Polens, PrÀsident

Polens PrĂ€sident kĂ€mpft fĂŒr Freilassung von PiS-Politikern

10.01.2024 - 15:22:24

Nach ihrer Verhaftung im PrÀsidentenpalast sitzen zwei verurteilte PiS-Politiker hinter Gittern. Einer von ihnen ist im Hungerstreik. PrÀsident Duda kritisiert das Vorgehen der Behörden.

In Polen streiten die Mitte-Links-Regierung von Donald Tusk und das Lager der abgelösten nationalkonservativen PiS weiter um den Fall von zwei inhaftierten PiS-Politikern.

Der aus den Reihen der PiS stammende PrĂ€sident Andrzej Duda rĂŒgte das Vorgehen der Behörden und kĂŒndigte an, er werde nicht eher ruhen, bis Ex-Innenminister Mariusz Kaminski und sein frĂŒherer StaatssekretĂ€r Maciej Wasik aus dem GefĂ€ngnis freigelassen wĂŒrden. Die beiden rechtskrĂ€ftig verurteilten Politiker nannte er «kristallklar ehrliche Menschen». Kaminski trat aus Protest gegen die Haft in Hungerstreik.

Der Konflikt um die beiden frĂŒheren PiS-Abgeordneten, die mit der Verurteilung zu zwei Jahren Haft auch ihr Mandat verloren, hat das EU- und Nato-Land Polen an den Rand einer Staatskrise gefĂŒhrt.

Politiker waren begnadigt

Am Dienstag hatte die Polizei zunÀchst vergeblich versucht, Kaminski und Wasik zum Haftantritt ins GefÀngnis zu bringen. Beide tauchten dann bei einem Empfang Dudas im PrÀsidentenpalast auf. Nach mehreren Stunden in dem Amtssitz wurden sie dort gefasst und kamen in Haft.

Kaminski und Wasik waren im Dezember in einem Berufungsverfahren von einem Warschauer Bezirksgericht wegen Amtsmissbrauchs zu zwei Jahren Haft verurteilt worden. Duda hatte die beiden nach einem ersten Verfahren 2015 begnadigt. Das Oberste Gericht hatte diese Begnadigung aber fĂŒr nicht rechtmĂ€ĂŸig erklĂ€rt, da seinerzeit das Berufungsverfahren noch lief.

In seiner Rede betonte der PrĂ€sident erneut, seiner Auffassung nach sei die Begnadigung weiter gĂŒltig. Er sei zutiefst schockiert ĂŒber «den Eifer und die BrutalitĂ€t, sowohl in juristischer, physischer und medialer Hinsicht», den die Behörden bei der Ergreifung der beiden gezeigt hĂ€tten. «Wenn ich höre, dass dieser Fall nicht politisch sein soll, muss ich lachen.» Im Kampf um die Freilassung der PiS-Politiker werde er sich nicht einschĂŒchtern lassen.

Kritik an Dudas Einstellung

Der FriedensnobelpreistrĂ€ger und ehemalige polnische PrĂ€sident Lech Walesa forderte rechtliche Konsequenzen fĂŒr Duda. «Der PrĂ€sident hat Kriminellen geholfen, das ist unfassbar», sagte Walesa dem Portal Onet.pl. «Wahrscheinlich sollte man die Polizei zu ihm schicken, damit sie auch ihn an einen anderen Ort bringen.»

Bereits am Dienstag hatte Regierungschef Tusk Duda Sabotage vorgeworfen und einen Paragrafen aus dem Strafgesetzbuch zitiert, der bis zu fĂŒnf Jahren Haft fĂŒr Personen vorsieht, die einem StraftĂ€ter helfen, sich der strafrechtlichen Verantwortung zu entziehen.

Der inhaftierte Ex-Innenminister Kaminski trat unterdessen in Hungerstreik. Eine entsprechende ErklĂ€rung veröffentlichte die abgelöste nationalkonservative Regierungspartei PiS auf der Plattform X (vormals Twitter). Er halte seine Verurteilung fĂŒr politische Rache, schrieb Kaminski darin.

«In diesem Zusammenhang beginne ich als politischer Gefangener vom ersten Tag meiner Haft an einen Hungerstreik». Die stellvertretende Justizministerin Maria Ejchart sagte dazu, die Tatsache, dass ein Politiker ein Gefangener sei, mache ihn nicht zu einem politischen Gefangenen.

@ dpa.de