MutmaĂlicher Tod Prigoschins weckt Spekulationen und Trauer
24.08.2023 - 16:32:58Einen Tag nach dem mutmaĂlichen Tod des Chefs der Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, mehren sich die Spekulationen zur Ursache des Flugzeugabsturzes. So berichtete unter anderem der russische Telegram-Nachrichtenkanal Shot unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass der Absturz womöglich durch eine Bombe im Bereich des Fahrgestells ausgelöst worden sei.
Zuvor hatte der Prigoschin nahestehende Kanal Grey Zone die Nachricht verbreitet, die Maschine sei von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden. Die Autoren schrieben diesbezĂŒglich von Mord.
Russlandweite Trauerkundgebungen
Prigoschins AnhĂ€nger reagierten mit Trauer und Wut auf die Nachricht vom mutmaĂlichen Tod des 62-JĂ€hrigen. Am CafĂ© «Patriot» in St. Petersburg, das viele Einwohner der Stadt mit Prigoschin und seiner Wagner-Truppe verbinden, seien massenhaft Blumen niedergelegt worden, berichtete die Tageszeitung «Kommersant» am Donnerstag. Auch aus anderen russischen StĂ€dten wie Nowosibirsk wurde von Trauer- und Gedenkaktionen berichtet.
Am frĂŒheren Wagner-Firmensitz in St. Petersburg wurden neben Blumen auch ein Vorschlaghammer niedergelegt, teilte der Telegram-Kanal Grey Zone mit. Der Vorschlaghammer gilt als grausiges Erkennungszeichen der Wagner-Söldner, nachdem ein Video Angehörige der Gruppe zeigte, die damit einen angeblichen ĂberlĂ€ufer ermordeten.
Am Mittwochabend war Prigoschins Privatjet auf dem Flug von Moskau nach St. Petersburg im Gebiet Twer abgestĂŒrzt. Alle zehn Insassen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben. Auf der Passagierliste des Flugs stand unter anderem Prigoschins Name. Die Behörden haben den Tod des reichen und einflussreichen GeschĂ€ftsmanns allerdings offiziell noch nicht bestĂ€tigt. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung mit DNA-Abgleich soll die IdentitĂ€t der Leichen klĂ€ren.
Prigoschin ist im Zuge von Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine zu groĂer Bekanntheit in Russland gelangt. Zum einen galt er nach der Einnahme der Stadt Bachmut durch seine Wagner-Truppen nach monatelangen blutigen KĂ€mpfen als vergleichsweise erfolgreicher Armeechef vor dem Hintergrund russischer Niederlagen in Charkiw und Cherson. Zum anderen profilierte er sich mit scharfer Kritik an der eigenen MilitĂ€rfĂŒhrung, der er Inkompetenz und Korruption vorwarf. Damit lieferte er vielen einfachen Russen eine ErklĂ€rung fĂŒr den aus ihrer Sicht unbefriedigenden Kriegsverlauf.
Putin bestÀtigt indirekt Tod
Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin bestĂ€tigte unterdessen den Tod des SöldnerfĂŒhrers. Er nannte Prigoschin einen «talentierten Menschen», wie russische Agenturen am Donnerstag meldeten. «Er war ein Mensch mit einem schwierigen Schicksal, und er hat ernsthafte Fehler gemacht», sagte Putin. Zugleich habe der GeschĂ€ftsmann und SöldnerfĂŒhrer Ergebnisse erzielt - fĂŒr sich wie fĂŒr die gemeinsame Sache.
Putin formulierte vorsichtig, dass ersten Erkenntnissen zufolge am Vorabend ein Flugzeug mit Angehörigen der Privatarmee Wagner abgestĂŒrzt sei. Wagner habe einen wichtigen Beitrag in den KĂ€mpfen in der Ukraine geleistet, der nicht vergessen werde.
Putin sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er kĂŒndigte eine umfassende AufklĂ€rung des Absturzes an. Diese habe bereits begonnen, werde aber eine Zeit lang dauern, sagte er bei einem Treffen mit dem russischen Verwaltungschef von Donezk, Denis Puschilin.
Kiew dementiert Beteiligung
Ein potenzieller weiterer VerdĂ€chtigter hat bereits vorsorglich dementiert, in einen Anschlag auf Prigoschin verwickelt zu sein. Die Ukraine hat laut PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nichts mit dem möglichen Tod der Wagner-FĂŒhrung zu tun. «Alle begreifen, wer daran beteiligt ist», sagte er vor Journalisten am Donnerstag. Gleichzeitig nutze der Tod der SöldnerfĂŒhrung Kiew «im bestimmten Sinne».
Baerbock:Â Kein Zufall, dass Welt jetzt auf Kreml schaut
BundesauĂenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) ÀuĂerte VerstĂ€ndnis fĂŒr Spekulationen rund um Prigoschins mutmaĂlichen Tod. Auf offizielle russische Verlautbarungen sei «kein Verlass», sagte sie am Rande eines Treffens mit ihrem kirgisischen Amtskollegen Dscheenbek Kulubajew in Berlin. Immer wieder werde man vom Kreml belogen. «Von daher ist es kein Zufall, dass die ganze Welt auch jetzt auf den Kreml schaut, wenn ein in Ungnade gefallener Ex-Vertrauter Putins plötzlich sprichwörtlich vom Himmel fĂ€llt, zwei Monate nachdem er einen Aufstand probte.»
Man kenne dieses Muster, sagte Baerbock und erwĂ€hnte «TodesfĂ€lle und dubiose Selbstmorde, FensterabstĂŒrze, die alle letztendlich unaufgeklĂ€rt bleiben». Die GrĂŒnen-Politikerin nannte es wichtig, «nicht auf irgendwelche Behauptungen, Fake News oder Versprechungen des russischen PrĂ€sidenten» zu vertrauen, sondern die Ukraine in ihrem Recht auf Selbstverteidigung zu unterstĂŒtzen «mit allem, was wir haben».
Litauen: Prigoschins Schicksal Àndert wenig an Sicherheitslage
Auch Litauens StaatsprĂ€sident Gitanas Nauseda verdĂ€chtigte den Kreml, Prigoschin ausgeschaltet zu haben. «Das zeigt, dass das Regime in die nĂ€chste Phase eintritt und diese Leute, wie man sie auch nennen mag, bereits gegeneinander kĂ€mpfen», sagte er litauischen Medienberichten zufolge bei einem Besuch in der Ukraine. Das habe aber keinen Einfluss auf die Sicherheitslage. «Der Tod von Prigoschin, wenn er tatsĂ€chlich bestĂ€tigt wird, Ă€ndert wenig», sagte er.Â















