RĂ€tsel um erschossenen Moskauer Minister - Putin feuerte ihn
07.07.2025 - 18:21:36Wenige Stunden nach seiner Entlassung durch Kremlchef Wladimir Putin ist Russlands Verkehrsminister Roman Starowoit mit einer Schusswunde in der SchlĂ€fe nahe seinem Wohnort gefunden worden. «Die UmstĂ€nde des Vorfalls werden derzeit ermittelt. Die Hauptversion ist Selbstmord», sagte die Sprecherin der Ermittlungsbehörde, Swetlana Petrenko. Nach ihren Angaben wurde die Leiche des 53-JĂ€hrigen in dessen Privatauto gefunden.Â
Der kremlnahe Telegram-Kanal «Shot» mit mehr als einer Million Abonnenten zeigte aber am frĂŒhen Abend Videos, wie Ermittler Starowoits Leiche nicht aus dem Wagen ziehen, sondern aus einem GebĂŒsch tragen. Zu sehen ist zudem ein Tesla, den der Minister privat gefahren haben soll. Auch seine Assistentin ist auf Videos zu sehen, sie soll seine Geliebte gewesen sein und den Familienvater identifiziert haben.
Viele Fragen und ein zweiter Todesfall im Ministerium
Zuvor hatten zahlreiche russische Medien berichtet, dass sich der Politiker an seinem Wohnort Odinzowo im Moskauer Gebiet erschossen haben soll. Die Pistole soll neben ihm gelegen haben.Â
Mehrere Blogger bezweifelten die offizielle Version des Ermittlungskomitees und meinten, dass der Fall viele Fragen aufwerfe. FĂŒr verschiedene Berichte, nach denen sich der Minister noch im Amt bereits am Wochenende das Leben genommen haben soll, gab es zunĂ€chst keine offizielle BestĂ€tigung.Â
Mehrere Medien berichteten ĂŒberdies von einem weiteren rĂ€tselhaften Todesfall im Verkehrsministerium am Montag. Ein namentlich vielfach genannter ranghoher Beamter im Alter von 42 Jahren soll dort bei einer Sitzung gestorben sein. Die Rede ist von einem Herzstillstand â eine offizielle BestĂ€tigung dafĂŒr gab es zunĂ€chst nicht.
Spekulationen um Machtspiele und Mord
Kommentatoren in politischen Telegram-KanĂ€len spekulierten, dass Starowoit im Zuge von Machtspielen auch erschossen oder zum Selbstmord gedrĂ€ngt worden sein könnte. Andere FĂ€lle von strafrechtlicher Verfolgung von Ministern oder ranghohen Beamten hĂ€tten in der Vergangenheit gezeigt, dass auch eine Verurteilung zu einer Haftstrafe kein Grund dafĂŒr sei, sich das Leben zu nehmen, weil die Haftbedingungen fĂŒr solche Angehörige des Machtapparats komfortabel seien und die Strafen auch nicht bis zu Ende abgesessen wĂŒrden, hieĂ es.
In dem am Montag in Moskau veröffentlichten Dekret Putins zur Entlassung des Politikers stehen keine GrĂŒnde, warum der erst im Mai vorigen Jahres beförderte frĂŒhere Gouverneur des westrussischen Gebiets Kursk seinen Posten schon wieder rĂ€umen musste. Auch Kremlsprecher Dmitri Peskow Ă€uĂerte sich nicht zu den GrĂŒnden. Die bisweilen verwendete Formulierung von einem Vertrauensverlust fehlte in dem Dekret, wie Peskow bestĂ€tigte.Â
Zum geschĂ€ftsfĂŒhrenden Verkehrsminister wurde Andrej Nikitin ernannt, der bisher Starowoits Stellvertreter war.
In Skandal um fehlenden Grenzschutz in Kursk verwickelt?
Unklar war, warum sich Starowoit das Leben genommen haben könnte. Dem Politiker der Kremlpartei Geeintes Russland hĂ€tten laut Medien VersĂ€umnisse angelastet werden können aus seiner Zeit als Gouverneur des Gebiets Kursk, in dem ukrainische Truppen im August vorigen Jahres Dutzende Ortschaften eingenommen hatten.Â
Starowoits Nachfolger als Gouverneur, Alexej Smirnow, ist wegen angeblichen Betrugs festgenommen worden. Smirnow wurde im Mai 2024 Gouverneur von Kursk. Nach dem Eindringen ukrainischer Truppen in das Gebiet musste er im Dezember 2024 zurĂŒcktreten.Â
Bei dem Verfahren gegen Smirnow geht es darum, dass Gelder fĂŒr den Bau von Befestigungsanlagen an der Grenze zur Ukraine nicht entsprechend ausgegeben worden sein sollen. Dass die ukrainischen Truppen dort im August scheinbar ohne Probleme einmarschieren konnten, hatte russlandweit Entsetzen und kritische Fragen ausgelöst.Â
Auch andere GrĂŒnde fĂŒr Entlassung vermutet
Diese Befestigungslinien wurden angeblich bereits ab 2022 kurz nach Beginn des von Putin befohlenen Angriffskriegs gegen die Ukraine gebaut. Als Gouverneur hatte Starowoit die Fertigstellung dieser Anlagen bereits nach oben gemeldet. Dann kam es zum Einmarsch der ukrainischen Truppen.
Von Ermittlungen gegen Starowoit ist zwar nichts bekannt. Allerdings berichteten Medien in Moskau, dass er selbst ins Visier der Fahnder geraten sein könnte. Demnach hÀtten ihm bis zu 20 Jahre Haft drohen können bei einer Verurteilung wegen Veruntreuung von Geldern beim Bau der Grenzschutzanlagen.
Russische Kommentatoren nannten als möglichen Grund fĂŒr die Entlassung auch das Chaos auf den russischen FlughĂ€fen. Wegen der hĂ€ufigen ukrainischen Drohnenangriffe fielen zuletzt mitten in den Ferien Hunderte FlĂŒge aus. Passagiere saĂen bisweilen zu Tausenden fest, weil keine Starts und Landungen möglich sind. Die russische Zeitung «Kommersant» berichtete am Montag von hohen finanziellen Verlusten in der Luftfahrtbranche.





