Jewgeni Prigoschin, Wladimir Putin

Mutmaßlicher Tod Prigoschins weckt Spekulationen und Trauer

24.08.2023 - 16:32:58

Offiziell gibt es bislang keine BestĂ€tigung fĂŒr den Tod des SöldnerfĂŒhrers. Prigoschins AnhĂ€nger sind dennoch von einem Anschlag ĂŒberzeugt und trauern. Auch im Ausland wird der Kreml verdĂ€chtigt.

  • Die Behörden bestĂ€tigten sehr schnell, Prigoschin habe auf der Passagierliste der abgestĂŒrzten Maschine gestanden. - Foto: Sergei Ilnitsky/Pool EPA/AP/dpa

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  • Dieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/TASS/XinHua/dpa

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  • Dieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Investigative Committee of Russia/XinHua/dpa

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  • Dieses Bild aus einem Video, das von Ostorozhno Novosti veröffentlicht wurde, soll die Absturzstelle eines Privatjets in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino in Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Ostorozhno Novosti/AP/dpa

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  • EinsatzkrĂ€fte am Absturzort in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino. Über die Ursache des Absturzes gibt es bislang nur Spekulationen. - Foto: Uncredited/AP/dpa

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  • Fahrzeugkonvoi in der NĂ€he des abgestĂŒrzten Privatjets. Hier im nordrussischen Gebiet Twer nahe dem Waldai-See ist auch eine MilitĂ€rbasis und eine Flugabwehreinheit stationiert. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpa

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  • Russische Soldaten inspizieren ein Teil eines abgestĂŒrzten Privatjets bei Kushenkino. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP

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Die Behörden bestĂ€tigten sehr schnell, Prigoschin habe auf der Passagierliste der abgestĂŒrzten Maschine gestanden. - Foto: Sergei Ilnitsky/Pool EPA/AP/dpaDieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/TASS/XinHua/dpaDieses vom russischen Ermittlungskomitee veröffentlichte und von der chinesischen staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua bereitgestellte Foto soll die Absturzstelle in der Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Investigative Committee of Russia/XinHua/dpaDieses Bild aus einem Video, das von Ostorozhno Novosti veröffentlicht wurde, soll die Absturzstelle eines Privatjets in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino in Region Twer zeigen. - Foto: Uncredited/Ostorozhno Novosti/AP/dpaEinsatzkrĂ€fte am Absturzort in der NĂ€he des Dorfes Kuschenkino. Über die Ursache des Absturzes gibt es bislang nur Spekulationen. - Foto: Uncredited/AP/dpaFahrzeugkonvoi in der NĂ€he des abgestĂŒrzten Privatjets. Hier im nordrussischen Gebiet Twer nahe dem Waldai-See ist auch eine MilitĂ€rbasis und eine Flugabwehreinheit stationiert. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP/dpaRussische Soldaten inspizieren ein Teil eines abgestĂŒrzten Privatjets bei Kushenkino. - Foto: Alexander Zemlianichenko/AP

Einen Tag nach dem mutmaßlichen Tod des Chefs der Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, mehren sich die Spekulationen zur Ursache des Flugzeugabsturzes. So berichtete unter anderem der russische Telegram-Nachrichtenkanal Shot unter Berufung auf Ermittlerkreise, dass der Absturz womöglich durch eine Bombe im Bereich des Fahrgestells ausgelöst worden sei.

Zuvor hatte der Prigoschin nahestehende Kanal Grey Zone die Nachricht verbreitet, die Maschine sei von der russischen Luftabwehr abgeschossen worden. Die Autoren schrieben diesbezĂŒglich von Mord.

Russlandweite Trauerkundgebungen

Prigoschins AnhĂ€nger reagierten mit Trauer und Wut auf die Nachricht vom mutmaßlichen Tod des 62-JĂ€hrigen. Am CafĂ© «Patriot» in St. Petersburg, das viele Einwohner der Stadt mit Prigoschin und seiner Wagner-Truppe verbinden, seien massenhaft Blumen niedergelegt worden, berichtete die Tageszeitung «Kommersant» am Donnerstag. Auch aus anderen russischen StĂ€dten wie Nowosibirsk wurde von Trauer- und Gedenkaktionen berichtet.

Am frĂŒheren Wagner-Firmensitz in St. Petersburg wurden neben Blumen auch ein Vorschlaghammer niedergelegt, teilte der Telegram-Kanal Grey Zone mit. Der Vorschlaghammer gilt als grausiges Erkennungszeichen der Wagner-Söldner, nachdem ein Video Angehörige der Gruppe zeigte, die damit einen angeblichen ÜberlĂ€ufer ermordeten.

