Terroranschlag: Moskau beharrt auf ukrainischer Verwicklung
29.03.2024 - 20:17:16Trotz mehrerer Bekenntnisse der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag auf eine Konzerthalle bei Moskau vor einer Woche beharren russische Behörden weiter auf einer angeblichen Verwicklung der Ukraine.
Die TatverdÀchtigen hÀtten ausgesagt, dass sie per Sprachnachrichten auf Telegram Anweisungen von einem Unbekannten erhalten hÀtten, teilte das russische Ermittlungskomitee mit. Dieser «Koordinator» habe die Terroristen nach dem Anschlag in Richtung der ukrainischen Grenze gelenkt und ihnen eine Belohnung in Aussicht gestellt, die sie demnach in der ukrainischen Hauptstadt Kiew erhalten sollten, hieà es weiter.
UnabhÀngige russische Medien wiesen darauf hin, dass die festgenommenen MÀnner vor einigen Tagen teils schwer verletzt im Gerichtssaal auftauchten und höchstwahrscheinlich von russischen SicherheitskrÀften gefoltert worden waren. Auch russische Menschenrechtler haben sich entsetzt gezeigt und darauf hingewiesen, dass unter Folter erzwungene GestÀndnisse kaum einen Wert hÀtten.
Ukraine weist Verwicklung zurĂŒck
Die Ukraine weist eine Verwicklung in den Anschlag zurĂŒck. Am Donnerstag hatte das zentrale russische Ermittlungskomitee mitgeteilt, dass bei den VerdĂ€chtigen angeblich GerĂ€tschaften sichergestellt worden seien, die eine Verbindung zu ukrainischen Nationalisten belegen sollen. Demnach soll gesicherter Datenverkehr zeigen, dass Geld geflossen sei an die MĂ€nner.
Festnahmen in Tadschikistan
Derweil gab es auch in der zentralasiatischen Republik Tadschikistan Festnahmen. In einem Vorort der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe seien neun MÀnner festgenommen worden, die Verbindungen zu den in Moskau inhaftierten Terroristen gehabt hÀtten, meldete die Staatsagentur Ria Nowosti. An der Festnahme waren demnach auch russische EinsatzkrÀfte beteiligt. Die Agentur berief sich auf eigene Kontakte zu Sicherheitskreisen. Indes erhöhte sich die Zahl der Toten auf 144, die der Verletzten auf 382, wie russische Behörden mitteilten.
Nach dem Anschlag vom Freitag voriger Woche hatten der russische PrĂ€sident Wladimir Putin und sein tadschikischer Kollege Emomali Rachmon bei einem Telefonat laut Kreml eine engere Zusammenarbeit im Anti-Terror-Kampf vereinbart. Rachmon verurteilte den Anschlag und sagte, dass Terror keine NationalitĂ€t und keine Religion habe. Tadschikistan, das an Afghanistan grenzt, gilt als RĂŒckzugsort fĂŒr islamistische Terroristen. Bekannt hatte sich die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu dem Anschlag. Laut russischen Staatsmedien hatten die mutmaĂlichen TodesschĂŒtzen tadschikische PĂ€sse bei sich.
Vier MĂ€nner in Untersuchungshaft
Vier MĂ€nner, die in der Crocus City Hall geschossen und BrĂ€nde gelegt haben sollen, sind nach Angaben russischer Ermittler in Untersuchungshaft. Daneben gab es weitere Festnahmen und Haftbefehle, deren Gesamtzahl bei inzwischen rund 20 liegen dĂŒrfte.
In einem von russischen Staatsmedien gezeigten Videoclip sagte einer der mutmaĂlichen TĂ€ter, er habe umgerechnet 5000 Euro versprochen bekommen fĂŒr die Tat. Die HĂ€lfte habe er vorab auf seine Geldkarte ĂŒberwiesen bekommen, er wisse aber nicht von wem. Die Echtheit des Videos konnte nicht ĂŒberprĂŒft werden.


