Berlin will von USA Patriots fĂŒr Ukraine kaufen
10.07.2025 - 16:04:30Deutschland will von den USA Luftverteidigungssysteme vom Typ Patriot kaufen, um sie der Ukraine im Krieg gegen Russland zur VerfĂŒgung zu stellen. Dies kĂŒndigte Bundeskanzler Friedrich Merz bei einer internationalen Wiederaufbau-Konferenz in Rom an. Dem Vernehmen nach geht es um zwei Systeme.Â
Die Ukraine fordert vom Westen mehr Hilfe fĂŒr die Luftabwehr, um dem massiven russischen Beschuss mit Drohnen und Raketen etwas entgegenhalten zu können. Allein in der Nacht zum Donnerstag waren Kiew und Umgebung wieder Ziel von mehr als 400 Angriffen.
Merz verwies auf ein Telefonat mit US-PrĂ€sident Donald Trump. Darin habe er «ihn auch gebeten, diese Systeme zu liefern». Jetzt wird zwischen Berlin und Washington verhandelt. Wie viele Systeme Berlin kaufen will, sagte er bei einem Pressetermin nicht.Â
Deutschland hat die Ukraine bereits massiv mit Luftverteidigungssystemen unterschiedlicher Bauart unterstĂŒtzt. Die Patriots («Phased Array Tracking Radar for Intercept on Target») zĂ€hlen zu den modernsten Flugabwehrsystemen der Welt. Trump hatte schon angedeutet, zu einer Lieferung bereit zu sein.
Rubio nimmt EuropÀer in Pflicht
Auch US-AuĂenminister Marco Rubio nimmt die EuropĂ€er in die Pflicht. Mehrere LĂ€nder in Europa seien im Besitz der Patriot-Systeme, sagte Rubio nach einem GesprĂ€ch mit seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur.
Er verwies unter anderem auf Spanien und Deutschland. Es gebe weitere Möglichkeiten: «LĂ€nder, die Patriot-Systeme bestellt haben, die kurz davor stehen, Lieferungen mit diesen zu erhalten.» Es wĂ€re toll, wenn sich eines dieser LĂ€nder bereiterklĂ€ren wĂŒrde, die Lieferung stattdessen an die Ukraine zu schicken, sagte Rubio. Um welche LĂ€nder es dabei konkret geht, sagte er nicht.
Neue Milliardenhilfen fĂŒr Wiederaufbau
Im Zentrum des Treffens in Rom steht jedoch zivile Hilfe fĂŒr die Ukraine, die nach mehr als drei Jahren russischem Angriffskrieg schwer gezeichnet ist. Dabei wurden weitere Milliarden auf den Weg gebracht, auch ein neuer europĂ€ischer Fonds mit Beteiligung der Privatwirtschaft. Das Geld soll insbesondere in die Reparatur und den Neubau von Energieanlagen flieĂen, aber auch in Industriebetriebe und digitale Rechenzentren. Merz betonte, dass damit auch die Moral der Ukrainer gestĂ€rkt werden solle.
Nach Angaben aus Berlin umfasst der neue Fonds eine Milliarde Euro. Die EU-Kommission sprach von mehr als 2,3 Milliarden. Bislang wurden im Rahmen von vier Wiederaufbau-Konferenzen in den vergangenen Jahren schon mehr als 16 Milliarden Euro mobilisiert - was trotzdem bei Weitem nicht reichen wird. Die Weltbank schĂ€tzt die Gesamtkosten fĂŒr den Wiederaufbau auf mehr als 500 Milliarden. Der ukrainische MinisterprĂ€sident Denys Schmyhal nannte sogar eine Summe von 850 Milliarden.
Unmut in Italien ĂŒber Macron und Starmer
An dem zweitĂ€gigen Treffen sind etwa 60 LĂ€nder und darĂŒber hinaus internationale Organisationen sowie private Unternehmen beteiligt. Parallel gab es eine Videoschalte der militĂ€rischen «Koalition der Willigen», die von Frankreich und GroĂbritannien gefĂŒhrt wird. FĂŒr einigen Unmut sorgte in Italien, dass weder PrĂ€sident Emmanuel Macron noch Premierminister Keir Starmer persönlich nach Rom kamen.
