USA und Iran verhandeln: Was jetzt auf dem Spiel steht
06.02.2026 - 04:30:09Nach intensiver Vermittlung regionaler Staaten haben sich Vertreter aus den USA und dem Iran zu neuen Verhandlungen im Golfstaat Oman getroffen. Beide Seiten gingen mit deutlich unterschiedlichen Positionen in die GesprĂ€che in der Hauptstadt Maskat, die vor dem Hintergrund von Sorgen vor einem neuen Krieg stehen. Nach der ersten Runde spricht Irans AuĂenminister Abbas Araghtschi von einem guten Anfang. Doch noch ist offen, wie es nun weitergeht.Â
Antworten auf zentrale Fragen:
Warum verhandeln beide Seiten plötzlich?
Die neue Verhandlungsrunde zwischen Washington und Teheran hat viele Experten und auch Menschen im Iran zunĂ€chst ĂŒberrascht. Auf dem Höhepunkt der iranischen Proteste gegen die autoritĂ€re StaatsfĂŒhrung hatte US-PrĂ€sident Donald Trump den Demonstranten signalisiert: Ich stehe an eurer Seite. Mitte vergangenen Monats sprach sich Trump zudem fĂŒr einen Machtwechsel im Iran aus und begann, das amerikanische MilitĂ€r in der Region aufzustocken.Â
Plötzlich signalisierte Trump jedoch seine Bereitschaft zu Verhandlungen. Ein Grund dafĂŒr dĂŒrfte die Krisendiplomatie regionaler Staaten wie Saudi-Arabien, Katar und der TĂŒrkei sein, die ein pragmatisches VerhĂ€ltnis mit Teheran pflegen und eine militĂ€rische Eskalation mit gravierenden Auswirkungen auf ihre LĂ€nder fĂŒrchten.
Welche Interessen verfolgt Trump?
Der US-PrĂ€sident hat seine Ziele im Iran bislang nicht klar benannt. Die massive militĂ€rische VerstĂ€rkung signalisiert einerseits, dass sich die USA wohl ernsthaft fĂŒr einen Konflikt mit Teheran rĂŒsten. Gepaart mit wiederholten ĂuĂerungen zu einem möglichen militĂ€rischen Eingreifen seines Landes baute Trump dadurch auch eine Drohkulisse auf.Â
Von der ist er bis heute nicht abgerĂŒckt - auch wenn er inzwischen davon spricht, dass der Iran einen Deal wolle. Seine Botschaft an Teheran lautet nun: Ein Deal ist eure Chance. Schlagt ihr sie aus, riskiert ihr, dass wir euch angreifen. Mithilfe der militĂ€rischen Drohkulisse erhöht Trump dabei den Druck auf den Iran, sich seinen Forderungen zu beugen. Er verlangt unter anderem, die Reichweite von ballistischen Raketen zu begrenzen und vollstĂ€ndig auf eine heimische Urananreicherung zu verzichten.
In seiner Verhandlungsposition sieht sich Trump auch durch den US-Angriff auf Venezuela gestĂ€rkt, der zur Gefangennahme des autoritĂ€ren Staatschefs NicolĂĄs Maduro fĂŒhrte. Tenor seiner Botschaft Richtung Iran: In Venezuela habt ihr gesehen, wozu wir in der Lage sind.
Worum geht es bei den GesprÀchen?
Im Fokus der GesprĂ€che steht das umstrittene iranische Atomprogramm. Trump und der Westen wollen verhindern, dass die Islamische Republik an Atomwaffen gelangt. WĂ€hrend Teheran beteuert, sein Nuklearprogramm nur zivil zu nutzen, ist die StaatsfĂŒhrung zu Kompromissen bei der EinschrĂ€nkung bereit.
Teheran hat jedoch nach auĂen gleich mehrere rote Linien definiert. Die Industrie zur Urananreicherung wolle man nicht vollstĂ€ndig aufgeben, nicht verhandelbar seien auĂerdem Fragen zum Raketenprogramm. Die Vermittlerstaaten dĂŒrften vor allem ihren Einfluss nutzen, um einen groĂen regionalen Krieg abzuwenden.Â
Wann und ob die GesprĂ€che fortgesetzt werden, war am Freitag zunĂ€chst nicht klar. «Es war ein guter Anfang», sagte AuĂenminister Araghtschi nach den indirekten Verhandlungen. AuĂenamtssprecher Ismail Baghai schrieb auf der Plattform X, die Entscheidung ĂŒber weitere Verhandlungsrunden werde «in Abstimmung mit den jeweiligen HauptstĂ€dten» entschieden.
Was will Irans StaatsfĂŒhrung erreichen?
