Taiwans PrÀsident erinnert an Tian'anmen-Massaker
04.06.2024 - 07:48:14Taiwans PrĂ€sident Lai Ching-te hat der Opfer der 1989 blutig niedergeschlagenen Demokratieproteste auf dem Pekinger Tian'anmen-Platz gedacht und Chinas Umgang damit kritisiert. «Ein wirklich respektables Land ist eines, das seinen BĂŒrgern erlaubt, ihre Meinung zu sagen», schrieb er am Dienstag auf Facebook. Jede politische Macht solle den Mut haben, sich der Stimme des Volkes zu stellen, hieĂ es darin.Â
Vor 35 Jahren schlug die Volksbefreiungsarmee in der Nacht vom 3. auf den 4. Juni wochenlange, friedliche Proteste gegen die Regierung und fĂŒr mehr Demokratie in Peking nieder. Um den Platz des Himmlischen Friedens (Tian'anmen) kamen damals Hunderte Menschen ums Leben. Das Thema ist in China tabu. Die Erinnerung an den 4. Juni werde nicht im Strom der Geschichte untergehen und man werde weiter hart daran arbeiten, die Erinnerung daran zu bewahren, schrieb Lai.
Deutsche Botschaft setzt Zeichen
Die fĂŒr China-Angelegenheiten zustĂ€ndige Behörde Taiwans (MAC) forderte Chinas Regierung auf, den Mut zu haben, die geschichtlichen Fakten des 4. Junis anzuerkennen und eine offenere Haltung anderen Meinungen gegenĂŒber einzunehmen.
Die deutsche Botschaft in Peking zeigte in der Nacht zum Dienstag an ihrem GebĂ€ude in mehreren Fenstern ein Video flackernder Kerzen - ein seit Jahren bekanntes Symbol der Erinnerung an den 4. Juni. Auch Menschenrechtsgruppen ĂŒbten Kritik zum Gedenken. «Die chinesische Regierung hat bis heute keine Verantwortung fĂŒr die wĂ€hrend des MilitĂ€reinsatzes begangenen Menschenrechtsverletzungen ĂŒbernommen», erklĂ€rte Jasna Causevic von der Gesellschaft fĂŒr bedrohte Völker.Â
China verbittet sich Kritik
China hat die Einmischung anderer Staaten kritisiert. «Zu den politischen Unruhen, die Ende der 1980er Jahre passierten, hat die chinesische Regierung frĂŒh eine klare Schlussfolgerung gehabt», sagte AuĂenamtssprecherin Mao Ning am Dienstag, ohne weiter auf die Ereignisse vom 4. Juni 1989 einzugehen. Peking habe es stets abgelehnt, dies als Vorwand zu nutzen, China anzugreifen und sich damit in die inneren Angelegenheiten des Landes einzumischen.Â
Festival statt Mahnwache am Gedenktag in Hongkong
In der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong hat die Polizei mit erhöhter PrÀsenz auf den Jahrestag reagiert. Hongkong war lange Zeit der einzige Ort in China, an dem der Opfer gedacht werden konnte. Seit einigen Jahren werden aber auch dort, einhergehend mit einem hÀrteren Durchgreifen Pekings, öffentliche Gedenkveranstaltungen am 4. Juni unterbunden.
Besonders rund um den Hongkonger Victoria Park, wo noch bis 2019 jĂ€hrlich eine angemeldete Kerzen-Mahnwache stattfand, patrouillierten am Dienstag Sicherheitsbeamte. Die SportplĂ€tze des Parks, wo sich in frĂŒheren Jahren oft zehntausende Menschen versammelten, um dem Jahrestag zu gedenken, wurden fĂŒr ein Festival genutzt.