Die beiden lieĂen sich aus London zuschalten, wo sich Macron zu einem Staatsbesuch aufhielt. Die PlĂ€ne fĂŒr eine europĂ€isch gefĂŒhrte Friedenssicherung nach einem Waffenstillstand fĂŒr die Ukraine seien fertig, versicherten sie.
Innerhalb von Stunden nach Inkrafttreten eines Waffenstillstands könnte die Friedenssicherung in Aktion treten, sagte Macron. Die Koalition bestehe aus 30 LÀndern, Hunderte Soldaten seien mobilisiert worden und ein Generalstab werde aufgebaut. Laut Starmer nahmen an den GesprÀchen auch erstmals Vertreter der US-Regierung teil. Derzeit ist ein Waffenstillstand in der Ukraine allerdings nicht absehbar.
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warb in Rom dafĂŒr, zusĂ€tzlich zur MilitĂ€rhilfe eine «Koalition zum Wiederaufbau» zu bilden. «Die Ukraine braucht Investitionen. Alles, was wir zum Schutz der Ukraine bauen, schĂŒtzt auch Sie», sagte er in seiner Rede. Vorbild soll der Marshall-Plan sein, mit dem die USA nach dem Zweiten Weltkrieg Europa halfen. Dem russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin warf er abermals vor, sein Land mit «reinem Terror» zu ĂŒberziehen. «Putin hat nur zwei VerbĂŒndete: Terror und den Winter.»Â
Merz versichert «unerschĂŒtterliche» UnterstĂŒtzung
Merz versicherte Selenskyj weitere deutsche Hilfe: «Unsere UnterstĂŒtzung fĂŒr ihr Land ist unerschĂŒtterlich.» An die Adresse Putins sagte er: «Russland muss verstehen, dass es sich militĂ€risch nicht durchsetzen wird.» Zugleich appellierte der CDU-Chef an Trump, Europa nicht im Stich zu lassen. «Bleiben Sie bei uns, und bleiben Sie bei den EuropĂ€ern. Wir stehen auf derselben Seite.» Der US-PrĂ€sident lĂ€sst immer wieder Zweifel an seiner UnterstĂŒtzung fĂŒr Kiew aufkommen - auch wenn er Putin zuletzt vorwarf, «Bullshit» zu reden.Â
Die EU will zudem ĂŒber Sanktionen den Druck auf Russland erhöhen, an den Verhandlungstisch zu kommen. Derzeit ist ein weiteres Paket an StrafmaĂnahmen in Vorbereitung - das 18. bereits. Am Mittwoch hatte Papst Leo XIV. bei einem Treffen mit Selenskyj angeboten, dass FriedensgesprĂ€che im Vatikan stattfinden könnten. Allerdings gibt es bislang keinerlei Hinweise darauf, dass dies in absehbarer Zeit geschehen könnte.Â
Neue russische Angriffe in der Nacht
Deutschland hat der Ukraine seit Kriegsbeginn im Februar 2022 direkte zivile UnterstĂŒtzung von etwa 34 Milliarden Euro und etwa 38 Milliarden Euro militĂ€rische UnterstĂŒtzung zur VerfĂŒgung gestellt. Hinzu kommt der deutsche Anteil an Hilfen der EuropĂ€ischen Union.
Nach ukrainischen Angaben flog die russische Armee in der Nacht wieder massive Angriffe mit etwa 400 Drohnen und mehr als einem Dutzend Raketen, vor allem auf die Hauptstadt Kiew und Umgebung. Dabei seien mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Ein dpa-Reporter berichtete aus Kiew von mehreren Angriffswellen. Im Zentrum der Drei-Millionen-Stadt war heftiges Flugabwehrfeuer zu hören.Â
Im russischen Grenzgebiet Belgorod wurde nach Angaben der russischen Behörden eine Frau durch ukrainischen Beschuss getötet. Die Ukraine greift als Teil ihres Abwehrkampfes auch Ziele in Russland an. Dabei gibt es immer wieder Tote und Verletzte. Die Opfer und SchÀden stehen in keinem VerhÀltnis zu den verheerenden Folgen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine.









