Bericht, TĂŒrkei

Bericht: TĂŒrkei zielt auf zivile Infrastruktur in Nordsyrien

09.02.2024 - 14:30:04

Nicht nur im Gazastreifen, auch im Nordosten Syriens verschĂ€rft sich eine Krise. Das jedenfalls befĂŒrchtet Human Rights Watch.

Menschenrechtler haben der TĂŒrkei vorgeworfen, sie habe bei Angriffen auf kurdische Stellungen verheerende SchĂ€den an der kritischen Infrastruktur im Nordosten Syriens angerichtet.

«WĂ€hrend die Aufmerksamkeit der Welt weiterhin auf den verheerenden Konflikt in Gaza gerichtet ist, verschĂ€rft sich im Nordosten Syriens unter dem Radar eine weitere Krise», teilte Human Rights Watch (HRW) mit. Die TĂŒrkei ziele dort aus der Luft und mit Drohnen auf die Lebensgrundlagen der Menschen. «VorsĂ€tzliche Angriffe auf zivile Infrastruktur sind ein Kriegsverbrechen», warnten die Menschenrechtler.

Die TĂŒrkei gibt an, keine zivilen Ziele anzugreifen. Die von der Kurdenmiliz YPG angefĂŒhrten Syrischen Demokratischen KrĂ€fte (SDF) und Organisationen vor Ort widersprechen dem.

Angriffe seit mehreren Monaten

Gemeinden im Nordosten Syriens seien von Strom, medizinischer Versorgung und anderen lebenswichtigen Dienstleistungen getrennt, hieß es in dem HRW-Bericht weiter. Im Oktober vergangenen Jahres habe Ankara etwa Wasser- und ElektrizitĂ€tswerke sowie eine Ölanlage angegriffen. KrankenhĂ€user, BĂ€ckereien und Wasserversorgungsanlagen seien wegen der tĂŒrkischen Angriffe nicht mehr in Betrieb.

Auch Farhad Schami, Sprecher der SDF in Syrien, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die TrĂŒkei versuche, die Infrastruktur der Region zu treffen. Die derzeitigen Angriffe dauerten seit zwei Monaten an.

Alle Angaben ließen sich zunĂ€chst nicht unabhĂ€ngig ĂŒberprĂŒfen.

Ankara geht regelmĂ€ĂŸig in MilitĂ€reinsĂ€tzen gegen die kurdische Arbeiterpartei PKK und die syrische Kurdenmiliz YPG vor. Der Konflikt verlagerte sich nach Angaben der International Crisis Group seit 2019 von der TĂŒrkei in den Nordirak und nach Nordsyrien, nachdem das MilitĂ€r die PKK-KĂ€mpfer immer weiter zurĂŒckgedrĂ€ngt hatte. Die TĂŒrkei verstĂ€rkte ihre militĂ€rischen EinsĂ€tze, nachdem im Januar mehrere tĂŒrkische Soldaten bei einem Angriff auf einen tĂŒrkischen MilitĂ€rstĂŒtzpunkt im Nordirak getötet worden waren.

Der tĂŒrkische PrĂ€sident Recep Tayyip Erdogan attackiert Israel immer wieder scharf wegen des Gaza-Kriegs infolge des Hamas-Massakers am 7. Oktober in Israel. Er beschuldigte das Land auch des Genozids an den PalĂ€stinensern. Kritiker werfen Erdogan wegen der tĂŒrkischen Angriffe in Syrien und Irak Doppelmoral vor.

@ dpa.de