Oleschky: Dutzende Menschen über Belarus in Sicherheit
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 15:19 Uhr | dpa, AD HOC NEWSOleschky bleibt Frontstadt
- Die Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez und Jana Lantratowa begleiteten die Hilfsaktion gemeinsam.
- Vor dem Krieg lebten 24.000 Menschen in Oleschky, nun sind es deutlich über 1.000.
- Vier russische Militärmaschinen brachten Gerettete von Anapa nach Gomel in Belarus.
Gemeinsame Rettungsaktion bringt Menschen aus Oleschky in Sicherheit
Dutzende Menschen haben die von Russland kontrollierte Frontstadt Oleschky in einer gemeinsamen ukrainisch-russischen Rettungsaktion verlassen. Die Evakuierung erfolgte während einer vermittelten Waffenruhe und führte die Ausreisenden je nach Ziel über unterschiedliche Wege aus dem Gebiet Cherson.
Abreise aus verminter Frontstadt
Viele Bewohner nahmen nur wenige Taschen und Haustiere mit. Unter den Geretteten waren Verwundete, Menschen mit Behinderungen sowie Kinder; die älteste ausgereiste Person war nach Angaben des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez 94 Jahre alt, die jüngste ein Jahr.
Wer in den von Kiew kontrollierten Teil der Ukraine wollte, konnte den direkten Weg über den Dnipro wegen Minen und der Frontlage nicht nutzen. Die Route führte über die Krim und die russische Schwarzmeerstadt Anapa.
Weiterreise über Belarus
Vier russische Militärmaschinen brachten Lubinez und die Geretteten nach Gomel in Belarus. Von dort ging es mit Bussen weiter über die Grenze in die Ukraine.
Andere Bewohner entschieden sich für eine Ausreise nach Russland oder in von Moskau kontrollierte Gebiete. Die beteiligten Seiten nannten keine Gesamtzahl der Geretteten.
Vermittelte Waffenruhe endet
Die Waffenruhe und die Evakuierung wurden von US-First-Lady Melania Trump und Papst Leo XIV. vermittelt. Lubinez und seine russische Kollegin Jana Lantratowa bezeichneten die Zusammenarbeit als gelungen und vereinbarten weitere regelmäßige Hilfsaktionen.
Lantratowa erklärte, die Mission sei beendet, die Lebensbedingungen in Oleschky blieben jedoch äußerst schwierig. Sie kündigte weitere Unterstützung für die Einwohner an.
Viele Menschen bleiben in Oleschky
Vor dem Krieg lebten in Oleschky rund 24.000 Menschen, inzwischen sind es deutlich über 1.000. Einige Bewohner bleiben wegen ihres Alters, fehlender Ausreisemöglichkeiten oder der Verantwortung für Angehörige in der Stadt.
Hilfslieferungen mit Lebensmitteln, Medikamenten, Hygieneartikeln und Kraftstoff sollen die Versorgung verbessern. Strom liefern vielfach Solaranlagen, weil zahlreiche Dächer durch Drohneneinschläge zerstört sind.
Neue Kämpfe befürchtet
Für die Menschen in Oleschky bleibt die Lage gefährlich. Nach dem Ende der bis Sonntagabend angesetzten Waffenruhe drohen neue Kämpfe; zusätzlich besteht weiterhin die Gefahr durch Drohnenangriffe und Minen.
Oleschky liegt am Dnipro in einem besonders sensiblen Abschnitt der Front. Der Fluss trennt dort von Russland kontrollierte Gebiete von ukrainisch kontrolliertem Territorium; dadurch sind direkte Fluchtwege versperrt oder vermint. Die Evakuierung über die Krim, Anapa und Belarus war deshalb nicht nur lang, sondern politisch und logistisch außergewöhnlich.
Die Stadt hatte vor dem Krieg rund 24.000 Einwohner. Inzwischen leben dort nur noch etwas mehr als 1.000 Menschen. Die Bevölkerung ist von zerstörter Infrastruktur, eingeschränkter Versorgung und der ständigen Gefahr durch Drohnen und Minen geprägt. Hilfslieferungen können die Not kurzfristig lindern, ersetzen aber keine sichere und dauerhafte Versorgung.
Lokale Waffenruhe mit begrenzter Reichweite
Die gemeinsame Aktion der Menschenrechtsbeauftragten zeigt, dass begrenzte Absprachen zwischen Moskau und Kiew trotz des Krieges möglich sind. Sie betrifft jedoch zunächst nur die Evakuierung und humanitäre Hilfe in Oleschky. Eine Übertragung auf andere Frontabschnitte oder auf politische Verhandlungen wäre daraus nicht automatisch abzuleiten.
Für die Geretteten beginnt die nächste schwierige Phase: Viele müssen Unterkunft, medizinische Behandlung und soziale Unterstützung finden. Zugleich bleiben diejenigen in Oleschky besonders gefährdet, die nicht ausreisen können oder wollen. Mit dem Ende der vereinbarten Waffenruhe steigt für sie das Risiko, dass Kämpfe und Versorgungskrise erneut unmittelbarer werden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Evakuierungsaktion im ukrainischen Oleschky abgeschlossen“ (31.10.2026)
Der Bericht habe die Aktion als größte gemeinsame ukrainisch-russische Evakuierung seit Kriegsbeginn eingeordnet und von 25 eingesetzten Bussen berichtet. Anders als die dpa-Meldung habe er zudem die Zahl von mehr als 750 Menschen genannt, die eine Ausreisemöglichkeit gehabt hätten, zugleich aber offengelassen, wie viele tatsächlich evakuiert worden seien.
FOCUS online: „„Mission beendet“: Dutzende Menschen aus Oleschky evakuiert“ (01.11.2026)
Der Artikel habe die von der dpa geschilderten Fluchtwege, die Not der Zurückgebliebenen und die geplanten weiteren Hilfsaktionen bestätigt. Einen Schwerpunkt habe er auf die komplizierte Reise über Russland und Belarus sowie die Gefahr neuer Kämpfe nach dem Ende der Waffenruhe gelegt.
Beide Beiträge hätten die Evakuierung und die humanitäre Notlage als zentrale Punkte dargestellt. Unterschiede lägen vor allem in der Schwerpunktsetzung: Während tagesschau.de stärker Ablauf und Größenordnung beleuchte, konzentriere sich FOCUS online auf die persönlichen Schicksale und die Risiken nach der Waffenruhe.
