Neukaledonien-Krise, Macron

Neukaledonien-Krise: Macron hĂ€lt strittige Reform zurĂŒck

23.05.2024 - 17:47:36

Schwere Unruhen erschĂŒttern Frankreichs Überseegebiet Neukaledonien. PrĂ€sident Macron drĂŒckt bei einem umstrittenen Vorhaben nun auf die Pausetaste - und stellt Forderungen.

Angesichts der schweren Unruhen im französischen Überseegebiet Neukaledonien will Frankreichs PrĂ€sident Emmanuel Macron eine umstrittene Reform zunĂ€chst zurĂŒckhalten. Die von Paris geplante VerfassungsĂ€nderung sollte Tausenden französischstĂ€mmigen Bewohnern der Inselgruppe im SĂŒdpazifik das Wahlrecht einrĂ€umen und hatte Proteste ausgelöst.

«Ich habe mich dazu verpflichtet, dass diese Reform derzeit im aktuellen Kontext nicht in Kraft tritt», sagte Macron nach langen GesprÀchen mit politischen Verantwortlichen in der Inselhauptstadt Nouméa. Man wolle sich einige Wochen Zeit geben, damit die Situation sich beruhige und politische GesprÀche wieder aufgenommen werden könnten. Die Reform sei politisch aber legitim.

Macron forderte von den politischen KrĂ€ften vor Ort, in den kommenden Stunden und Tagen zu einem Ende der Blockaden aufzurufen. «Der Weg in die Zukunft ist von der Glut blockiert.» Anschließend solle der aktuell geltende Ausnahmezustand aufgehoben werden und der politische Dialog wieder beginnen. In einem Monat wolle er dann erneut auf die Situation schauen und Entscheidungen treffen.

Neukaledonien fĂŒr Frankreich geopolitisch von Bedeutung

Im Kern dreht sich der Konflikt um das VerhĂ€ltnis des etwa 1500 Kilometer östlich von Australien gelegenen Archipels zu Frankreich. Die Inselgruppe genießt weitgehende Autonomie. Bei drei Volksabstimmungen 2018, 2020 und 2021 stimmten die Bewohner der ehemaligen französischen Kolonie fĂŒr einen Verbleib bei Frankreich. Seit dem letzten, von den Separatisten boykottierten Votum, stocken jedoch die GesprĂ€che ĂŒber einen neuen Status. Eigentlich sollte dieser bereits bis zum vergangenen Juni gefunden sein. FĂŒr Frankreich ist Neukaledonien vor allem militĂ€risch und geopolitisch sowie wegen großer Nickelvorkommen von Bedeutung.

Macron betonte nun, sein Ziel sei es, dass eine umfassende Einigung ĂŒber die WĂ€hlerschaft, die StaatsbĂŒrgerschaft, einen neuen Sozialvertrag, die KrĂ€fteverteilung und die wirtschaftliche Zukunft gefunden werden solle. Es mĂŒsse nun Vertrauen zwischen den Dialogpartnern wiedergefunden werden. Derzeit gebe es keine gemeinsame Zukunftsvision zwischen Loyalisten und UnabhĂ€ngigkeitsbefĂŒrwortern auf der Inselgruppe. Der Staatschef mahnte: «Unsere kollektive Verantwortung ist immens.»

Bei den Krawallen, die vor mehr als einer Woche begannen, wurden zahlreiche GeschĂ€fte zerstört und geplĂŒndert. Der Flughafen von NoumĂ©a ist weiterhin fĂŒr alle kommerziellen FlĂŒge geschlossen. Frankreich entsandte zusĂ€tzliche SicherheitskrĂ€fte auf die Inselgruppe. Diese wĂŒrden so lange wie nötig in Neukaledonien bleiben, sagte Macron. Inzwischen hat sich die Lage etwas beruhigt. Der Sender 1Ăšre Nouvelle-CalĂ©donie zitierte aber einen Lokalpolitiker mit den Worten, dass sich die Situation auch jederzeit wieder verschlimmern könne. «Es herrscht ein unbeschreibliches Chaos», sagte er.

@ dpa.de