Die iranische Regierung hatte bereits bei den letzten Verhandlungen mit den USA eine Aufhebung der harten Wirtschaftssanktionen als Ziel formuliert. Die StrafmaĂnahmen haben das Land vom internationalen Finanzmarkt weitgehend abgeschottet und Investoren abgeschreckt. Sie gelten als wichtiger Grund fĂŒr die katastrophale Wirtschaftslage, die die Mittelschicht ausgehöhlt und Teile der Bevölkerung an den Rand der Armut gedrĂ€ngt hat.
Dieses Mal dĂŒrfte es jedoch um deutlich mehr gehen. «Es ist Zeit, nach einer neuen FĂŒhrung im Iran zu suchen», sagte Trump Mitte Januar dem Nachrichtenportal «Politico». Seit Wochen prĂ€gen im Iran Kriegssorgen die Schlagzeilen. Nach auĂen demonstrieren Regierung und MilitĂ€r zwar Geschlossenheit und Bereitschaft zur militĂ€rischen Eskalation. Hinter den Kulissen dĂŒrfte die StaatsfĂŒhrung jedoch um ihre Existenz fĂŒrchten.
Wie ordnen Fachleute die Verhandlungen ein?
Der Nahost-Experte Daniel Gerlach sagte vor ein paar Tagen in der ARD-Sendung «Caren Miosga», er gehe davon aus, dass der Iran versuchen werde, das Atomprogramm in den Vordergrund zu stellen. Zwar behaupte der Iran, es gebe nur ein ziviles Atomprogramm und kein militÀrisches, das sei aber eine Verhandlungstaktik. Der Iran denke, er könne die Oberhand gewinnen, indem er Trump in einen Verhandlungsmarathon ziehe. Dadurch gewinne man Zeit.
Es gebe dabei vonseiten der USA einen Zielkonflikt. Man wolle die militĂ€rischen KapazitĂ€ten des Iran einschrĂ€nken und das Atomprogramm stoppen sowie den Menschen im Iran helfen und einen Machtwechsel herbeifĂŒhren. «Wenn man auf der einen Seite mit dem Regime Verhandlungen eingeht, kann man nicht sagen, man wolle es ja eigentlich stĂŒrzen», sagte Gerlach. Auch die Staaten in der Region wie Katar, Saudi-Arabien und die TĂŒrkei spielten eine groĂe Rolle. Diese hĂ€tten zwar ein Interesse an einer militĂ€rischen SchwĂ€chung Irans, wollten aber die StaatsfĂŒhrung nicht stĂŒrzen.
Ein iranischer Professor im Ruhestand glaubt, die Regierung sei anders als in ihren öffentlichen ĂuĂerungen zu groĂen Kompromissen bereit. «Ich bin mir sicher, dass der Iran alle US-Forderungen akzeptieren wird», sagte der Insider. Im Gegenzug könne die StaatsfĂŒhrung seiner EinschĂ€tzung nach die Freigabe eingefrorener Konten mit mehreren Milliarden Dollar im Golfstaat Katar verlangen.
Was denken Menschen im Iran ĂŒber Verhandlungen mit den USA?
Inzwischen sind die Massenproteste von Anfang Januar zwar verstummt, doch das Trauma des brutalen staatlichen Vorgehens gegen die Demonstrationen sitzt noch tief. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA hat nach eigenen Angaben den Tod von mindestens 6.400 Demonstranten verifiziert.
Trump, der den Demonstranten auf dem Höhepunkt der AufstĂ€nde seine UnterstĂŒtzung zugesagt hatte, stöĂt mit seiner Bereitschaft zu Verhandlungen im Iran auch auf Ablehnung. «Das Blut der jungen Menschen, das vergossen wurde, darf nicht mit FĂŒĂen getreten werden», sagt etwa Fatemeh (24), eine junge Buchhalterin aus der Hauptstadt Teheran. Sie sei gegen Verhandlungen. In ihrer Wut auf die Antwort des Staatsapparats auf die Proteste gibt ihr nur der Gedanke auf Zerstörung Hoffnung.
Moslem (36), Lehrer, bezweifelt ein schnelles Ergebnis. Insgeheim hofft auch er auf eine Eskalation. «NatĂŒrlich besteht nach dem Scheitern der Verhandlungen noch Hoffnung auf den Beginn eines Krieges», sagt er mit Blick auf mögliche Attacken gegen Irans StaatsfĂŒhrung. Madschid (45), Leiter eines Transportunternehmens, sagt: «Die Regierung gibt aus Angst vor Krieg und Zerstörung alles her, um zu ĂŒberleben.»Â
Mohammed (29), Angestellter und AnhĂ€nger der Regierung, begrĂŒĂt die neuen Verhandlungen hingegen. «Die Erfahrung hat gezeigt, dass es kaum ein Land gibt, das ohne internationale Interaktion wirtschaftliches Wachstum erreichen konnte», sagt er. Deshalb sei er fĂŒr ein Abkommen mit den USA, «aber nicht dafĂŒr, dass wir nur ZugestĂ€ndnisse machen».













