Polens PrĂ€sident brĂŒskiert Regierung mit Begnadigungsspruch
24.01.2024 - 04:01:49Nach der Entlassung von zwei ehemaligen Mitgliedern der kĂŒrzlich abgelösten Regierung aus dem GefĂ€ngnis stehen die Zeichen in Polen weiter auf Streit. Ex-Innenminister Mariusz Kaminski und sein frĂŒherer StaatssekretĂ€r Maciej Wasik von der im Oktober abgewĂ€hlten nationalkonservativen Regierungspartei PiS verlieĂen am Abend ihre GefĂ€ngnisse, wie die Nachrichtenagentur PAP berichtete.
Wenige Stunden zuvor hatte der aus den Reihen der PiS stammende PrÀsident Andrzej Duda bekanntgegeben, dass er die beiden wegen Amtsmissbrauchs verurteilten Politiker ein zweites Mal begnadigt habe.
Beide PiS-Politiker dĂŒrfen einem Urteil zufolge fĂŒr fĂŒnf Jahre kein öffentliches Amt bekleiden und sollen ihr Abgeordnetenmandat verlieren. Die PiS erkennt den gerichtlich verfĂŒgten Verlust der Abgeordnetenmandate aber nicht an. ParlamentsprĂ€sident Szymon Holownia, dessen Partei Dritter Weg ein Koalitionspartner der Mitte-Links-Regierung von MinisterprĂ€sident Donald Tusk ist, hat beide Abgeordnete jedoch bereits ausgeschlossen. «Herr Tusk, Herr Holownia, wir sehen uns bald wieder«, sagte Wasik nun nach seiner Freilassung.
Der Streit ĂŒber das Schicksal von Kaminski und Wasik ist bereits in den vergangenen Wochen zu einem zentralen Punkt der Auseinandersetzung zwischen der Tusks Regierung und der PiS mit ihrem VerbĂŒndeten Duda geworden. Die PiS-Abgeordneten waren am 9. Januar verhaftet und ins GefĂ€ngnis gebracht worden, nachdem sie zunĂ€chst Schutz im PrĂ€sidentenpalast gesucht hatten. Die PiS bezeichnete die beiden seitdem als «politische Gefangene». Kaminski war gleich zu Haftbeginn in Hungerstreik getreten.
Lange Vorgeschichte - Fall beginnt schon 2015
Der Fall der beiden PiS-Politiker hat eine lange Vorgeschichte. Im Jahr 2015, direkt nach der MachtĂŒbernahme der PiS, hatte Duda sowohl Kaminski als auch Wasik in einer umstrittenen Entscheidung begnadigt. Beide waren zuvor in erster Instanz wegen Amtsmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Grund der Verurteilung war eine im Jahr 2007 aufgedeckte AffĂ€re, bei der die damals von Kaminski geleitete Antikorruptionsbehörde gezielt einen Korruptionsfall inszeniert haben soll, um den damaligen Landwirtschaftsminister Andrzej Lepper zu diskreditieren. Kaminski und Wasik gingen gegen das Urteil in Berufung.
Im Juni hob der Oberste Gerichtshof die Begnadigung Kaminskis und Wasiks durch den PrĂ€sidenten auf. Begnadigt werden könne nur, wer rechtskrĂ€ftig verurteilt sei, hieĂ es in der UrteilsbegrĂŒndung. Beide mussten sich erneut dem Verfahren stellen. Ende Dezember verurteilte sie das Warschauer Bezirksgericht dann zu zwei Jahren Haft. AuĂerdem verfĂŒgte das Gericht das Amtsverbot und den Mandatsverlust.


