Baltische, Staaten

Baltische Staaten lösen sich aus russischem Stromnetz

08.02.2025 - 09:47:41

Politisch, kulturell und wirtschaftlich sind Estland, Lettland und Litauen schon lange fest im Westen verankert. Nun haben sich die drei LÀnder auch im Energiebereich vollstÀndig von Russland gelöst.

Mehr als 30 Jahre nach ihrer wiedererlangten UnabhĂ€ngigkeit haben sich Estland, Lettland und Litauen aus dem russischen Energiesystem gelöst. Um kurz nach 9.00 Uhr Ortszeit waren die drei baltischen EU- und Nato-LĂ€nder am Samstag vom gemeinsamen Stromnetz mit Russland abgekoppelt, mit dem sie aus historischen GrĂŒnden seit Sowjetzeiten verbunden waren.

Die Trennung verlief ohne Probleme und blieb fĂŒr die Verbraucher unbemerkt, wie die Netzbetreiber in Estland, Lettland und Litauen mitteilten. FĂŒr einen Tag sollen die Stromnetze der drei LĂ€nder nun in einer Art Inselbetrieb allein funktionieren - und dann am Sonntag ĂŒber Polen in das europĂ€ische System integriert werden.

Mehr EnergieunabhÀngigkeit und regionale Sicherheit

«Symbolisch wie einst beim Baltischen Weg haben sich Lettland, Estland und Litauen - alle baltischen Staaten gemeinsam - heute vom russisch kontrollierten Energienetz getrennt und werden nach der DurchfĂŒhrung von Betriebstests vollstĂ€ndig an das dreimal grĂ¶ĂŸere europĂ€ische Energienetz angeschlossen», sagte die lettische Regierungschefin Evika Silina. «Dies ist das grĂ¶ĂŸte und wichtigste Projekt fĂŒr die EnergieunabhĂ€ngigkeit und regionale Sicherheit seit Jahrzehnten.»

Estland, Lettland und Litauen hatten bereits vor dem Hintergrund des russischen Angriffs auf die Ukraine ihre Stromimporte aus Russland eingestellt. Weiterhin waren sie aber Teil eines aus Sowjetzeiten stammenden gemeinsamen, synchrongeschalteten Netzes mit Russland und Belarus. Das galt in Tallinn, Riga und Vilnius inzwischen als Sicherheitsrisiko. Nach dem Netzwechsel werden sie dann die grundlegenden Parameter des Stromsystems wie etwa Frequenz und Spannung selbst kontrollieren können. 

«Sieg fĂŒr die Freiheit und die europĂ€ische Einheit» 

Aus auch geopolitischer Sicht wird dem Schritt eine große Bedeutung beigemessen. «Russland kann Energie nicht lĂ€nger als Erpressungsinstrument einsetzen», schrieb etwa die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas auf der Plattform X. «Dies ist ein Sieg fĂŒr die Freiheit und die europĂ€ische Einheit.» 

Estland, Lettland und Litauen waren nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur wiedererlangten UnabhĂ€ngigkeit 1991 gezwungenermaßen Teil der Sowjetunion. In ihrem Freiheitskampf hatten sie am 23. August 1989 mit einer 600 Kilometer langen Menschenkette quer durch das Baltikum - dem sogenannten «Baltischen Weg» - ihren Freiheitswillen demonstriert.

Schnellere Umsetzung wegen Russlands Krieg

Die drei LĂ€nder hatten 2009 mit den Vorbereitungen fĂŒr den Anschluss an das europĂ€ische Energiesystem begonnen. Der ursprĂŒngliche Plan sah eine Synchronisierung Anfang 2026 vor. 

Russlands Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 beschleunigte das Vorhaben, das finanziell ĂŒberwiegend von der EU getragen wurde. Die Kosten fĂŒr den Aufbau der nötigen Infrastruktur betrugen insgesamt rund 1,6 Milliarden Euro.

@ dpa.de