Russland feuert ballistische Rakete auf Ukraine
09.01.2026 - 03:58:06Ungeachtet laufender FriedensbemĂŒhungen hat Russland eine schwere ballistische Rakete auf die Westukraine an der Grenze zu EU- und Nato-Gebiet abgefeuert. Die ukrainische Luftwaffe teilte mit, fĂŒr das gesamte Land sei am Donnerstag gegen 23.30 Uhr Ortszeit (22.30 Uhr MEZ) Luftalarm ausgelöst worden. Es habe die Gefahr des Starts einer ballistischen Waffe vom russischen TestgelĂ€nde Kapustin Jar bestanden. Wenig spĂ€ter seien EinschlĂ€ge im Gebiet Lwiw verzeichnet worden.
Ein Objekt der kritischen Infrastruktur sei angegriffen worden, schrieb Gebietsgouverneur Maksym Kosyzkyj auf Telegram. Ukrainische MilitÀrblogs veröffentlichten angebliche Videos aus der Region, die sechs EinschlÀge hintereinander zeigen. Dies Àhnelt dem Trefferbild von sechs Gefechtsköpfen der neuen russischen Mittelstreckenrakete Oreschnik (Haselstrauch).
Spekulationen ĂŒber Mittelstreckenrakete OreschnikÂ
Offizielle BestĂ€tigungen fĂŒr den Einsatz dieser Rakete gab es nicht. «Ob das eine Oreschnik war, ist nicht bekannt», teilte der BĂŒrgermeister von Lwiw, Andrij Sadowyj, mit. DarĂŒber mĂŒsse das MilitĂ€r informieren. Bewohner der Region beschrieben die lauten EinschlĂ€ge wie viele Erdbeben hintereinander. Angaben zum Ziel wurden nicht gemacht. Doch im Gebiet Lwiw liegt der unterirdische Gasspeicher von Stryj, der schon mehrfach Ziel russischer Angriffe war.
Die nach russischen Angaben neue Mittelstreckenrakete Oreschnik war erstmals im November 2024 auf die sĂŒdukrainische GroĂstadt Dnipro abgefeuert worden. Auch dieser Start erfolgte aus Kapustin Jar bei Astrachan in SĂŒdrussland. Die sechs Gefechtsköpfe enthielten damals nach ukrainischen Angaben keinen Sprengstoff. Kremlchef Wladimir Putin sprach von einem Test und drohte an, dass weitere folgen sollten.Â
Westliche MilitÀrs sehen die Oreschnik als Weiterentwicklung der russischen Interkontinentalrakete RS-26 Rubesch. Die Reichweite wird auf 2.000 bis 5.000 Kilometer geschÀtzt. Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko sagt, Russland habe die Oreschnik mittlerweile auch in seinem Land stationiert.
Selenskyj warnte vor schwerem Angriff
Die Ukraine hatte einen schweren russischen Luftangriff erwartet. PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj warnte in seiner Abendansprache davor: «Es gibt Informationen, dass es heute Nacht einen neuen massiven russischen Angriff geben könnte.» Die BĂŒrger sollten auf Luftalarm achten und sich in SchutzrĂ€ume flĂŒchten.Â
Die Hauptstadt Kiew wurde nachts von DrohnenschwĂ€rmen angegriffen. BĂŒrgermeister Vitali Klitschko sprach von mindestens vier Toten und 19 Verletzten. Durch den massiven Angriff sei auch die kritische Infrastruktur beschĂ€digt worden. Die Strom- und Wasserversorgung sei in einigen Stadtteilen unterbrochen. Herabfallende TrĂŒmmerteile hĂ€tten SchĂ€den verursacht, WohnhĂ€user gebrannt.
AuĂerdem meldete die ukrainische Luftwaffe Angriffe mit dem Marschflugkörper Kalibr vom Schwarzen Meer aus. Die Ukraine griff ihrerseits Ziele in den russischen Regionen Belgorod, Orjol und St. Petersburg mit Kampfdrohnen an.Â
Harter Frost verschĂ€rft Nöte der UkraineÂ
Moskau versuche, die Ukraine im harten Frost besonders zu schĂ€digen, sagte Selenskyj: «Russland setzt derzeit mehr auf den Winter als auf Diplomatie, auf ballistische Raketen gegen unsere Energieversorgung und nicht auf Arbeit mit Amerika und Vereinbarungen mit PrĂ€sident (Donald) Trump.»Â
Die Temperaturen sollen in der Ukraine ab Freitag fast ĂŒberall unter den Gefrierpunkt sinken. In Kiew und im nördlichen Teil des Landes werden auf Tage zehn Grad Frost und mehr herrschen. Damit wĂ€chst der Druck auf die ohnehin schwer angeschlagene Versorgung mit Strom, WĂ€rme und Wasser. Das Gebiet Dnipropetrowsk durchlebt nach einem Angriff aus der Nacht zum Donnerstag bereits den schlimmsten Blackout in fast vier Jahren Krieg mit Hunderttausenden Menschen ohne Strom. Bei einem Raketenangriff auf die Stadt Krywyj Rih wurde eine Frau getötet, es gab mindestens 23 Verletzte.
Russischer Schlag an der Nato-AuĂengrenze
Der russische Raketenangriff auf Ziele, die nur 80 Kilometer von der polnischen Grenze entfernt liegen, dĂŒrfte sich auch auf die laufenden Verhandlungen ĂŒber eine Friedenslösung auswirken. Moskau hat bislang nicht reagiert auf die Abstimmung zu Sicherheitsgarantien und einem Wiederaufbau der Ukraine, die zwischen Kiew, den europĂ€ischen Staaten und den USA lĂ€uft.
Dabei sieht Selenskyj nach den jĂŒngsten GesprĂ€chen in Paris groĂe Fortschritte zu einem bilateralen Dokument mit den USA ĂŒber Sicherheitsgarantien fĂŒr sein Land. Das Papier sei nun «im Grunde bereit» fĂŒr die Fertigstellung auf der höchsten Ebene mit PrĂ€sident Trump, schrieb er in sozialen Netzwerken.
Berichte: Kreml-UnterhÀndler sprach in Paris mit Amerikanern
Russland wird in dem GesprĂ€chsprozess von den USA auf dem Laufenden gehalten. Die französische Zeitung «Le Monde» berichtete, der Kreml-UnterhĂ€ndler Kirill Dmitrijiew sei am Donnerstag in Paris gewesen, einen Tag nach dem Gipfel der Ukraine-UnterstĂŒtzer in der Koalition der Willigen. Das US-Portal «Axios» schrieb unter Berufung auf informierte Quellen, Dmitrijew habe in der US-Botschaft in Paris mit den US-UnterhĂ€ndlern Steve Witkoff und Jared Kushner gesprochen.







