Baerbock in Nahost: Hisbollah und Lage im Gazastreifen
25.06.2024 - 05:04:49AuĂenministerin Annalena Baerbock setzt mit einem GesprĂ€ch mit dem MinisterprĂ€sidenten der PalĂ€stinensischen Autonomiebehörde (PA), Mohammed Mustafa, in Ramallah ihre zweitĂ€gigen KrisengesprĂ€che im Nahen Osten fort. Bei der Unterredung am Morgen dĂŒrfte es auch um die ReformbemĂŒhungen der PA gehen. Die Autonomiebehörde könnte aus Sicht der GrĂŒnen-Politikerin in einer Nachkriegsordnung im Gazastreifen eine wichtige Rolle spielen.Â
Auf der Herzlija-Sicherheitskonferenz in der KĂŒstenmetropole Tel Aviv hatte Baerbock am Vorabend erklĂ€rt, wenn man wolle, dass die PA irgendwann die Rolle der legitimen Regierungsbehörde in Gaza ĂŒbernehme, mĂŒsse diese in der Lage sein, dies zu gewĂ€hrleisten - auch mit Polizei- und SicherheitskrĂ€ften.
Die Ministerin fordert schon lÀnger eine Reform der Autonomiebehörde. Sie warnte aber: «In der gegenwÀrtigen Situation ist es gefÀhrlich und kontraproduktiv, etablierte PA-Strukturen zu zerstören und zu destabilisieren.» Genau dies bewirke aber die illegale Ausweitung israelischer Siedlungsprojekte im Westjordanland.
Baerbock strebt Zweistaatenlösung an
Baerbock strebt wie viele Partner in Europa, den USA und der Region eine Zweistaatenlösung zwischen Israelis und PalĂ€stinensern an, bei der ein unabhĂ€ngiger palĂ€stinensischer Staat friedlich Seite an Seite mit Israel existiert. Israels MinisterprĂ€sident Benjamin Netanjahu lehnt eine solche Lösung ebenso ab wie die islamistische Hamas.Â
Ein Treffen Baerbocks mit Netanjahu ist diesmal nicht geplant. Bei der jĂŒngsten Unterredung zwischen beiden Politikern Mitte April war es zu einer lautstarken Auseinandersetzung gekommen. Es ist bereits die achte Reise Baerbocks nach Israel seit der blutigen Terrorattacke der Hamas am 7. Oktober.Â
GesprÀch mit Benny Gantz
Baerbock traf sich in Jerusalem mit Ex-General Benny Gantz, der kĂŒrzlich Netanjahus Kriegskabinett verlassen hatte, weil die Regierung keinen Plan fĂŒr eine Nachkriegsordnung im Gazastreifen erarbeitet. Bis heute hat Netanjahu einen solchen Plan nicht vorgelegt - wohl auch, um seine ultrarechten Koalitionspartner, von denen sein politisches Ăberleben abhĂ€ngt, nicht vor den Kopf zu stoĂen. Diese fordern eine Wiedererrichtung israelischer Siedlungen im Gazastreifen. Ăber Inhalte des GesprĂ€chs wurde zunĂ€chst nichts bekannt.
Nun will Baerbock auch mit ihrem Kollegen Israel Katz zusammenkommen. Im Mittelpunkt dĂŒrften dabei das Vorgehen Israels im Gazastreifen sowie die dramatische humanitĂ€re Lage der Zivilbevölkerung dort stehen. SpĂ€ter ist ein Treffen mit Angehörigen von EntfĂŒhrungsopfern geplant, die weiterhin im Gazastreifen festgehalten werden.
Baerbock in Beirut - Sorge um Eskalation mit der Hisbollah
Vor dem Hintergrund wachsender Sorgen vor einer Eskalation des Konflikts zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon fliegt Baerbock am Nachmittag in den Libanon weiter. In der Hauptstadt Beirut sind vor der RĂŒckreise nach Berlin GesprĂ€che mit dem geschĂ€ftsfĂŒhrenden MinisterprĂ€sidenten Nadschib Mikati und dem geschĂ€ftsfĂŒhrenden AuĂenminister Abdullah Bou Habib geplant.
VollstĂ€ndigen RĂŒckzug der Hisbollah verlangt
Bei der Herzlija-Konferenz hatte Baerbock einen vollstĂ€ndigen und nachweisbaren RĂŒckzug der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Grenzbereich des Libanons zu Israel verlangt. Die Zunahme der Gewalt an der Nordgrenze Israels bereite groĂe Sorgen. «Das Risiko einer unbeabsichtigten Eskalation und eines umfassenden Krieges wĂ€chst tĂ€glich. Daher ist Ă€uĂerste Vorsicht geboten», sagte Baerbock.
Israel will durch diplomatischen Druck erreichen, dass sich die Miliz hinter den 30 Kilometer von der Grenze entfernten Litani-Fluss zurĂŒckzieht - so wie es eine UN-Resolution vorsieht. Notfalls sei Israel aber auch zu einem gröĂeren MilitĂ€reinsatz bereit, warnte der israelische Verteidigungsminister Joav Galant kĂŒrzlich.Â
Luftangriff im SĂŒden des Gazastreifens
Bei einem israelischen Luftangriff in Chan Junis im SĂŒden des Gazastreifens wurden nach Krankenhausangaben mindestens sieben PalĂ€stinenser getötet. Nach Angaben von Einwohnern der Stadt hatten die Getöteten im Auftrag der Hamas humanitĂ€re Hilfslieferungen begleitetet.
Hilfsorganisationen warnen vor dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung und Chaos. Erstmals seit Wochen gab es in der israelischen KĂŒstenstadt Aschkelon wieder Raketenalarm. Nach Angaben von SanitĂ€tern verletzten sich zwei Menschen, als sie in SchutzrĂ€ume liefen. Mehrere andere erlitten demnach Schocks.Â
Bei einer Ansprache im israelischen Parlament in Jerusalem bekrĂ€ftigte Netanjahu, der Krieg werde nicht enden, bevor alle 120 Geiseln â die Lebenden und die Toten â wieder zurĂŒckgekehrt seien. «Wir sind dem israelischen Vorschlag verpflichtet, den US-PrĂ€sident Biden begrĂŒĂt hat. Unsere Position hat sich nicht verĂ€ndert», sagte er. Netanjahu unterstrich gleichzeitig das Ziel der Zerstörung der Hamas. AuĂerdem werde man «um jeden Preis und auf jede Art die Absichten des Irans, uns zu zerstören, vereiteln».
Gallant fĂŒhrt GesprĂ€che in Washington
In Washington traf Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant mit US-AuĂenminister Antony Blinken zusammen. Sie sprachen ĂŒber die BemĂŒhungen um eine Waffenruhe in Gaza, die zu einer Freilassung der israelischen Geiseln und zu Erleichterungen fĂŒr die palĂ€stinensische Bevölkerung fĂŒhren könnte. Blinken habe Gallant ĂŒber die aktuellen diplomatischen BemĂŒhungen um Sicherheit und Wiederaufbau in Gaza nach Beendigung des Konflikts informiert, sagte Sprecher Matthew Miller.