Am Mittwochabend war Prigoschins Privatjet auf dem Flug von Moskau nach St. Petersburg im Gebiet Twer abgestĂŒrzt. Alle zehn Insassen kamen nach offiziellen Angaben ums Leben. Auf der Passagierliste des Flugs stand unter anderem Prigoschins Name. Die Behörden haben den Tod des reichen und einflussreichen GeschĂ€ftsmanns allerdings offiziell noch nicht bestĂ€tigt. Eine gerichtsmedizinische Untersuchung mit DNA-Abgleich soll die IdentitĂ€t der Leichen klĂ€ren.

Prigoschin ist im Zuge von Moskaus Angriffskrieg gegen die Ukraine zu großer Bekanntheit in Russland gelangt. Zum einen galt er nach der Einnahme der Stadt Bachmut durch seine Wagner-Truppen nach monatelangen blutigen KĂ€mpfen als vergleichsweise erfolgreicher Armeechef vor dem Hintergrund russischer Niederlagen in Charkiw und Cherson. Zum anderen profilierte er sich mit scharfer Kritik an der eigenen MilitĂ€rfĂŒhrung, der er Inkompetenz und Korruption vorwarf. Damit lieferte er vielen einfachen Russen eine ErklĂ€rung fĂŒr den aus ihrer Sicht unbefriedigenden Kriegsverlauf.

Putin bestÀtigt indirekt Tod

Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin bestĂ€tigte unterdessen den Tod des SöldnerfĂŒhrers. Er nannte Prigoschin einen «talentierten Menschen», wie russische Agenturen am Donnerstag meldeten. «Er war ein Mensch mit einem schwierigen Schicksal, und er hat ernsthafte Fehler gemacht», sagte Putin. Zugleich habe der GeschĂ€ftsmann und SöldnerfĂŒhrer Ergebnisse erzielt - fĂŒr sich wie fĂŒr die gemeinsame Sache.

Putin formulierte vorsichtig, dass ersten Erkenntnissen zufolge am Vorabend ein Flugzeug mit Angehörigen der Privatarmee Wagner abgestĂŒrzt sei. Wagner habe einen wichtigen Beitrag in den KĂ€mpfen in der Ukraine geleistet, der nicht vergessen werde.

Putin sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Er kĂŒndigte eine umfassende AufklĂ€rung des Absturzes an. Diese habe bereits begonnen, werde aber eine Zeit lang dauern, sagte er bei einem Treffen mit dem russischen Verwaltungschef von Donezk, Denis Puschilin.

Kiew dementiert Beteiligung

Ein potenzieller weiterer VerdĂ€chtigter hat bereits vorsorglich dementiert, in einen Anschlag auf Prigoschin verwickelt zu sein. Die Ukraine hat laut PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj nichts mit dem möglichen Tod der Wagner-FĂŒhrung zu tun. «Alle begreifen, wer daran beteiligt ist», sagte er vor Journalisten am Donnerstag. Gleichzeitig nutze der Tod der SöldnerfĂŒhrung Kiew «im bestimmten Sinne».

Baerbock: Kein Zufall, dass Welt jetzt auf Kreml schaut

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (GrĂŒne) Àußerte VerstĂ€ndnis fĂŒr Spekulationen rund um Prigoschins mutmaßlichen Tod. Auf offizielle russische Verlautbarungen sei «kein Verlass», sagte sie am Rande eines Treffens mit ihrem kirgisischen Amtskollegen Dscheenbek Kulubajew in Berlin. Immer wieder werde man vom Kreml belogen. «Von daher ist es kein Zufall, dass die ganze Welt auch jetzt auf den Kreml schaut, wenn ein in Ungnade gefallener Ex-Vertrauter Putins plötzlich sprichwörtlich vom Himmel fĂ€llt, zwei Monate nachdem er einen Aufstand probte.»

Man kenne dieses Muster, sagte Baerbock und erwĂ€hnte «TodesfĂ€lle und dubiose Selbstmorde, FensterabstĂŒrze, die alle letztendlich unaufgeklĂ€rt bleiben». Die GrĂŒnen-Politikerin nannte es wichtig, «nicht auf irgendwelche Behauptungen, Fake News oder Versprechungen des russischen PrĂ€sidenten» zu vertrauen, sondern die Ukraine in ihrem Recht auf Selbstverteidigung zu unterstĂŒtzen «mit allem, was wir haben».

Litauen: Prigoschins Schicksal Àndert wenig an Sicherheitslage

Auch Litauens StaatsprÀsident Gitanas Nauseda verdÀchtigte den Kreml, Prigoschin ausgeschaltet zu haben. «Das zeigt, dass das Regime in die nÀchste Phase eintritt und diese Leute, wie man sie auch nennen mag, bereits gegeneinander kÀmpfen», sagte er litauischen Medienberichten zufolge bei einem Besuch in der Ukraine. Das habe aber keinen Einfluss auf die Sicherheitslage. «Der Tod von Prigoschin, wenn er tatsÀchlich bestÀtigt wird, Àndert wenig», sagte er. 

@ dpa.de