Polizei, PiS-Politiker

Polizei fasst PiS-Politiker nach Flucht in PrÀsidentenpalast

09.01.2024 - 21:57:51

Polens PrĂ€sident Duda bietet zwei rechtskrĂ€ftig zu Haft verurteilten PiS-Abgeordneten Schutz in seinem Palast. Erst am Abend kann die Polizei sie abfĂŒhren.

Eigentlich hĂ€tten Polens ehemaliger Innenminister Mariusz Kaminski und sein frĂŒherer StaatssekretĂ€r Maciej Wasik ihre zweijĂ€hrige Haftstrafe antreten mĂŒssen. Doch als Polizeibeamte ihre Wohnungen durchsuchten, stießen sie ins Leere: Die beiden rechtskrĂ€ftig wegen Amtsmissbrauchs verurteilten Abgeordneten der abgelösten Regierungspartei PiS waren ausgeflogen.

Wenig spĂ€ter erfuhren die erstaunten Polen durch einen Post des PrĂ€sidialamts auf der Plattform X, wo sich die Gesuchten aufhielten: bei einem Empfang des Staatsoberhaupts Andrzej Duda im PrĂ€sidentenpalast. Dort blieben sie mehrere Stunden - erst am Abend wurden sie schließlich festgenommen, wie die Polizei in Warschau auf X mitteilte.

Konflikt zwischen altem und neuem Regierungslager

Was anmutet wie eine Posse, ist in Wahrheit die Zuspitzung eines Konflikts zwischen dem neuen und dem alten Regierungslager in Polen, der sich fĂŒr das EU- und Nato-Land zu einer Staatskrise auswachsen könnte. Der Machtkampf zwischen der seit dem 15. Dezember amtierenden Mitte-Links-Regierung von Donald Tusk und der abgewĂ€hlten nationalkonservativen PiS, aus deren Lager auch PrĂ€sident Duda stammt, ist eskaliert. Eine eigentlich fĂŒr Mittwoch geplante Parlamentssitzung wurde wegen der chaotischen Lage auf kommende Woche verschoben. Tusk drohte Duda und dem PiS-Chef Jaroslaw Kaczynski, sie wĂŒrden wegen «Sabotage der Verfassung» zur Verantwortung gezogen.

Zwischenzeitlich sah es so auf, als hÀtten die per Haftbefehl gesuchten PiS-Abgeordneten im Palast von PrÀsident Duda Schutz gefunden. Am Nachmittag meldeten sich Kaminski und Wasik dort im Hof zu Wort. «Wir verstecken uns nicht. Im Moment sind wir bei Polens PrÀsidenten, bis das Böse verliert», sagte Kaminski. Wie lange sie dort bleiben wollten, sagte er nicht. Am Abend drang die Polizei auf das GelÀnde vor und nahm die Politiker fest. Nach polnischen Medienberichten soll Duda das GebÀude zuvor verlassen haben.

Fall der beiden PiS-Politiker hat eine lange Vorgeschichte

Im Jahr 2015, direkt nach der MachtĂŒbernahme der PiS, hatte Duda Kaminski und Wasik in einer umstrittenen Entscheidung begnadigt. Beide waren zuvor in erster Instanz wegen Amtsmissbrauchs zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Grund der Verurteilung war eine im Jahr 2007 aufgedeckte AffĂ€re, bei der die damals von Kaminski geleitete Antikorruptionsbehörde gezielt einen Korruptionsfall inszeniert haben soll, um den damaligen Landwirtschaftsminister Andrzej Lepper zu diskreditieren. Kaminski und Wasik gingen gegen das Urteil in Berufung.

Im vergangenen Juni hatte der Oberste Gerichtshof die Begnadigung Kaminskis und Wasiks durch den PrĂ€sidenten aufgehoben. Begnadigt werden könne nur, wer rechtskrĂ€ftig verurteilt sei, hieß es in der UrteilsbegrĂŒndung. Beide mussten sich erneut dem Verfahren stellen. Ende Dezember verurteilte sie das Warschauer Bezirksgericht zu zwei Jahren Haft. Das Gericht verfĂŒgte auch, dass beide PiS-Politiker fĂŒr fĂŒnf Jahre kein öffentliches Amt bekleiden dĂŒrften und ihr Abgeordnetenmandat verlieren sollten.

Duda hatte in den vergangenen Tagen mehrfach betont, dass nach seiner Auffassung die Begnadigung weiter gelte - fĂŒhrende Verfassungsrechtler in Polen sahen das aber anders. Beide Politiker hatten angekĂŒndigt, sie wollten ihr Abgeordnetenmandat weiter wahrnehmen und zu den Parlamentssitzungen erscheinen.

Harsche Worte von Tusk

Am Nachmittag richtete ein sichtlich aufgewĂŒhlter MinisterprĂ€sident Tusk klare Worte an Duda: «Herr PrĂ€sident, mein instĂ€ndiger Appell zum Wohle des polnischen Staates: Sie mĂŒssen dieses Spektakel beenden. Es wird uns in eine sehr gefĂ€hrliche Situation fĂŒhren». Die Handlungen zielten auf die Fundamente des Staates.

Tusk zitierte mit Blick auf das Verhalten des PrĂ€sidenten auch aus dem polnischen Strafgesetzbuch: «Wer ein Strafverfahren dadurch behindert oder vereitelt, dass er einem StraftĂ€ter hilft, sich der strafrechtlichen Verantwortung zu entziehen, (...) wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fĂŒnf Jahren bestraft.» Und er warnte: Duda und der PiS-Vorsitzende Jaroslaw Kaczynski wĂŒrden fĂŒr ihr Treiben zur Verantwortung gezogen. Wenige Stunden spĂ€ter erfolgte die Festnahme.

@ dpa.de