelische OppositionsfĂŒhrer Jair Lapid kritisierte, es gebe «keinen klareren und schwerwiegenderen Interessenkonflikt als den des Regierungschefs vom 7. Oktober und seiner Minister». Eine staatliche Untersuchungskommission mĂŒsse eingesetzt werden, «wenn nicht jetzt, dann in der ersten Woche unserer Regierung», sagte er mit Blick auf Neuwahlen im kommenden Jahr. 

Angehörige fordern unabhÀngige AufklÀrung

Jonathan Polin, der Vater von Hersh Goldberg-Polin, der in der Gefangenschaft der Hamas ermordet wurde, hat nach Angaben von «ynet» eine unabhĂ€ngige Untersuchung gefordert. In einer Demokratie könnten staatliche und politische EntscheidungstrĂ€ger sich nicht selbst untersuchen, erklĂ€rte er. Dies geschehe nur in LĂ€ndern, in denen FĂŒhrungskrĂ€fte «vor etwas Angst haben». Er sagte zudem: «Ich unterstĂŒtze die Einsetzung einer staatlichen Untersuchungskommission nicht, um jemanden zu bestrafen, und nicht, weil sie mir meinen einzigen Sohn zurĂŒckbringen wĂŒrde.» Es gehe vielmehr darum, dass «nichts von dem, was meinem Sohn widerfahren ist, jemals wieder geschehen darf». 

Bei dem Massaker am 7. Oktober 2023 wurden rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 weitere in den Gazastreifen verschleppt. Der Überfall gilt als Auslöser des zweijĂ€hrigen Gaza-Kriegs. Seit Beginn des Kriegs sind nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 70.000 PalĂ€stinenser im Gazastreifen getötet worden.

@ dpa.de