Paraguay: Parlament setzt PrÀsident Peña ab und erlÀsst Haftbefehl
Veröffentlicht am: 07.11.2026 um 01:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSPeña, Alliana und die Folgen im Kongress
- Der Senat stimmte nach der Abgeordnetenkammer einstimmig fĂŒr die Amtsenthebung Santiago Peñas.
- Pedro Alliana wurde kurz nach Peñas Absetzung im Kongress als neuer PrÀsident vereidigt.
- Peña muss bis zur VorfĂŒhrung bei der Fachabteilung fĂŒr WirtschaftskriminalitĂ€t und KorruptionsbekĂ€mpfung unter Hausarrest bleiben.
Paraguay setzt Santiago Peña als PrÀsident ab
Paraguays Parlament hat StaatsprÀsident Santiago Peña im Zuge der Finanz- und Staatskrise aus dem Amt entfernt. Kurz danach erlieà die Generalstaatsanwaltschaft Haftbefehl gegen den bisherigen Staatschef und ordnete Hausarrest an.
Neuer PrĂ€sident ist der bisherige VizeprĂ€sident Pedro Alliana, der im Kongress vereidigt wurde und das Land zunĂ€chst bis August 2028 fĂŒhren soll.
Parlament verwirft RĂŒcktritt
Der Senat votierte einstimmig fĂŒr die Amtsenthebung, nachdem die Abgeordnetenkammer denselben Schritt beschlossen hatte. Peña war der Anhörung ferngeblieben und lieĂ sich von AnwĂ€lten vertreten.
Zuvor hatte er einen Aufschub um 72 Stunden beantragt. Seine AnwĂ€lte argumentierten, das Verfahren laufe ins Leere, weil Peña bereits seinen RĂŒcktritt erklĂ€rt habe. Senat und Abgeordnetenkammer nahmen das Gesuch jedoch nicht an.
Haftbefehl und Hausarrest
Nach der Vereidigung Allianas leitete die Justiz Schritte gegen Peña ein. Er soll der Fachabteilung fĂŒr WirtschaftskriminalitĂ€t und KorruptionsbekĂ€mpfung vorgefĂŒhrt werden; lokale Medien nannten dafĂŒr Samstag als Termin.
Auch gegen Zentralbankchef Carlos Carvallo wurde ein Haftbefehl erlassen. EinsatzkrÀfte der Polizei waren vor Peñas Haus zu sehen.
Ueno Bank löst politische Krise aus
Auslöser der politischen Eskalation ist die faktische Insolvenz der Ueno Bank. Die Zentralbank leitete ein Abwicklungsverfahren ein, nachdem die Eigenkapitalquote des Instituts unter die HÀlfte des vorgeschriebenen Mindestwertes gefallen war; Kunden konnten zeitweise nicht auf ihre Konten zugreifen.
Peña unterhielt bis MĂ€rz 2025 GeschĂ€ftsbeziehungen zur Grupo VĂĄzquez, zu der die Ueno Bank gehörte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen der Bankenaufsicht, der Abwicklung des Instituts und der Bereitstellung öffentlicher Mittel. Peña hatte mögliche Interessenkonflikte zurĂŒckgewiesen.
Regierung verliert mehrere Spitzenbeamte
Die Staatsanwaltschaft bestĂ€tigte Festnahmen von FĂŒhrungskrĂ€ften der Bank. Carvallo musste seinen Posten rĂ€umen, nachdem ihm wegen seiner frĂŒheren TĂ€tigkeit bei Ueno ebenfalls ein Interessenkonflikt vorgeworfen worden war.
Auch Innenminister Enrique Riera, Kabinettschef Javier GimĂ©nez und Roberto Moreno, der Rechtsberater des PrĂ€sidentenamtes, erklĂ€rten ihren RĂŒcktritt.
Alliana ĂŒbernimmt PrĂ€sidentschaft
Der 52-jĂ€hrige Alliana gehört wie Peña der Colorado-Partei an, die Paraguay ĂŒber Jahrzehnte politisch geprĂ€gt hat. Er gilt als wirtschaftsliberal und konservativ.
Paraguays Staatskrise verbindet einen Bankenkollaps mit einem politischen Machtwechsel. Im Zentrum steht die Ueno Bank, deren Eigenkapitalquote nach Angaben der dpa unter die HÀlfte des vorgeschriebenen Mindestwertes gefallen sei. Das Abwicklungsverfahren und zeitweise gesperrte KundenzugÀnge machten aus einem Finanzproblem eine Vertrauenskrise, die Millionen Sparer betrifft.
Politisch verschĂ€rft wurde der Konflikt durch die enge Verbindung zwischen staatlicher Bankenaufsicht und frĂŒheren GeschĂ€ftsbeziehungen. Peña unterhielt bis MĂ€rz 2025 GeschĂ€ftsbeziehungen zur Grupo VĂĄzquez, zu der die Ueno Bank gehörte, und wies Interessenkonflikte zurĂŒck. Zugleich gerieten der Zentralbankchef und mehrere Regierungsmitglieder unter Druck oder legten ihre Ămter nieder.
Folgen fĂŒr Paraguay
Mit der Amtsenthebung und dem Haftbefehl wechselt die Krise von der parlamentarischen in die strafrechtliche Phase. FĂŒr die Bevölkerung stehen zunĂ€chst die Sicherheit der Einlagen, der Zugang zu Konten und die StabilitĂ€t des Finanzsystems im Vordergrund. Die Ermittlungen sollen klĂ€ren, welche Rolle politische Entscheidungen bei der Bankenaufsicht, der Abwicklung und der Bereitstellung öffentlicher Mittel spielten.
Pedro Alliana ĂŒbernimmt bis August 2028. Da er wie Peña der Colorado-Partei angehört und als wirtschaftsliberal und konservativ gilt, deutet der Machtwechsel zunĂ€chst eher auf eine KontinuitĂ€t der politischen Grundrichtung als auf einen vollstĂ€ndigen Kurswechsel hin. Entscheidend wird sein, ob die neue FĂŒhrung das Vertrauen in Banken, Aufsicht und staatliche Institutionen wiederherstellen kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: âBank-Skandal in Paraguay: Amtsenthebung statt RĂŒcktritt fĂŒr PrĂ€sident Peña?â (06.11.2026)
Der Beitrag habe berichtet, das Parlament habe Peñas RĂŒcktrittsgesuch im Zusammenhang mit dem Ueno-Bank-Skandal nicht angenommen und stattdessen ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet. Damit bestĂ€tige er den parlamentarischen Ausgangspunkt der Krise, wĂ€hrend die dpa-Meldung zusĂ€tzlich die spĂ€tere Absetzung und den Haftbefehl schildere.
tagesschau: âParaguay: Die Bankenkrise wird zur Staatskriseâ (06.11.2026)
Die tagesschau habe den Zusammenhang zwischen dem politischen Sturz Peñas und dem Zusammenbruch der Digitalbank Ueno hervorgehoben. Der Schwerpunkt liege damit stÀrker auf der Entwicklung von der Finanz- zur Staatskrise, wÀhrend die dpa-Meldung die juristischen Schritte gegen Peña und den Machtantritt Allianas betone.
Ăbereinstimmend stehe der Ueno-Bank-Kollaps am Anfang der Eskalation. Offen bleibe, wie die strafrechtlichen Ermittlungen ausgehen und welche MaĂnahmen die neue FĂŒhrung zur Stabilisierung des Finanzsystems ergreifen werde.
