PiS-AnhÀnger demonstrieren gegen die Tusk-Regierung
11.01.2024 - 17:45:54 | dpa.deZehntausende haben in Polen gegen die Mitte-Links-Regierung von Donald Tusk demonstriert. Die ĂŒberwiegend Ă€lteren AnhĂ€nger der nationalkonservativen Oppositionspartei PiS versammelten sich zunĂ€chst vor dem ParlamentsgebĂ€ude in Warschau und liefen spĂ€ter zum Regierungssitz. Sie trugen polnische Fahnen sowie Plakate mit der Aufschrift: «Hier ist Polen, kein Tuskoland» und «Kulturminister - Zensurminister». Nach SchĂ€tzungen des Warschauer Rathauses waren es 35.000 Teilnehmer, ein Sprecher der Partei gab die Zahl hingegen mit fast 200.000 an.
Bei seinem Auftritt vor den Demonstranten warnte der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski, die EU plane die «Liquidierung des polnischen Vaterlandes» und wolle es zu einem «Wohngebiet fĂŒr Polen» reduzieren. Mit Blick auf die seit einem knappen Monat amtierende proeuropĂ€ische Koalitionsregierung von Tusk sagte Kaczynski: «Das ist keine polnische Regierung.» Die PiS unterstellt Tusk, dass er im Auftrag Deutschlands handele.
Streit um Verhaftung von zwei verurteilten PiS-Politikern
Der von den im Oktober abgewĂ€hlten Nationalkonservativen organisierte «Protest der freien Polen» sollte sich ursprĂŒnglich gegen die Umgestaltung der öffentlich-rechtlichen Medien richten. Die Regierung von Tusk hatte vor einigen Wochen mit dem Umbau des Fernsehsenders TVP, des polnischen Radios sowie der Nachrichtenagentur PAP begonnen. Sie wirft ihnen vor, sie hĂ€tten in den vergangenen Jahren unter der PiS-Regierung Parteipropaganda verbreitet. Auch internationale Organisationen hatten die einseitige Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien in Polen kritisiert.
Allerdings hat der Streit um die Verhaftung von zwei rechtskrĂ€ftig verurteilten PiS-Politikern den Fokus der Demonstration verschoben. Ex-Innenminister Mariusz Kaminski und sein frĂŒherer StaatssekretĂ€r Maciej Wasik waren am Dienstag verhaftet und ins GefĂ€ngnis gebracht worden, nachdem sie zunĂ€chst Schutz im PrĂ€sidentenpalast bei Staatsoberhaupt Andrzej Duda gesucht hatten. Die PiS bezeichnet die beiden als «politische Gefangene».
Kaminski und Wasik waren im Dezember in einem Berufungsverfahren von einem Warschauer Bezirksgericht wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden und sollten ihre Strafe antreten. Duda hatte die beiden nach einem ersten Verfahren 2015 begnadigt. Das Oberste Gericht hatte diese Begnadigung aber fĂŒr nicht rechtmĂ€Ăig erklĂ€rt, da seinerzeit das Berufungsverfahren noch lief. Duda kĂŒndigte am Donnerstag kurz vor Beginn der Demonstration an, er wolle Kaminski und Wasik ein zweites Mal begnadigen.
Parteichef Kaczynski rief die Demonstranten zu kurzen Protestaktionen vor den beiden Haftanstalten auf, in denen Kaminski und Wasik untergebracht sind.
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